Die mobile Instandhaltung könnte durch Ansätze wie Low Code schneller in der Breite angewendet werden.

Die mobile Instandhaltung könnte durch Ansätze wie Low Code schneller in der Breite angewendet werden. - Bild: pressmaster/stock.adobe.com

Stellen Sie sich vor, dass ganze Anlagen und Maschinen zu 100 Prozent mobil und ganz ohne Papier gewartet werden. Diese Vorstellung ist kein Wunsch für die Zukunft, sondern vielmehr eine Notwendigkeit. Die Industrie muss vorangehen und überall digitalisieren wo es möglich ist, um Medienbrüche bei der Wartung abzuschaffen und eine reibungslose und effiziente Produktion mit möglichst wenig Ausfällen zu gewährleisten.

Eine mobile Lösung für die Instandhaltung ist also unglaublich wichtig für den Unternehmenserfolg und bringt auf Basis moderner Technologien umgesetzt viele Vorteile: Digitalisierung der Instandhaltungs-Abwicklung und Dokumentation, Flexibilität bei Endgeräten und Einsatzorten ohne Netzabdeckung (offline) und die Verringerung von Stillstandszeiten.

Nehmen wir zum Beispiel einen deutschen Mittelständler der SAP PM verwendet. Mit gezielten mobilen Applikationen können diese SAP Prozesse schnell und kostengünstig digitalisiert werden und dafür komplett auf aufwendige Schritte und vor allem auf Papier verzichtet werden. Die gesamte Wartung ist damit in der IT-Landschaft integriert.

Die Instandhaltung ist nun in der Lage, Fehlermeldungen am Einsatzort anzulegen (on- und offline), Equipments einfach zu identifizieren und mit historischen Informationen anzureichern. Auch neue Technologien können so vom Instandhaltungsmanagement ins Auge gefasst werden, wie zum Beispiel die Verwendung von Datenbrillen oder AR (augmented reality), die einem Techniker als mobile Lösung ein effizienteres Arbeiten mit beiden Händen dank Spracherkennungssoftware ermöglichen

Soweit die Theorie. Denn selbst wenn die Digitalisierung hier und da bereits eingeleitet wurde, geschieht sie noch lange nicht schnell und konsequent genug. Die Gründe: Bestehende technische Herausforderungen - Kostendruck, zunehmender Wettbewerb - und aktuell auch die drohenden Auswirkungen der Pandemie lasten schwer auf den Schultern der produzierenden Industrie.

Christoph Garms
Autor Christoph Garms, Deutschlandchef von Neptune Software. - Bild: Neptune Software

Hierfür bietet der sogenannte Low-Code-Ansatz die passende Lösung für den IT- und Geschäftsbereich. Zum einen, um beide Abteilungen zu entlasten und zum anderen, um in der Digitalisierung einen Schritt weiterzukommen. Laut jüngster Gartner Aussage wächst die Nachfrage durch das “Zusammenspiel aus digitalen Disruptionen, Hyperautomatisierung und der Aufstieg von Composable Business" rasant. Die Rapid-Application-Development (RAD)-Anbieter ermöglichen es also Unternehmen, mit wenig bis gar keinen Programmierkenntnissen schnell eigene Desktop- oder mobile Anwendungen zusammenzustellen. Hier wollen wir fünf Gründe näher beleuchten, wie der Low-Code-Ansatz die mobile Instandhaltung vorantreiben kann:

1. Low-Code-Entwicklungsplattformen fördern crossfunktionales Projektmanagement

Mittelständische Unternehmen kennen das: Mitarbeiter aus unterschiedlichen Fachabteilungen brauchen neue Produkte, Tools oder Plattformen und gehen mit ihren Wünschen zur IT. Doch selbst mit den richtigen Programmierkenntnissen können die Entwickler mit der Nachfrage nicht mithalten. Je nach Anforderung, vorhandenen Skills und Zeitplan brauchen Unternehmen daher ein wenig Hilfe bei der Mobilisierung. In der Regel verfügen Unternehmen jedoch schon über alle erforderlichen Kenntnisse und Daten, die sie benötigen. RAD-Plattformen liefern also den passende Tool-Mix zwischen Eigenentwicklung, Template-Apps und fertigen Lösungen. Das allein reicht aber noch nicht. Damit effizientere Geschäftsprozesse entstehen, erfordert es eine enge Zusammenarbeit zwischen Fachabteilungen und IT-Teams.

Ein Low-Code Ansatz kann dabei helfen, die Lücke zu schließen und IT und Business zusammen zu bringen. Low-Code benötigt weniger Programmierkenntnisse und macht komplexe Infrastrukturen für alle Mitarbeiter greifbar - zum Beispiel mit Template Apps. Die Fachexperten aus der Geschäftsebene können nun Teil des Entwicklungsprozesses sein, sodass IT-Mitarbeiter ein besseres Verständnis für die geschäftlichen Anforderungen bekommen.

Der Fachexperte, zum Beispiel aus dem Instandhaltungsmanagement, nutzt seine Erfahrung, um den Rahmen der Anwendung zu entwerfen, während die IT-Teams - falls nötig - immer noch auf dem Code zugreifen können, um diese zu verbessern.

Generell verändert sich die Rolle der IT stark. Vom operativen Arm der Geschäftsseite sind Entwickler oder IT-Manager nun viel stärker in strategische Entscheidungen eingebunden und führen die Prozessdigitalisierung an.

2. Freie Auswahl bei den Endgeräten und Betriebssysteme

Mobile Geräte und Applikationen sind in unserem Alltag allgegenwärtig. Warum sie also nicht auch für die Instandhaltung nutzen? Derart aufwendige Vorgänge mit Papier und Stift an der Anlage auszuführen, ist veraltet und sehr fehleranfällig. Wir sagen, es ist an der Zeit, sie auf ein Smartphone oder Tablet zu verlagern. Aber dann kommt die nächste Frage: Für welche Geräte oder Betriebssysteme sollen wir diese Applikationen entwickeln? Vielen fällt es noch schwer für iOS, Android und Windows parallel zu entwickeln.

Der hybride Low-Code-Ansatz ist daher ein großer Pluspunkt, denn er ermöglicht eine freie Auswahl bei Endgeräten. Anwendungen werden einmal entwickelt und können dann für alle Betriebssysteme paketiert werden. Native Gerätefunktionen wie Barcode Scanner und Kamera für die mobile Instandhaltung lassen sich einfach in die Anwendungen integrieren.

Beim Thema Web- oder Native-Anwendung geht die Tendenz ganz klar in Richtung Webanwendungen. Die Covid-19 Krise hat uns allen gezeigt, wie wichtig ortsunabhängiges Arbeiten geworden ist - auch in der Instandhaltung. Nutzer wollen ihre Anwendungen von überall und auf jedem Gerät nutzen. Dies ist mit nativer Software nur mit extrem hohem Aufwand umsetzbar. Webanwendungen werden als mobile Lösung bei der Bereitstellung einfach per URL aufgerufen.

Mit einer Entwicklungsplattform wie der Neptune DX Platform lassen sich solche Anwendungen also schnell in eine Progressiv-Webanwendung umwandeln und so auch direkt auf allen mobilen Endgeräten installieren. Damit entfällt auch der "manuelle" Aufruf einer URL. Das Beste hieran ist, dass Updates automatisch vom Server gezogen werden. Jedes Mal, wenn der Nutzer, die Anwendung öffnet ist sie auf dem aktuellen Stand.

3. Geringer Zeit- und Kostenaufwand für die Instandhaltung

Bei der mobilen Instandhaltung zählen wie überall Zeit und Geld. Durch eine Low-Code-Plattform wird der Entwicklungszeitraum funktionaler Applikationen von mehreren Monaten auf wenigen Wochen gekürzt. Die Plattform baut auf der bestehenden Infrastruktur auf und erweitert diese. Somit können Anwendungen mit geringem Aufwand und in kurzer Zeit pilotiert werden. Erste Prototypen werden schon nach wenige Wochen getestet, bewertet und verbessert.

Aufgrund des Kostendrucks in allen Branchen, steigender Wartungsanfragen und Anwenderzahlen suchen Unternehmen vermehrt nach erschwinglichen, einfach zu bedienenden und flexiblen Anwendungen. So konnte zum Beispiel Vattenfall mit der Einführung mobiler Applikationen für Auftrags- und Meldungsmanagement, Checklisten & Wartungsanweisungen, den Informationsaustausch mit den Arbeitern im Feld verbessern, die SAP Prozesse verschlanken und die Kosten für Wartung und Instandhaltung senken. In der Praxis wurden die ersten Anwendungen bereits nach wenigen Wochen in zwei Windparks getestet und später dank des Feedbacks der Anwender standortübergreifend implementiert.

4. Online- und Offline-Usability

Ein weiteres Argument für den Low-Code-Ansatz in der mobilen Instandhaltung ist die Bereitstellung aller aktuellen und relevanten Auftragsdaten, egal ob online oder offline. Diese Funktion ist wichtig, unter anderem um Medienbrüche zu vermeiden, beispielsweise für die Mitarbeiter, die vor Ort an großen Anlagen oder Offshore-Standorten arbeiten. In diesem Fall müssen sie in der Lage sein, auch ohne Verbindung auf Daten oder Informationen zuzugreifen und Rückmeldungen zum Wartungseinsatz zu geben.

Damit Instandhalter offline auf Daten zugreifen und diese mit ihren Informationen synchronisieren können, wird ein digitales Ökosystem benötigt, das durch eine offene Informationskette geprägt ist. Der Vorteil dieser hybriden Online-Offline-Infrastruktur liegt also darin, Transparenz zu unterstützen, Doppelarbeit und vor allem Fehler zu vermeiden. Mithilfe dieses Ansatzes konnten viele Firmen tatsächlich ihre komplette Instandhaltung beschleunigen und die Zufriedenheit der Anwender erhöhen.

Bilderstrecke: 7 Schritte zum digitalen Service- und Instandhaltungsprozess

5. Individuelle Apps für jedes Nutzungsszenario

Die vorherigen zwei Punkte bringen uns zum letzten Argument, wie Low-Code die mobile Instandhaltung unterstützt. Diese Anwendungen bauen auf verschiedenen internen Softwares und Tools auf, die bereits zur Verfügung stehen, um sie in einer Anwendung zu vereinen. Aber eine einzige Applikation zu erstellen, um einen kompletten Prozess zu mobilisieren, ist eher kontraproduktiv.

Die Aufteilung von Prozessen in mehrere Anwendungen, ermöglicht es Unternehmen, sich auf jeden einzelnen Prozess zu konzentrieren und Anwendungen zu erstellen, die wirklich benötigt werden. Das nennen wir den Launchpad Gedanken: so werden schlanke Apps für Teilprozesse entwickelt, die sich untereinander aufrufen und Daten übergeben. Auf diese Weise kann ein Rückmeldeprozess auf dem Wartungsauftrag abgebildet werden.

Darüber hinaus können individuelle Apps für andere Benutzergruppen bereitgestellt werden. Ob für die Erfassung von Fotos und Messwerten, Statusänderungen, Rückmeldungen, Serviceberichte, Formulare und Checklisten, Materiallogistik - diese Apps können einfach extrahiert und für andere Szenarien wiederverwendet werden.

Der Schritt von der analogen zur mobilen Instandhaltung ist für die unterschiedlichsten Branchen wichtig und notwendig. Nicht nur, um Prozesse intern zu digitalisieren und Teams dem aktuellen Zeitalter näherzubringen, sondern um überhaupt wettbewerbsfähig zu bleiben. Nur so können mittelständische Unternehmen in den kommenden Jahren auf ihren eigenen Märkten und international an der Spitze bleiben.

Erfolgsgeschichten wie Infraserv Höchst, Hauni, dem Würzburger Versorgung und Verkehr GmbH oder Vattenfall sind auch ein Beweis dafür, dass mobile Instandhaltung sich problemlos mit der gesamten Digitalisierungsstrategie synchronisieren lässt.

Im Fall von Infraserv Höchst konnte der Industriepark in Frankfurt am Main dank Neptune Software den Entwicklungsaufwand durch 22 Applikationen auf allen gängigen Betriebssystemen um 70 Prozent reduzieren, den Einrichtungsaufwand um 80 Prozent und die Durchlaufzeit der Wartungs- und Inspektionskette um weitere 40 Prozent senken. Dies hat das Unternehmen auch dazu gebracht, neue Technologien wie eine digitale Datenbrille einzuführen, die bis heute die weltweit erste komplette SAP integrierte Lösung ist.

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