Zwei Servicetechniker wechseln ein Rad bei einem Gabelstapler

Auch wenn Predictive Maintenance auf dem digitalen Weg eine hervorragende Unterstützung für alle Instandhalter ist - beim Radwechsel eines Staplers muss nach wie vor richtig Hand angelegt werden. - Bild: Linde MH

| von Dietmar Poll

Gabelstapler gehören zu den Basics in der Produktionslogistik. Als essentieller Bestandteil des Materialflusses in der Logistik ist deren Instandhaltung und Wartung unabdingbar. Dabei hält auch bei den Flurförderzeugen immer mehr Automatisierung Einzug, wodurch die Wartung nicht nur aufwändiger, sondern auch komplexer wird. Predictive Maintenance beziehungsweise vorausschauende Wartung soll dies wiederum vereinfachen und effizienter gestalten.

Dazu erklärt Jonas Heim, Leitung After Sales beim Servicedienstleister Gruma aus Augsburg: „Die Stapler-Verfügbarkeit ist für die meisten Unternehmen von entscheidender Bedeutung - insbesondere, wenn die Flurförderzeuge fest in den Materialfluss eingebunden sind und Fahrzeugausfälle nachfolgende Prozesse ins Stocken bringen.“

"Die Wartungsintervalle beginnen bei 1.000 Betriebsstunden – umgerechnet auf einen Pkw entspricht dies zirka 50.000 gefahrenen Kilometern", sagt Jonas Heim, Leitung After Sales bei Gruma. - Bild: Gruma

Thomas Oswald, Manager Central Services bei Linde Material Handling erklärt, wer sich nach dem Erwerb eines Gabelstaplers um dessen 'Wohlbefinden' im täglichen, mitunter harten Einsatz kümmert: „Wartung und Instandhaltung gehören zum Standardangebot bei jedem Kauf oder jeder Finanzierung eines Flurförderzeugs. Das gilt bei uns sowohl für Neu- als auch für Gebrauchtgeräte. Das Spektrum der von den regionalen Linde-Netzwerkpartnern angebotenen Vertragsleistungen reicht von der Abrechnung einzelner Aufträge bis hin zu Full-Service-Vereinbarungen, die sämtliche Wartungs- und Servicearbeiten einschließen und bei Bedarf einen 24/7-Notfallservice einschließen.“

Prüfung der Geräte nicht durch Hersteller, sondern Servicepartner

In Deutschland übernehmen bei Linde insgesamt 22 exklusive Vertragspartner den Verkauf/Miete/Leasing und Service von Flurförderzeugen. Bei Bedarf und entsprechenden Vereinbarungen stehen die Spezialisten den Kundenbetrieben rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche zur Verfügung. Das Servicenetzwerk ist eng geknüpft, weltweit gibt es über 7.500 Service-Monteure. Sie sind technisch mit modernen Diagnosetools ausgestattet und über ein mehrstufiges System mit den Experten der Customer Services-Zentrale von Linde Material Handling in Aschaffenburg und Châtellerault verbunden.

Bei Gruma, dem für Südbayern zuständigen Netzwerkpartner von Linde, sorgen 170 Servicemitarbeiter dafür, dass Wartungen erledigt werden und die Sicherheit im Betrieb garantiert ist, wie Jonas Heim darstellt: „Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch ein schneller Ersatzteilservice. Um dies zu gewährleisten, sind unsere Servicefahrzeuge beispielsweise mit zirka 350 der gängigsten Ersatz- und Verschleißteile bestückt, weitere werden bei Bestellungen bis 17.30 Uhr aus dem zentralen Linde-Ersatzteilzentrum in Kahl bei Aschaffenburg europaweit über Nacht ins Servicefahrzeug geliefert.“

Laut Heim tragen zudem die langen Serviceintervalle der Flurförderzeuge maßgeblich dazu bei, die Kosten für Wartung und Service über die gesamte Einsatzzeit der Flurförderzeuge zu minimieren. „Die Wartungsintervalle beginnen bei 1.000 Betriebsstunden – umgerechnet auf einen Pkw entspricht dies zirka 50.000 gefahrenen Kilometern. Generell gilt, dass regelmäßige Wartung sich für jeden Betreiber lohnt. Nicht nur, um eine hohe Einsatzverfügbarkeit sicherzustellen, sondern auch, um Folgeschäden zu vermeiden“, betont Heim.

Zudem erzielen kundendienstgepflegte Stapler und Lagertechnikgeräte nach dem Ende der Nutzungszeit einen höheren Wiederverkaufswert.

„Ein Trend, der für sämtliche Antriebsarten bei Gabelstaplern zutrifft ist die größere Anzahl an elektronischen Komponenten, wodurch die Flurförderzeuge technisch komplexer geworden sind. Mittlerweile befinden sich eine Vielzahl an Steuerungen und Sensoren in den Flurförderzeugen. Sie sorgen einerseits für ein Höchstmaß an Sicherheit und Komfort und bieten Chancen für neue innovative Wartungs- und Reparaturkonzepte. Andererseits können sie aber auch Reparaturen notwendig machen“, stellt Heim klar.

Optimal Planen durch Predictive Maintenance im Fuhrpark

Vor allem durch die Vielzahl an Sensoren sowie deren Konnektivität in den Flurförderzeugen tut sich die Möglichkeit der vorausschauenden Wartung auf. „Unter vorausschauender Wartung versteht man den Ansatz, Ausfälle der Flurförderzeuge zu verhindern, indem Teile ausgetauscht oder repariert werden, bevor sie ihre maximale Lebensdauer erreicht haben und das Gerät schlimmstenfalls stehen bleibt“, erklärt Oswald.

Einen ersten Schritt in diese Richtung habe bereits in der Vergangenheit die Flottenmanagementlösung Linde connect geboten. Die Anwendung informierte den Betreiber über anstehende Wartungen der Geräte und gewährleistet auf diese Weise den regelmäßigen Check.

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Nicht der Mitarbeiter - der Gabelstapler meldet sich

Oswald ergänzt dazu: „Heute meldet sich der Stapler selbst, wenn ein technisches Problem droht. Die Stapler senden dann über eine Kommunikationseinheit am Gerät und die abgesicherte Linde Cloud selbständig Fehlermeldungen und Warnhinweise, die der Servicetechniker analysiert, um anschließend mit dem richtigen Ersatzteil im Gepäck zum Kundenbetrieb zu fahren und die Komponente auszutauschen, wenn das Fahrzeug gerade nicht gebraucht wird.“

Das Aufspielen von Updates und neuen Funktionen auf den Bordcomputer, ohne dass ein Servicetechniker Vorort sein muss, ergänze die neuen Servicemöglichkeiten. „Durch die serienmäßige Vernetzung unserer neuen Staplergeneration werden zukünftig  permanent wesentliche Gabelstaplerdaten in der Linde Cloud gespeichert und ausgewertet. Bei einer Abweichung vom Normalzustand kann dann entsprechend präventiv ein Serviceeinsatz geplant werden.“

Ein Servicetechniker überprüft an seinem Laptop den Zustand eines vor ihm stehenden Gabelstaplers
Servicetechniker in der Instandhaltung haben immer seltener ein 'Ölkännchen' dabei - Predictive Maintainance und digitale Auswertung des Zustandes eines Staplers via Laptop verändern auch hier die Arbeitswelt. - Bild: Linde MH

Das sind die Kosten für Wartung und Instandhaltung

Die Kosten für Wartung und Instandhaltung hängen von unterschiedlichen Faktoren und nicht zuletzt den vertraglichen Vereinbarungen ab. Das fängt beim Modelltyp des Flurförderzeugs an - ob es sich um einen kleinen Niederhubwagen oder ein großen Gabelstapler handelt - und geht über verschiedene Ausstattungsvarianten wie Hubgerüst, Klimaanlage, Anbaugeräte und dergleichen bis zum festgelegten Wartungsumfang und den gefahrenen Betriebsstundenzahlen.

Dazu erläutert Heim: „Die mögliche Spannbreite der Wartungskosten beginnt deshalb im unteren dreistelligen Bereich, kann aber auch Werte im vierstelligen Bereich erreichen, wenn es sich um ein großes Gerät handelt und sehr umfangreiche Tätigkeiten vereinbart wurden.“

Goldene Regel: Ordentliches Arbeiten mit dem Gabelstapler

Betont werden sollte dabei, dass die Betreiber beziehungsweise die Fahrer einen großen Einfluss auf die anfallenden Kosten haben. Eine angemessene und vorausschauende Fahrweise reduziert beispielsweise den Verschleiß der Reifen, eine gute Pflege der Blei-Säure-Batterie erhöht deren Lebensdauer.

„Besonders hohe Kosten entstehen durch eine unsachgemäße Bedienung des Flurförderzeugs beziehungsweise durch Anfahr- und Gewaltschäden. Abhilfe schaffen eine gute Organisationsplanung, regelmäßige Fahrerschulungen und -einweisungen sowie die Flottenmanagementlösung ‚Linde connect‘, die Schocks aufzeichnet und bei Überschreitung von Grenzwerten nur noch ein Fahren in Kriechgeschwindigkeit erlaubt“, zeigt Heim auf.

Vergleich Verbrennungsmotor gegen Elektro bei der Wartung

Verbrennungsmotorische Stapler sind aufgrund der größeren Zahl an verbauten Komponenten generell etwas aufwändiger in der Wartung als Elektrogeräte. Doch auch die verbrennungsmotorischen Stapler werden mit jeder Neuentwicklung servicefreundlicher.

Bei Linde-Staplern mit Verbrennungsmotor arbeiten wesentliche Baugruppen, beispielsweise das Hydrostatikgetriebe, verschleißfrei. Zum anderen sind die Geräte serienmäßig mit dem Linde Engine Protection System – kurz LEPS – ausgestattet. Es überwacht wichtige Motorparameter, von Ölstand und -druck über Kühlwasserstand bis zur Temperatur, und zeigt an, wann Wartungsarbeiten nötig sind.

Bei der neuen, kürzlich auf den Markt gekommenen Verbrennerbaureihe im Traglastbereich von 2 bis 3,5 Tonnen wurde zudem an vielen Stellschrauben gedreht, um den Wartungsaufwand weiter zu reduzieren. Im Ergebnis muss beispielsweise der Hydrauliköl-Ansaugfilter über den gesamten Lebenszyklus nicht mehr getauscht werden, ein Wechsel des Hydrauliköls ist erst nach 6.000 Betriebsstunden erforderlich. Wartungsarme Stirnräder der neuen Industriemotoren reduzieren ebenfalls den Instandhaltungsaufwand.

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