Traforeinigung

Einen Trafo zu reinigen ist wichtig, um ihn gegen Schäden durch die Verschmutzung zu schützen. - Bild: Wisag

Je mehr Verschmutzungen sich auf dem Trafo ablagern, umso eher droht die Gefahr von gefährlichen Kriechströmen und Wärmeentwicklung. Im schlimmsten Fall entsteht dann ein Brand oder Anlagenausfall.

Nassreinigung von Trafos

Das Reinigen von Transformatoren stellt besondere Anforderungen an Arbeitsweise und Reinigungsmittel. Nach langer Einsatzzeit und Verschmutzungen durch mögliche Undichtigkeit, Staub und Wärme muss das Gerät gesäubert werden. Die Nassreinigung hat sich hierbei als sehr effektive Reinigungsmethode sowohl für Öl- als auch für Gießharztransformatoren erwiesen.

In einem speziellen Verfahren werden dabei hauptsächlich Reinigungsmittel eingesetzt, die auf Kohlenwasserstoff basieren. Das Besondere: Die Kombination geeigneter Reiniger macht die anschließende Trocknung nahezu überflüssig und verkürzt so maßgeblich die Zeit bis zum Wiedereinschalten.

Der Dienstleister Wisag führt regelmäßig professionelle Trafonassreinigungen durch. So auch im Klärwerk Gut Großlappen in München, wo der Industriedienstleister seit vielen Jahren Aufträge für die Errichtung und Wartung von Mittel- und Niederspannungsanlagen ausführt. Gut Großlappen ist als Münchens erstes Klärwerk seit 1926 in Betrieb und reinigt im Zusammenschluss mit dem zweiten Münchner Klärwerk das Abwasser für insgesamt 1,5 Millionen Einwohner, die Gewerbe- und Industriebetriebe der Stadt und die angeschlossenen 22 Umlandgemeinden.

Reinigung eines Trafos
Bei der Reinigung von Trafos kann der Reiniger auch mit Hochdruck aufgebracht werden. - Bild: Wisag

Erst spannungsfrei, dann sauber

Die Trafostationen von Gut Großlappen befinden sich unter anderem in dem Gebäudeteil, in dem die Klärschlammverbrennungsanlage ihre Arbeit macht. "Wir benötigen etwa zwei Stunden für die Reinigung des Trockentransformators, inklusive gründlicher Vorbereitung und anschließender Funktionsprüfung. Während der Reinigung wird die Anlage vom Netz genommen", erklärt Markus Ertelt, Leiter der Münchner Niederlassung der Wisag Elektrotechnik Bayern.

Während der gesamten Reinigung der Transformatoren hat die Sicherheit oberste Priorität: Nach den fünf Sicherheitsregeln, die in der BGV A3 § 6, Abs. 2 vorgeschrieben sind, wird die Station nach der

  • Freischaltung des Transformators (1) gegen
  • Wiedereinschalten gesichert (2) und die
  • Spannungsfreiheit festgestellt (3). Es folgt die
  • Erdung und Kurzschließung (4) sowie das
  • Abdecken benachbarter, unter Spannung stehender Teile (5).

Ablauf der Reinigung

Im ersten Schritt der Reinigung werden grobe Verunreinigungen aus der Station entfernt: Boden, Wände und Decke werden abgefegt. Loser Schmutz auf der Trafooberfläche, den Isolatoren, Kabelanschlüssen und Stromschienen wird abgesaugt und der Boden der Station bedeckt – das verhindert, dass Flüssigkeit in den Trafoboden eindringt und erleichtert die Endreinigung

Anschließend tragen die Mitarbeiter der Wisag das erste Reinigungsmittel auf. Der Oxidlöser wird auf stromführenden Metallteilen und ölverschmierten Kesselteilen von Öltransformatoren eingesetzt und wirkt dann etwa 15 Minuten ein. Er löst hartnäckige Oxid- und Sulfidschichten, verharzte Öle und Fette sowie Staub und Metallabrieb. Mit einem fusselfreien Schwamm werden die Oberflächen von Isolatoren, Kabelanschlüssen und Stromschienen nachgewischt und die Oxidschichten so entfernt.

Danach wird ein Elektro-Vorreiniger auf die übrigen Flächen des Transformators aufgesprüht. Abschließend kommt ein Elektro-Hochleistungsreiniger zum Einsatz, der durch ein spezielles Hochdruck-Reinigungsgerät mit einem Druck von 180 bar aufgesprüht wird. Er spült den Vorreiniger und verbliebene Verunreinigungen ab und verdrängt Restfeuchtigkeit. Dieser Reiniger verdunstet aufgrund seiner niedrigen Verdunstungszahl innerhalb kurzer Zeit.

Spezieller Reiniger im Einsatz

"Der Reiniger der Bremer & Leguil GmbH, den wir hier einsetzen, hat eine hohe elektrische Durchschlagsfestigkeit von bis zu 150 kV/cm – Strom könnte also nicht geleitet werden", so Ertelt. "Nach dem Auftragen verdunstet der Elektro-Hochleistungsreiniger, wo notwendig helfen unsere Mitarbeiter manuell oder mit einem Industriegebläse nach. Es ist wichtig, den Transformator von allen wässrigen Reinigungsmittelresten zu befreien, bevor er wieder unter Spannung geschaltet wird." Vor Wiederinbetriebnahme wird eine abschließende Funktionsprüfung durchgeführt und alle Verbindungsschrauben auf ihre Festigkeit kontrolliert.

"Die Elektro-Nassreinigung bietet gegenüber anderen Verfahren den Vorteil, dass die Flüssigkeit auch in engsten Ritzen und Spalten eindringt und den gelösten Schmutz besonders gründlich und oberflächenschonend herausspült. Die eingesetzten Spezialreiniger lösen auch extrem hartnäckige Verschmutzungen", weiß Ertelt. Solche Verschmutzungen finden sich zum Beispiel in der Getränkeindustrie oder in Steinbrüchen: Hier können sich Zuckerschichten oder extreme Staubablagerungen auf den Anlagen absetzen, denen nur mit Spezialreinigern beileibe gerückt werden kann. 

Julia Carstens, Wisag