Videos sind für den Konw-How-Transfer in der Instandhaltung eigentlich gut geeignet. Eigentlich - wären da nicht diverse Schwierigkeiten.

Videos sind für den Konw-How-Transfer in der Instandhaltung eigentlich gut geeignet. Eigentlich - wären da nicht diverse Schwierigkeiten. - Bild: Anatoliy/stock.adobe.com

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An einem dieser Samstage, an denen ich früher ins Stadion gegangen wäre, um meine Mannschaft lautstark anzufeuern, habe ich mich notgedrungen den Aufgaben im Haus gewidmet, die schon seit Monaten mal erledigt werden sollten. Nicht, dass ich Dinge aufschiebe. Nein, es gab halt immer was Wichtigeres zu tun. Da mir aber Corona den Zugang zum Fußballstadion verwehrt und alle anderen unangenehmen Arbeiten mittlerweile auch erledigt waren, wollte ich endlich unser Garagentor wieder leicht gangbar machen. Seit einigen Jahren ist daran keinerlei Wartung mehr erfolgt, und beim Öffnen knirscht und knarzt es jedes Mal erbärmlich. Zudem kam es häufig vor, dass es nicht richtig schloss. Nur mit viel Kraft konnte es dann geschlossen werden.

Als Ingenieur hat man natürlich ein gewisses technisches Grundverständnis, sodass ich mich auch voller Selbstvertrauen an die Arbeit machte. Nun ist es aber nicht so, dass ich mich regelmäßig mit der Technik von Garagentoren beschäftige. Um daher ganz sicherzugehen, wollte ich doch vorab mal kurz nachschauen, welche Reparaturtipps das Internet für Garagentore bereithält. Na ja, und wenn man erst einmal auf den einschlägigen Videoplattformen gelandet ist, wird aus dem gezielten Suchen schnell ein etwas längeres Surfen.

Der Versuch, Know-how für Instandhaltungen über Videofilme zu sichern und anderen zur Verfügung stellen, ist derzeit häufiger zu beobachten. Im Privaten hat man sich längst daran gewöhnt, dass es für Alles Tipps auf den einschlägigen Videoplattformen gibt. Nun entdeckt auch mehr und mehr das professionelle Umfeld die Vorteile solcher Clips als einfaches Mittel der Wissensvermittlung. Allerdings stößt man dabei schnell an Grenzen, die man auch von der privaten Suche kennt: Keiner der vielen Clips will so recht zu meinem Problem passen. Und so sucht man weiter. Mal ist es ein anderes Garagentor, mal eine andere Tätigkeit als das, was ich suche. So richtig passt es nie.

Unbestritten bieten Videoaufnahmen zur Dokumentation von Instandhaltungsprozessen sehr große Vorteile gegenüber den häufig noch vorherrschenden schriftlichen Reparaturanweisungen. Spezielle Handgriffe und besondere Stellen können in bewegten Bildern wesentlich anschaulicher dargestellt werden. Allerdings ist der Aufwand zur Erstellung solcher Videofilme immer noch recht hoch, auch wenn moderne Software hier schon sehr gute Unterstützung liefert. Einige Firmen bieten sogar schon spezielle Lösungen für das schnelle Erstellen von Filmen für die Instandhaltung an, um quasi sein eigenes Instandhaltungs-Youtube zu schaffen.

Trotz der unterstützenden Technik bleibt es aber ein beträchtlicher Aufwand, diese Videofilme aufzunehmen und anschließend noch entsprechend zu bearbeiten. Und es bleibt, die Mitarbeiter später davon zu überzeugen, sich im konkreten Problemfall auch über diesen Weg Hilfe zu suchen. Denn vielen wird es wie mir gehen: Es ist einfach nicht der richtige Film dabei. Und die Suche kann sich dann sehr zeitaufwendig gestalten.

Der Autor Prof. Dr. Lennart Brumby

Prof. Dr. Lennart Brumby ist Studiengangsleiter für Service Engineering an der DHBW Mannheim. Der ausgewiesene Instandhaltungs-Experte ist Mitglied im DIN Normungsausschuss Instandhaltung, im EAMC European Asset Management Committee, im FVI Forum Vision Instandhaltung, in der GFIN Gesellschaft für Instandhaltung, im KVD Kundendienst-Verband Deutschland, im VDI Fachausschuss After Sales Service, im VDI Fachausschuss Instandhaltung und WVIS Wirtschaftsverband für Industrieservice. Seine Kolumne erscheint exklusiv beim Fachmagazin Instandhaltung

Vielleicht hilft in Zukunft ja die Idee einer sehr guten Dissertation, bei deren abschließenden Doktorprüfung ich als Beisitzer dabei sein durfte und mich so etwas intensiver in die Thematik einlesen konnte. Die Dissertation beschäftigte sich mit Lösungsmustern in der Instandhaltung und wie diese zur Planung von Reparaturen eingesetzt werden können. Sehr ausführlich wird darin beschrieben, wie möglichst ähnliche Lösungsmuster für Instandsetzungen identifiziert werden könnten. Also genau eine solche Methode, mit der man auch gezielt nach passenden Videos für das eigene Problem suchen könnte. Schade nur, dass es von der Idee einer Dissertation bis zur praktischen anwendbaren Lösung noch ein langer Weg ist.

Meine Suche nach weiteren Reparaturvideos für Garagentore führte mich nach unzähligen Klicks dann noch irgendwie zu einem sehr schönen Clip über den Aufstieg meines Vereins in die 1. Liga. Und noch ein paar weitere Clips von glorreichen Siegen, als man noch ins Stadion gehen konnte. Leider war nach diesen sehnsüchtigen Träumen dann keine Zeit mehr, das Garagentor zu reparieren. Dafür habe ich aber ganz viel Interessantes im Internet gesehen.

Ihr

Lennart Brumby

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