SEW Getriebe Rohbau

Getriebe K107 im Karosserie-Rohbau: Die Komponenten sind so in die Produktionsanlagen integriert, dass sie nicht in kurzer Zeit ausgebaut werden können. Fotos: Daimler/SEW

Aktualisiert am: 21. Mär. 2019

In Ludwigsfelde, etwa 15 km südlich der Berliner Stadtgrenze, wird im Mercedes-Benz-Werk der Kleintransporter Sprinter gefertigt. Hier erfolgen der Rohbau, die Lackierung und die Montage der Fahrzeuge. Der Sprinter bietet mit zahlreichen Fahrzeugvarianten und Sonderausstattungen hohe Sicherheit zu einem günstigen Preis. Aufgrund seiner guten Eigenschaften ist der Sprinter beliebt und bei den Kunden auch lange im Einsatz.

„Weil unsere Autos am Markt gut nachgefragt sind, möchten wir die Stückzahl noch weiter erhöhen“, erläutert Ulrich Padur, verantwortlich für den Technischen Service in der Montage. „Daher ist die Verfügbarkeit der Produktionsanlagen sehr wichtig.“ Nach allgemeinen Erfahrungen der Automobilbranche kann man heute bei einem Maschinenzyklus von etwa zehn bis zwölf Jahren Nutzungsdauer ausgehen. Der Trend geht dahin, die Anlagen – nach akribischer Prüfung und

Risikobetrachtung – eher zwei Zyklen zu betreiben. Das bedeutet eine Nutzungsdauer der Fertigungsanlagen von etwa 24 Jahren. In dieser Zeit müssen sie natürlich zuverlässig arbeiten.

Wegen der geforderten hohen Qualität und langen Lebensdauer entschied sich die Daimler AG grundsätzlich für SEW-Eurodrive als gelisteten Lieferanten für Getriebemotoren. Daher wurde 2005 die Linie für die Endmontage des Modells Sprinter mit SEW-Getriebemotoren aufgebaut. Natürlich

bevorratete das Mercedes-Benz-Werk Ludwigsfelde zum Produktionsstart auch Ersatzteile. Gunnar Haas, Außendienstmitarbeiter im Drive Center Berlin von SEW-Eurodrive, erinnert

SEW Endoskopie Rohbau

SEW-Eurodrive fand eine Lösung, die Anlagen ohne Demontagen zu inspizieren: Endoskopie des Ritzels im Getriebe K107 (Karosserie-Rohbau)

sich: „Nach den Vorgaben des Kunden lieferten wir 2006 ein großes Störreserve-Paket.“ Denn sicher ist sicher. Fast zehn Jahre später bestätigt Ulrich Padur: „Wir haben durchweg gute Erfahrungen mit den SEW-Getriebemotoren gemacht.“

Service erhöht Verfügbarkeit

Jeder Stillstand bedeutet Produktionsausfall und kostet sehr viel Geld. Durch vorbeugende Instandhaltung kann Mercedes-Benz sicherstellen, dass eine hohe Anlagenverfügbarkeit gewährleistet ist. „Das macht eine gute Instandhaltung aus“, fasst Ulrich Padur die Aufgabe seines Teams zusammen. „Mein Interesse ist es auch, die Produktionsmittel nachhaltig einzusetzen.“ Das heißt, wo es sinnvoll ist, wählt er Retrofit statt Neukauf. Dabei kann er sich auf SEW-Eurodrive als Partner verlassen. Gunnar Haas erläutert: „Bei der Neuwertreparatur, die wir anbieten, wird der Antrieb in einen neuwertigen Zustand versetzt. Im Sinne der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung rechnet sich das für den Kunden. Er erhält ein praktisch neuwertiges Produkt – zu einem günstigeren Preis.“

Sein Kollege Jan Schlichting betreut bei SEW-Eurodrive als Global Account Manager die Daimler AG. Er ergänzt: „Nach einer Grundüberholung gibt SEW-Eurodrive die volle Gewährleistung wie für einen neuen Antrieb. Wir sind übrigens auch in der Lage, Fremdmotoren und -getriebe zu reparieren und können mit solchen Konzepten die Mercedes-Benz-Werke umfassend unterstützen.“

Das Mercedes-Benz-Werk Ludwigsfelde wird auch den Nachfolger des jetzigen Sprinters produzieren. Dieses Modell kommt in den nächsten Jahren auf den Markt. Natürlich muss auch die neue Fertigung wirtschaftlich sein. Für ein Fahrzeug, das ähnliche technische Kenndaten hat, etwa die Tonnage, lassen sich prinzipiell die vorhandenen Anlagen weiter verwenden. Nach einer generellen Vorgabe der Unternehmensführung der Daimler AG bekam das Werk daher den Auftrag, im Sinne des Re-Use möglichst viele der technischen Anlagen weiter zu nutzen. Ulrich Padur: „Die Antriebe sind seit zehn Jahren im Einsatz. Wir wollten allerdings jetzt prüfen, ob wir die vorhandene Technik weiter verwenden können oder etwas austauschen müssen.“

Variantenmangement

Ein webbasiertes, sicheres Optimierungstool

Neben den Themen Energiesparen und Re-Use von Produktionseinrichtungen gab die Unternehmensführung der Daimler AG den Auftrag an SEW, die Zahl der eingesetzten Varianten zu reduzieren. Dadurch ist es möglich, den benötigten Lagerplatz zu verringern, den Verwaltungsaufwand im ERP-System senken und letztlich Kosten sparen.
SEW-Eurodrive bietet das Variantenmanagement mit Hilfe eines webbasierten, sicheren Optimierungstools an. Dadurch ist kein Eingriff in die IT des Kunden erforderlich. Das Tool ermöglicht den Überblick über die eingesetzte SEW-Antriebstechnik – auch über mehrere Standorte hinweg – und die schnelle Produktauswahl innerhalb bevorzugter Typen. Der Kunde kann eigene Materiallisten generieren und den Auswahlprozesses durch Filter- und Vergleichsmöglichkeiten auf Basis zahlreicher technischer Merkmale steuern.

Die Getriebemotoren sind so in die Produktionsanlagen integriert, dass sie nicht in kurzer Zeit ausgebaut werden können. Immerhin wiegt ein 127er Getriebe mit 180er Motor ca. 500 bis 600 kg. Daher musste ein anderer Weg gefunden werden. Ulrich Padur erinnert sich: „In einem Newsletter von SEW-Eurodrive lasen wir eine Information über das Getriebemonitoring. Das passte zeitlich gut mit unserem Vorhaben zusammen.“ Wenige Monate später wurde die Untersuchung während einer planmäßigen Produktionsruhe abgewickelt, die für Wartung und Instandhaltung regelmäßig einmal im Jahr stattfindet.

Ablauf der Endoskopie

Jan Schlichting, Gunnar Haas und Ulrich Padur

Jan Schlichting, Global Account Manager für die Daimler AG, Gunnar Haas, Außendienstmitarbeiter im Drive Center Berlin (beide SEW-Eurodrive) und Ulrich Padur, verantwortlich für den Technischen Service in der Montage des Mercedes-Benz-Werkes Ludwigsfelde (v. l.).

Zunächst war der regionale Außendienst von SEW-Eurodrive in Ludwigsfelde. Er hat die Antriebe aufgenommen und festgestellt, wie der Zugang zu den Getrieben ist und ob sie geeignet sind, per Endoskopie begutachtet zu werden. SEW-Eurodrive konnte alle nötigen Informationen für die geplanten Untersuchungen ermitteln. Nach einer Bedarfsanalyse und Konzeption unterbreitete der SEW-Service dem Kunden ein individuell zugeschnittenes Angebot. Woraufhin Mercedes-Benz den Serviceeinsatz in diesem Umfang zu einem festgelegten Termin während der Produktionsruhe bestellte. Hierzu kamen zwei Service-Mitarbeiter von SEW-Eurodrive nach Ludwigsfelde und führten alle erforderlichen Arbeiten durch.

Im Zusammenhang mit der Endoskopie muss das Öl aus dem Getriebe abgelassen werden. Bei möglichen Auffälligkeiten – stärker Abrieb und Verschleiß – wäre eine Ölanalyse sinnvoll. Das war hier jedoch nicht erforderlich. Damit keine wertvolle Zeit während der Inspektion verloren geht, hatte SEW bereits vorab neues Getriebeöl zum Kunden geschickt.

Die vorhandenen Gehäusebohrungen lassen sich nutzen, um das Endoskop ins Getriebe einzuführen. Je nach Getriebart ließen sich bei einem Teil der Anlagen die Montagedeckel der Getriebe öffnen. Servicespezialist Padur ist zufrieden: „Wir mussten keine Motoren abnehmen. Die Getriebe lassen sich im eingebauten Zustand gut endoskopieren.“

Während der Untersuchung fertigten die SEW-Servicemitarbeiter Fotos der Zahnräder an. Die Auswertung der Bilder erfolgte später bei SEW-Eurodrive. Nach Abschluss der Endoskopie wurden alle Verschlussschrauben wieder eingesetzt und die Montagedeckel neu abgedichtet. Anschließend wurden die Getriebe mit neuem Öl befüllt.

Die Endoskopie wurde bei insgesamt acht Getrieben in allen drei Gewerken durchgeführt – vier in der Montage und je zwei im Rohbau und der Lackiererei. Untersucht wurden

Mercedes Werk

Mercedes-Benz Werk Ludwigsfelde – 1991 lief hier der erste LKW mit Stern vom Band (Foto: Daimler).

unterschiedliche Getriebebaugrößen von 107 bis 157. „Endoskopie ist sinnvoll bei Getrieben, die schwer zugänglich und von ihrer Masse her nicht einfach handhabbar sind und deren Ausbau kostenintensiv wäre“, erläutert der Global Account Manager Jan Schlichting.

Sehr zufriedenstellendes Prüfergebnis

Die Überprüfung zeigte, dass sich alle Getriebe in einem hervorragenden Zustand befinden. Um den weiteren Verlauf besser einschätzen zu können, empfiehlt der SEW-Service nach einer bestimmten Zeit eine Zweituntersuchung. „Mit dem Endoskopiebericht können wir auch zeigen, welche Qualität unsere Getriebe haben“, kommentiert Vertriebsingenieur Gunnar Haas das Ergebnis. Ulrich Padur ergänzt: „Das Ergebnis bestätigt, dass der damals gewählte Lieferant – SEW-Eurodrive – alles richtig gemacht hat. Für uns sind das wichtige Erfahrungen. Wir haben viele neue und anspruchsvolle Themen in Planung. Auch hierfür sollte man die bewährten, sicheren Wege gehen.“

Gunthart Mau

Kontakt: SEW-EURODRIVE
Tel.: 07251 750
Email: sew@sew-eurodrive.de
www.sew-eurodrive.de