Selbstständig sein, als Chef die eigenen Leute führen - wer ein Unternehmen gründen will, muss oft den Sprung ins kalte Wasser wagen. Jan Dornbach ist gesprungen und leitet nun sein Instandhaltungs-Unternehmen.

Selbstständig sein, als Chef die eigenen Leute führen - wer ein Unternehmen gründen will, muss oft den Sprung ins kalte Wasser wagen. Jan Dornbach ist gesprungen und leitet nun sein Instandhaltungs-Unternehmen. - Bild: Dornbach

| von Stefan Weinzierl

Junge Unternehmen (neudeutsch Startups) beschäftigen sich in der allgemeinen Wahrnehmung meist mit hyperhippen Softwarethemen, latent unverständlichen Kreativaktionen oder machen irgendwas mit Öko. Dazu sitzen sie in Berlin-Friedrichshain, Hamburg-St.Pauli oder München-Schwabing.

Beim 29-jährigen Gründer Jan Dornbach ist das ein wenig anders. Er sitzt im der überdrehten Schnelllebigkeit eher unverdächtigen Olpe und hat dort 2020 sein eigenes Instandhaltungs-Unternehmen gegründet.

Und das nicht mit einer Horde barttragender, jutetaschenbewehrter Hipster, sondern mithilfe seiner Familie. Der Entschluss dazu reifte langsam, so wie der Honig, den der Hobbyimker von seinen Bienen gewinnt. Und er fußte auf einer bodenständigen Ausbildung von der Pike auf.

Seinen Schulabschluss machte er auf der Realschule – mit dem sogenannten Qualifikations-Vermerk, der es guten Schülern ermöglicht, nach der 10. Klasse die gymnasiale Oberstufe zu besuchen. "Aber ich wollte etwas Praktisches machen und habe mich für eine Berufsausbildung entschieden", erzählt Dornbach. Er entschied sich nach diversen Praktika für die Ausbildung zum Industrie-Mechatroniker – ein Weg, zu dem er jungen Menschen auf Berufssuche generell rät: "Ich war selbst nicht ganz sicher und habe mich zuerst schwergetan mit der Berufswahl. Durch diverse freiwillige Praktika, Schnuppertage, Berufsmessen und mehr habe ich meinen Weg finden können."

Jan Dornbach ist den Weg vom Mechatroniker-Azubi zum Unternehmer gegangen.
Jan Dornbach ist den Weg vom Mechatroniker-Azubi zum Unternehmer gegangen. - Bild: Dornbach

Dass es aber eine handwerkliche Tätigkeit sein sollte, zeigte sich – fast schon klassisch – sehr früh: "Es gibt alte Videokassetten meiner Eltern, die mich im Kindesalter zeigen, wie ich mein Spielzeug auseinandergeschraubt habe. Nicht, dass ich es damals wieder zusammengebaut hätte… ganz offen, das Instandsetzen hat dann doch noch einige Jahre gedauert." Sein Interesse zeigte sich auch in der Schule, wo ihn physikalische, mathematische und technische Abläufe und Schulfächer von klein auf am meisten interessierten.

Seine berufliche Laufbahn startete bei einem mittelständischen, familiengeführten Unternehmen im südwestfälischen Verbund der innovativen Automobilzulieferer (VIA). Dort führte sein rund 13-jähriger Weg vom Azubi über den Facharbeiter bis hin zum Leiter der Maschinen & Gebäudeinstandhaltung von zwei Werken. "Eine lehrreiche Zeit", resümiert Dornbach heute.

Doch das genügte dem umtriebigen Instandhalter nicht: Neben dem Job bildete er sich zum Fachingenieur im Bereich Maschineninstandhaltung, zum Sachverständigen für das Maschinenprüfungswesen, zum geprüften technischen Betriebswirt, sowie zum staatlich geprüften Techniker der Fachrichtung Mechatronik weiter. "Dadurch sind mir auch Zeitmanagement und Resolutheit in Fleisch und Blut übergegangen."

Jan Dornbachs Tipps für Gründer:

  • Die Geschäftsidee auf den Prüfstand stellen und dran feilen bis es passt!
  • Das Aneignen von Fachwissen und nötiger Qualifikationen!
  • Partner suchen und ein Netzwerk aufbauen!
  • Eine gründliche Marktanalyse betreiben! (Zielgruppen, Mitbewerber, "Bauchladen", Standort, et cetera)
  • Die richtige Unternehmensstruktur /-form wählen!
  • Das Konzept für Marketing und Vertrieb aufbauen!
  • Aufstellung einer Planrechnung inklusive des Kapitalbedarfs und möglicher Fremdfinanzierung!
  • Mentoring - Nicht scheuen, Hilfestellungen anzunehmen

Je mehr er lernte und je mehr Erfahrungen er sammelte, umso konkreter wurde der Wunsch, selbstständig zu arbeiten: "Getestet habe ich die Idee dann im Jahr 2018 im Nebenerwerb", erzählt Dornbach. "Ich habe gemerkt, ich möchte das machen, nicht nur eine Nummer, ein Nebenprozess sein." Und das – ein Nebenprodukt – ist man aus seiner Sicht in der Instandhaltung meistens. "Außer, man ist Dienstleister. Aber dann arbeitet man oft nur reaktiv statt proaktiv", sagt der Firmengründer. "Wenn man das Thema von Grund auf gelernt hat, sich weiterbildet, Fachabschlüsse erwirbt und dann sein Wissen nicht voll anwenden kann, dann schmerzt das innerlich."

Die Tätigkeit im Nebenerwerb zeigte: Da geht was! Aber noch war die Entscheidung nicht zur Gänze gefallen: "Ich habe gemerkt, dass Nachfrage da ist – aber auch, dass ich persönlich noch nicht bereit genug dazu war", blickt Dornbach zurück "Dazu hat es dann noch einmal gut anderthalb Jahre gebraucht. Dann ich habe mir gesagt, ich möchte nicht mit 60 oder 62 Jahren zurückschauen müssen und sagen: Hättest halt mal."

Also startete er 'Dornbach Instandhaltung'. Und der Name ist durchaus in zweierlei Hinsicht Programm, denn neben Inhaber Jan unterstützen auch seine Frau und sein Bruder das Unternehmen. Er selbst ist sowohl administrativ tätig – aber auch praktisch und mit den vier Angestellten "im Feld" unterwegs. Dabei konzentriert sich das junge Unternehmen auf den Bereich Südwestfalen – auch wenn es Kunden in Österreich und Polen hat. "Aber das ist schwierig, denn auch wenn wir ein proaktives, ganzheitliches Instandhaltungs-Konzept bieten – manchmal muss man eben doch kurzfristig auf Schäden und Stillstände reagieren." Die Kunden von Dornbach kommen aus vielen Branchen: Kunststoff, Metall, Chemie, petrochemische Anlagen, Automotive oder Sondermaschinenbau. 

Kunden gewinnt Dornbach dann, wenn diese von seiner Vision der proaktiven Instandhaltung überzeugt sind – und dann schon auch mal im Wettbewerb mit großen Serviceanbietern. "Wir können hier oft mit tiefer gehender Sachkenntnis punkten – die großen Anbieter sind oft breiter, aber eben nicht so vertikal und vor allem flexibel aufgestellt."

Doch die Corona-Krise macht es nicht nur dem jungen Instandhaltungs-Unternehmen selbst, sondern auch seinen potenziellen Kunden nicht leicht: "Man merkt schon, dass der eine oder andere ums Überleben kämpft und seine Instandhaltungsmaßnahmen so weit rausschiebt wie es geht – oder sie gänzlich vernachlässigt", sagt Dornbach. "Keiner weiß, wo es hingeht. Aus den verschiedensten Branchen merkt man doch, dass da ein massives Stottern drin ist."  Er selbst nutzt die Chance, sein Consulting- und Schulungs-Geschäft auszubauen.  

Trotz der aktuellen Corona-Widrigkeiten, den behördlichen Abläufen bei Überschneidungen von Zuständigkeitsbereichen oder den Herausforderungen mit speziellen Gegebenheiten bei Kunden – bereut hat der junge Familienvater seinen Entschluss zur Selbstständigkeit nie. "Von den ersten konkreten Überlegungen dazu auf dem Weg zur Weiterbildung im Jahr 2011 bis zum Nebengewerbe 2018 und der Gründung 2020 – der Erhalt von Maschinen und Anlagen mit neuem und mit althergebrachtem Wissen macht mir Spaß."

Bilderstrecke: Die führenden Industrieservice-Unternehmen Deutschlands 2020

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