Bilfinger-Mitarbeiter, Gerät zur Wellenausrichtung per Laser

Zwei Bilfinger-Mitarbeiter arbeiten mit dem neuen Gerät zur Wellenausrichtung per Laser. - Bild: Easy-Laser

Bilfinger Maintenance betreut im und um den Industriepark Höchst die Maschinen- und Antriebstechnik die Mehrzahl der dort produzierenden Betriebe. Bei der Wellenausrichtung setzen die Experten schon länger auf die Zusammenarbeit mit dem schwedischen Unternehmen Easy-Laser. Nun hat der Industriedienstleister eine neue Gerätegeneration eingeführt, die die Ausrichtung einer Welle insbesondere in explosionsgefährdeten Bereichen vereinfachen sol.

Neues System zur Wellenausrichtung

Die Zusammenarbeit wurde jetzt noch einmal intensiviert. Nachdem Easy-Laser sein neues Wellenausrichtsystem XT550 EX vorgestellt hatte, wurde das Messsystem an Bilfinger als ersten Kunden ausgeliefert. Zwar seien die älteren Ex-Systeme, die bislang eingesetzt werden noch immer sehr zuverlässig, um die Fehlausrichtung einer Welle zu erkennen, erklärt Jürgen Rabe, Leiter der Pumpen- und Motorentechnik bei Bilfinger in Höchst. Dennoch habe man in der Branche schon gespannt auf ein neues Wellenausrichtsystem gewartet.

Mit dem Laser im Ex-Bereich

Das große Plus des neuen System sei die Ex-Zulassung des Messgeräts, so die Experten: Die Wellenausrichtung könne damit in den explosionsgefährdeten Zonen 1 und 2 an der Maschine erfolgen, ohne dass der Kunde einen separaten großen Freigabeschein erstellen und seine Anlage herunterfahren muss, was immer einen beträchtlichen finanziellen und zeitlichen Aufwand bedeutet.

„Früher stand bei einem Stillstand die komplette Anlage. Heute gibt es fast nur noch Teilstillstände, bei denen eine Straße abgestellt wird und die angrenzende Produktion weiterläuft. Die Ex-Zone bleibt somit bestehen und gilt auch für den Ort, an dem wir ausrichten müssen“, erklärt Bank. „Das ist ein Einsatzfall für das XT550. Die Ex-Atmosphäre kann bestehen bleiben und der Betrieb in der Produktionsstraße nebenan normal weiterlaufen", Rabe ergänzt: „Für einen Großkunden hätten wir zum Beispiel überhaupt keine große Freigabe bekommen. Ohne ein Ex-fähiges Lasergerät geht hier nichts.“

Video: Ausrichten der Scheibe in fünf Schritten

Schulung für Instandhalter

Die Mitarbeiter des Dienstleisters wurden im Umgang mit dem neuen System zur Wellenausrichtung geschult und hatten das neue Messgerät schnell im Griff. Eine Besonderheit ist laut Hersteller dabei die Menüführung und die grafische Unterstützung in 3D. Weiterhin stehen insgesamt vier verschiedene Messmethoden zur Auswahl:

  • Messungen auf 9-12-3 Position
  • Easy-Turn-Methode mit drei beliebigen Punkten im Abstand von mindestens 20 Grad
  • Multi-Point-Messungen und
  • kontinuierliche Messpunktaufnahme während der Wellendrehung.

Zusammen mit der Funktion, bestimmte Einstellfüße sperren zu können, lassen sich selbst knifflige Ausrichtprobleme lösen, so die Mitteilung. Zudem steht umfangreiches Zubehör zur Verfügung.

Ein echter Mehrwert des Geräts liege jedoch in der elektronischen Dokumentation der Messergebnisse der Wellenausrichtung. Wenn eine Anlage oder Maschine in der Reparatur war, muss der Betreiber gemäß Betriebssicherheitsverordnung die Prüfung vor Wiederinbetriebnahme sicherstellen. Und dazu benötigt er einen Nachweis.

Jürgen Rabe (li.,Leiter Pumpen-/Motorentechnik) und Karl-Heinz Bank (Leiter Maschinentechnik und Servicemonteure der Bilfinger Maintenance in Höchst).
Jürgen Rabe (li.,Leiter Pumpen-/Motorentechnik) und Karl-Heinz Bank (Leiter Maschinentechnik und Servicemonteure der Bilfinger Maintenance in Höchst). -Bild: Bilfinger

Vermessen und ausrichten der Welle mit Messuhren war umständlich: Die Messgeräte mussten genau montiert werden, das Aggregat wurde gemessen und die Werte mussten in der Anlage abgelesen und handschriftlich eingetragen werden. Später wurde im Büro dann die Dokumentation mitsamt Messprotokoll im Computer erstellt. Diese Dokumente mussten unterschrieben und dem Kunden vorgelegt werden.

Mit dem neuen Gerät geht der Anwender bei der Ausrichtung vor Ort zur Maschine, führt die Messung aus, erstellt im Messsystem das Messprotokoll inklusiver grafischer Dokumentation im PDF- oder Excel-Format und verschickt es im Anschluss direkt auf elektronischem Weg. Zudem lassen sich die Messprotokolle einfach im System speichern und können bei einer erneuten Messung zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgerufen werden.

Mechanische Verfahren haben ausgedient

Bank erklärt, warum die Pumpen- und Maschinenexperten bei Bilfinger eine Welle nur noch mit Mess- und Ausrichtsystemen ausrichten: „Mit vier oder acht Messuhren zu arbeiten ist eine Wissenschaft. Der große Vorteil der modernen Technik: Wir haben exakte Werte. Bei Haarlineal und Lichtspalt ist es immer eine Ermessenssache. Wir reden hier über Hundertstel und Tausendstel. Von der Genauigkeit her führt kein Weg an einem laserbasierten System vorbei.“

Eine genaue Messung der Welle sei auch für die Kunden von Vorteil, heißt es. Denn die reinen Anschaffungskosten von Pumpen schlügen lediglich mit einem Bruchteil der Lebenszykluskosten der Maschine zu Buche. Den mit Abstand größten Kostenblock machten Energieverbrauch, Reparaturen und Wartung aus. Und bei einer exakt innerhalb der geforderten Toleranzen ausgerichteten Welle sei die Lebensdauer der Verschleißteile wie Lager oder Kupplung wesentlich höher als bei ungenau ausgerichteten Wellen, was nicht zuletzt auch die Leistung des Motors beeinflusse.

„Wenn eine Pumpe nicht ausreichend ausgerichtet ist, tritt in den meisten Fällen früher oder später ein Lagerschaden ein“, sagt Jürgen Rabe. „Wir machen inzwischen bei allen Komplettierungen von Pumpen eine Ausrichtung, damit wir dokumentieren können, dass das Aggregat richtig ausgerichtet ist. Immer mehr Kunden wünschen sich diese Dienstleistung bei einem Aggregate-Austausch auch direkt vor Ort“, erklärt er.

Flexibles Gerät zur Wellenausrichtung

Bei Bilfinger in Höchst ist man sich sicher: In der Industrie werden immer mehr Arbeitsschritte digital abgewickelt, weshalb auch der Bedarf nach Ausrichtungen mit flexibel einsetzbaren, digitalen Messinstrumenten spürbar zunimmt. Zulieferer Easy-Laser bietet nach eigener Aussage darum alle XT-Messprogramme für die Wellenausrichtung als kostenlose App an, die mit aktuellen iOS- oder Android-Tablets oder Smartphones kompatibel ist.

Auf diesen können auch andere Anwendungen ausgeführt werden. „Das XT550 EX ist das erste System, das mit einem ‚offenen‘ Tablet ausgerüstet ist. Wenn es ausfallen sollte, können wir einfach ein anderes nehmen, die Messprogramme aufspielen und weiterarbeiten“, sagt Rabe. „Beim Extended Service, wo wir die gesamte Technik eines Kunden betreuen, bietet es uns ganz andere Möglichkeiten.“ Die Servicemonteure überlegen daher schon die Anschaffung eines weiteren Messsystems, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Und die Entwicklung geht weiter: Aktuell arbeitet das Unternehmen daran, dass sich in naher Zukunft Messprotokolle auf dem Tablet auch unterschreiben lassen und mehrere Fotos, zum Beispiel von Typenschildern, in das Messprotokoll integriert werden können.

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