Eien Instandhalterin mit Tablet - die Digitalisierung kann für Unternehmen auch im Maintenance-Bereich teuer werden.

Wer seine Instandhaltungsprozesse digitalisieren möchte, muss tiefe Taschen haben - oder wissen, wo er Fördergelder herbekommt. - Bild: Aliaksei / stock.adobe.com

| von Manfred Godek

Sensoren plus Software plus Dashboard plus AR-Brille zur Fernwartung. Bei Projekten zur Digitalisierung in der Instandhaltung geht es in der Regel um die Systemintegration gleich mehrerer Komponenten. Investitionen in diese Entwicklung sind entsprechend aufwendig und müssen finanziert werden.

Da kann es einem KMU angesichts der für die diversen Innovationen und Produkte aufgerufenen Summen schon einmal schwummrig werden. Aber es gibt gute Nachrichten für die mittelständischen Unternehmen und ihre Sorgen um die Finanzierung der digitalen Neuerungen: Der Staat hat das eine oder andere Förderprogramm aufgelegt.

Zur Realität in der Finanzierung der Digitalisierung gehört allerdings auch, dass viele Banken nichts vom Geschäft ihrer Kunden verstehen und deshalb so manches vielversprechende Vorhaben oder spannende Innovation mit Retail-Mechanismen abbügeln. Stichworte: Sicherheiten, Bonität.

Förderung durch die KfW

Aber auch, wenn es um zinsgünstige Kredite oder um Bürgschaften staatlicher Förderbanken geht, etwa der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), haben die Finanzinstitute sozusagen den Daumen drauf. Denn die öffentlichen Banken vergeben in der Regel selbst keine Kredite, sondern sorgen für deren Refinanzierung und übernehmen einen Teil des Kreditrisikos

Zwar hat die Bundesregierung die Digitalisierung als eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben ausgerufen, leichter an Geld für digitale Projekte kommt man dadurch aber nicht. Jedes einzelne Vorhaben muss fundiert begründet und am besten mit Zahlen unterlegt werden können.

Förderprogramme, speziell der KfW und anderer öffentlicher Banken, bieten Darlehen und Zuschüsse auch für mittelständische Unternehmen bis in einen zweistelligen Millionenbereich, zum Beispiel den KfW-Digitalisierungskredit.

In anderen Programmen wie dem KfW-Kredit für Wachstum dagegen taucht der Begriff 'Digitalisierung' zwar nicht auf. Aber auch hieraus können Mittel für entsprechende Vorhaben in der Instandhaltung geschöpft werden, eines vorausgesetzt: Der zwischengeschaltete Banker ist von dem Vorhaben überzeugt und versteht das Fördergeschäft.

Mit diesen Angaben können Sie ihren Bankberater überzeugen und zeigen, wie Instandhaltung die Rendite steigert:

 

  • Höhere Anlagenverfügbarkeit, kurze Stillstandszeiten
  • Optimale Prozessführung
  • Geringerer Ressourcenverbrauch (weniger Ausschuss, keine Leckagen)
  • Geringerer Energieverbrauch (durch schadhafte Maschinen und Wiederanfahren)
  • Ressourcensicherung: effizienter Betriebsmitteleinsatz und Personaleinsatz (keine "persönliche" Überwachung)
  • Längere Lebensdauer von Maschinen, Anlagen und Gebäuden

Was wird unterstützt?

Unterstützenswerte Projektziele im Sinne eines Förderprogramms sind ressourcenschonende Produktionsmethoden oder Steigerungen von Energieeffizienz. Sie können auch mithilfe einer optimierten Instandhaltung erreicht werden, sie ist sozusagen Mittel zum Zweck.

"Eine Maschine, die nicht ausfällt, muss nicht wieder eingefahren werden. Energie-Mehraufwand oder die Produktion von Ausschuss entstehen erst gar nicht, also werden Strom, Material oder Rohstoff gespart", erklärt Jens Fröhlich, Leiter Fördermittel der IKB die Systematik der richtigen Herangehensweise.

Über einen gut begründeten Antrag werde von der betreffenden Förderbank in der Regel sehr schnell und bis zu einer bestimmten Größenordnung sogar automatisiert binnen weniger Tage entschieden. Gute Karten hätten unter anderem Unternehmen, die nach ISO 50001 zertifiziert seien und ihre Energieströme und Verbräuche im Detail erfassen müssten.

Fröhlich: "Bei der entsprechenden maschinellen Regeltechnik sind wir auch ganz schnell beim Thema Predictive Maintenance." Ganz anders sei dies bei Kredit-begleitenden Zuschüssen. Diese würden in der Regel nur für technologische Innovationssprünge gewährt. Experten der jeweiligen Fachgebiete begutachteten eine solche Entwicklung sehr intensiv, was mehrere Monate dauern könne.

Geld vom BMWi

Zum bekanntesten Zuschussprogramm gelangt man ohne Hausbank. Dem 'Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand' des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), kurz ZIM. Das Programm ist technologieoffen und damit auch für digitale Instandhaltung nutzbar.

"Soweit es sich um Maßnahmen der Forschung und Entwicklung handelt, ist gegebenenfalls auch eine Förderung über ZIM möglich", erklärt das BMWi auf Anfrage. Gefördert werden Projekte einzelner Unternehmen und sogenannte Kooperationsprojekte von mindestens zwei Unternehmen oder einem Unternehmen plus einer Forschungseinrichtung. Da die Entwicklung von Innovationen in der Digitalisierung meist mit großen Investitionen der Unternehmen einhergeht, sind solche Kooperationen vermehrt üblich.

Zudem werden Netzwerke gefördert, in denen mehrere Partner innovative Entwicklungen vorantreiben. Die Einzelförderung beträgt bis zu 45 Prozent der Projektkosten von maximal 380.000 Euro, bei Teilprojekten im Rahmen von Kooperationen bis zu 55 Prozent in Form eines nicht rückzahlbaren Zuschusses.

Ein Beispiel für ein solches Entwicklungsprojekt ist der Einsatz von Drohnen zur 3D-Inspektion schwer zugänglicher Anlagen und Leitungssysteme. „In vielen Fällen ersetzt die Drohne den Aufbau von Gerüsten und den Einsatz von Industriekletterern. Für Unternehmen lassen sich so Wartungskosten deutlich reduzieren, Anlagen früher wieder in Betrieb nehmen und somit die Zahl der produktiven Stunden erhöhen“, heißt es in dem Projektbericht.

Mittel vom Kompetenznetzwerk Industrie 4.0

Das Kompetenznetzwerk Industrie 4.0 fördert dagegen nicht gezielt Projekte, bietet aber umfangreiches Wissen technologische Entwicklungen. Bundesweit 26 regionale 4.0-Kompetenzzentren im Mittelstand sind erste Anlaufstellen bei allen Fragen rund um die Digitalisierung. Sie helfen kleinen und mittleren Unternehmen, den Stand der eigenen Digitalisierung einzuschätzen, entwickeln gemeinsam mit ihnen einen individuellen Digitalisierungsfahrplan und weisen den Weg zu förderungsfähigen Beratungen.

Beispiele für unterstützte Digitalisierungsprojekte

  • Zur Erhöhung der Verfügbarkeiten durch Predictive Maintenance führte zum Beispiel ein Industrie-4.0-Projekt des Anbieters von Wäge- und Schneidetechnologie Bizerba: Maschinen wurden mit Sensoren ausgestattet. Diese senden Gesundheitsdaten, welche in der Cloud gespeichert und analysiert werden, was Bizerba in die Lage versetzt, eine Maschine noch vor einem Ausfall zu einem bestmöglichen Zeitpunkt präventiv zu reparieren.
  • Unter der Überschrift 'autonome Instandhaltung' stand ein Projekt an einem Schaeffler-Standort in NRW. Ein Sensor liefert Kennwerte zur Drehzahl, Temperatur, Schwingung und zum Stand des Schmierfetts an die Steuerung einer Maschine. Diese vergleicht Ist- und Soll-Werte und leitet bei Fehlermeldungen Wartungsaktionen selbstständig ein; sie gibt zum Beispiel einen Impuls an den Schmierstoffgeber. Tritt keine Verbesserung der Kennwerte ein, schließt die Steuerung auf weitere Fehlerquellen und sendet eine SMS an den Instandhalter.

Neues Programm "Digital Jetzt"

Für den Sommer 2020 ist das Investitionszuschussprogramm 'Digital Jetzt – Investitionsförderung für KMU' des BMWi angekündigt. Nutznießer sollen KMU und Handwerksbetriebe mit drei bis 499 Mitarbeitern sein.

Das Förderprogramm gibt Zuschüsse bei Investitionen in digitale Technologien, insbesondere Hard- und Software und für die Qualifizierung der Mitarbeiter zu Digitalthemen. "Auch die Digitalisierung eines Teils der Geschäftsprozesse (hier der Instandhaltung) ist grundsätzlich förderfähig, wenn dies dazu dient, die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit des Unternehmens zu stärken", heißt es aus der Pressestelle des zuständigen Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Förderprogramme der Bundesländer

Digitalisierung steht bei zahlreichen Förderprogrammen der Bundesländer im Mittelpunkt. Die Bandbreite reicht von Zuschüssen in Höhe von 6.000 Euro bis hin zu Krediten von sechs Millionen Euro. Geld gibt es in der Regel aber nur für Unternehmen, die etwas Neues wagen und echte Innovationen im Köcher haben.

Exemplarisch dafür ist das Programm 'Digitalbonus' des Freistaats Bayern. Wenn kleine und mittelständische Unternehmen ihre Prozesse digitalisieren, haben sie Aussicht auf Zuschüsse in Höhe von 10.000 bis 50.000 Euro. Voraussetzung für die Förderung ist, dass digitale Systeme erstmals eingesetzt werden. Ausgeschlossen ist dagegen der Erwerb herkömmlicher Soft- oder Hardware.

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Förderung durch Maschinenhersteller

Bei Neuinvestitionen in Maschinen und Anlagen sind digitale Überwachungs- und Wartungstools Bestandteil des Gesamtkonzepts. Hersteller unterstützen ihre Kunden auf verschiedene Weise. Das reicht von Projektbegründungen bis hin zu direkten Finanzierungen, wie sie beispielsweise der Siemens-Konzern über seine Tochter Siemens Financial Services (SFS) anbietet.

Unter anderem gibt es ein Pay-to-Use-Modell an, bei der die Unternehmen Raten für die Nutzung zahlen. Die meisten Mittelständler können entsprechende Maßnahmen allerdings nur im Rahmen von Nachrüstungen schultern. Zweite Wahl sind solche Maßnahmen nicht.

"Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Retrofit-Lösungen gemacht und bieten diese in Zusammenarbeit mit Technologie-Partnern und Siemens auch aktiv an. Retrofit hilft die Lebenszeit der Maschinen und Anlagen zu verlängern, durch technische Aktualisierungen und digitale Updates werden die Maschinen praktisch neuwertig", so Kai-Otto Landwehr, Leiter der Commercial Finance Einheit Deutschland von SFS. Zudem würden die Anlagen energieeffizienter und letztlich sei es nachhaltig und umweltfreundlich, bestehendes Equipment länger zu nutzen.

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