| von Stefan Weinzierl

Hochdruckreiniger sind in sowohl im gewerblichen wie auch im privaten Einsatz kaum noch wegzudenken. Ob nur mit hohem Druck oder sogar noch mit Reinigungsmittel - die Geräte reinigen praktisch jede Oberfläche. Für jedes Anwendungsgebiet haben die Hersteller inzwischen spezielles Zubehör. Ob bei der Reinigung einer Fassade oder eines Baggers - es ist praktisch kein Einsatzgebiet mehr vor den 'druckvollen Saubermännern' sicher.

Ende der 1940er Jahre wurden die ersten Hochdruckreiniger entwickelt, heute sind sie in vielen Gebieten etabliert. Die wesentlichen Vorteile der Geräte liegen in der Wasser- und Zeitersparnis gegenüber dem herkömmlichen Wasserschlauch sowie in der Arbeitserleichterung für den Anwender. Doch wann setzt man Kaltwasser ein, wann Heißwasser oder Dampf? Welches Zubehör macht Sinn, und welche Klassen zielen auf welche Anwendungen ab? Kommen Sie mit uns auf eine Reise in die Welt der Hochdrucktechnik.

Die Bedeutung der Temperatur:
Je nach Anforderung die richtige Wahl treffen

Der Sinner'sche Reinigungskreis.
Der Sinner'sche Reinigungskreis. - Grafik: Kärcher

Der Sinner’sche Reinigungskreis enthält die vier Grundparameter, die bei der Reinigung eine Rolle spielen: Zeit, Mechanik, Chemie und Temperatur. Der Kreis bleibt immer geschlossen. Wenn also ein oder zwei Parameter mehr Wirkung zeigen, verringert sich automatisch die Relevanz der anderen Faktoren. Hochdruckreiniger im Allgemeinen bringen durch Druck und Wassermenge die Mechanik nach vorne, dafür geht der Reinigungsvorgang schneller vonstatten. Nur bei empfindlichen Oberflächen wird die Mechanik, sprich der Druck, heruntergefahren.

In vielen Fällen ist ein Kaltwasser-Hochdruckreiniger ausreichend. Die Geräte sind universell einsetzbar. Um die mechanische Reinigungswirkung zu erhöhen, sind Hochdrucklanzen mit rotierenden Bürsten kombinierbar. Ein Reinigungsmittel, also Chemie, wirkt sich bei Bedarf beschleunigend auf den Prozess aus. Wird ein Kaltwassergerät mit 60 Grad Celsius warmem Zulaufwasser betrieben, ist die Wirkung noch einmal stärker. Wichtig für Anwender ist zu wissen, dass der Abstand von Düse zu Oberfläche zwischen 10 und maximal 30 Zentimetern liegen sollte, um effektiv zu reinigen.

Heißwasser-Hochdruckreiniger beschleunigen durch Wärmeenergie die Reinigungsabläufe. Die Arbeitszeit verkürzt sich um etwa 35 Prozent. Die höhere Temperatur führt zudem bei geringerem Aufpralldruck zum gleichen Ergebnis, bei gleichem Aufpralldruck zu einem besseren Resultat. Der Einsatz von Reinigungsmitteln erübrigt sich meist, da die Wärme Schmutz- und Schmierstoffrückstände, Öle, Fette und Rußablagerungen aufbricht und löst.

Geräte mit spezieller Dampfstufe liefern bis zu 155 Grad Celsius heißen Wasserdampf und tragen dazu bei, Mikroorganismen und Keime zu bekämpfen. Außerdem eignet sich Dampf sehr gut für empfindliche Oberflächen, da mit wenig Druck und Wassermenge gearbeitet wird.

Geräteklassen und Anwendungen:
Für alle Arbeiten die richtige Lösung

Der Zusammenhang zwischen Spritzbstand und Düseneinstellung ist beim Einsatz eines Hochdruckreinigers sehr wichtig.
Der Zusammenhang zwischen Spritzabstand und Düseneinstellung ist beim Einsatz eines Hochdruckreinigers sehr wichtig. - Bild: stock.adobe.com/Jodocos

Generell ist bei Arbeiten mit dem Hochdruckreiniger auf den Zusammenhang zwischen Wasserfördermenge und Aufpralldruck zu achten und je nach Anwendungsgebiet die richtige Kombination zu wählen. Der Hintergrund: Der Strahl bleibt bei einer größeren Wasserfördermenge besser gebündelt, folglich ergibt auch ein größerer Spritzabstand eine relativ geringere Zerstäubung.

Erhöht man beim Gerät zum Beispiel bei 180 Bar und einem Spritzabstand von 20 Zentimetern die Wassermenge von 700 auf 1200 Liter pro Stunde, verdoppelt sich der Aufpralldruck von 0,6 auf 1,2 Bar.

Bei gleichem Arbeitsdruck kann durch die Erhöhung der Wasserfördermenge eine Düse mit größerem Winkel, breiterem Strahl und somit höherer Flächenleistung gewählt werden, ohne dass sich der Aufpralldruck verringert. Um bei gleichem Aufpralldruck den Ertrag zu erhöhen, ist es also häufig besser, die Wasserfördermenge heraufzusetzen als den Druck.

Kompaktgeräte zielen auf die gründliche, schnelle Beseitigung von leichten bis mittleren Verschmutzungen ab. Die Geräte sind sehr leicht und leistungsfähig und damit beispielsweise geeignet für Handwerker, Gebäudedienstleister, Landschaftsgärtner und alle Einsatzgebiete, bei denen Mobilität im Job wichtig ist.

Ein praktischer Tragegriff erleichtert die Handhabung, das Zubehör wird je nach Hersteller direkt am Hochdruckreiniger befestigt und aufbewahrt. Um Anwendungsflexibilität zu ermöglichen, sind die Geräte bei manchen Herstellern auf den Betrieb in stehender und liegender Position ausgelegt. Die empfohlene Wasserfördermenge liegt bei 450 bis 600 Liter pro Stunde. Die tägliche Einsatzdauer sollte bei Kompaktgeräten mit Stromkabel im Schnitt ein bis zwei Stunden nicht überschreiten.

Geräte der Mittelklasse sind herstellerübergreifend für Einsätze bei mittleren bis starke Verschmutzungen geeignet. Sie reinigen beispielsweise schnell und effizient Fahrzeuge, Maschinen oder Betriebsgelände beziehungsweise -gebäude. Bei manchen Herstellern gibt es als Zubehör spezielle Strahlrohre, über die der Druck direkt angepasst werden kann. So lassen sich auch empfindliche Oberflächen problemlos bearbeiten.

Die effiziente Pumpentechnik und eine hohe Dauerleistung rücken auch der starken Verschmutzung von Baumaschinen wirksam zu Leibe. Mittelklasse-Reiniger arbeiten bei einer Wasserfördermenge von 600 bis 900 Litern pro Stunde sehr effizient. Der tägliche Einsatz sollte drei Stunden nicht überschreiten.

High-End-Geräte zielen auf den Dauereinsatz unter harten Bedingungen ab, so zum Beispiel auf dem Bau, in der Landwirtschaft oder in Industrie und Kommunen. Arbeitsdruck, Fördermenge, Ausstattung und Ausführung sind darauf ausgerichtet, hohe gewerbliche Anforderungen zu erfüllen.

Da bei einem solchen Anwendungsgebiet meistens viel Schmutz abtransportiert werden muss und eine hohe Schwemmleistung benötigt wird, empfiehlt sich eine Wasserfördermenge ab 1.000 Liter pro Stunde. Manche Modelle sind durch stehende Bauweise beim Transport einfach zu manövrieren und benötigen nicht viel Platz. Die durchschnittliche Einsatzdauer pro Tag sollte bei etwa vier Stunden liegen, es sind aber auch längere Einsätze möglich.

Stationäre Lösungen bieten schließlich den Vorteil, dass alles an seinem Platz ist und geringe Rüstzeiten benötigt werden. Kabel und Zuleitungen sind fest installiert, und die Tanks für etwa benötigte Waschchemie größer dimensioniert. Häufiges Nachfüllen entfällt daher.

Falls nötig:
Der Einsatz von Reinigungsmitteln

Manchmal ist Druck alleine nicht genug - dann kommt spezielles Reinigungsmittel für den Hochdruckreiniger zum Einsatz.
Manchmal ist Druck alleine nicht genug - dann kommt spezielles Reinigungsmittel für den Hochdruckreiniger zum Einsatz. - Bild: stock.adobe.com/M.Dörr & M.Frommherz

Reinigungsmittel beschleunigen den Reinigungsprozess und machen in manchen Fällen das Reinigen erst möglich. Anhand des pH-Wertes lässt sich bestimmen, wie aggressiv die Substanz mit Blick auf die zu bearbeitende Oberfläche ist, und wie leistungsstark sie ist. Saure Reinigungsmittel entfernen Kalk, Rost, Urinstein oder Zementschleier, alkalische Produkte zielen auf Fett, Öl, Wachs, Farben und Lacke oder Eiweiß ab.

Hochdruckreiniger bringen die Reinigungsmittel in unterschiedlicher Form auf die Oberfläche auf – flüssig über das Gerät, in Schaumform über Injektor oder Becherschaumlanze oder in Gelform am Gerät. Die Verwendung von Schaum bietet den Vorteil, dass das Reinigungsmittel an den Oberflächen haften bleibt und sich somit Einwirkdauer und die Wirkung erhöhen.

Beim Heißwasser-Hochdruckreiniger werden Reinigungsmittel direkt in der Pumpe über einen Hochdruckkolben angesaugt. Die prozentgenaue Dosierung lässt sich über ein Dosierventil am Bedienfeld wählen, so dass die richtige Menge in Hochdruck ausgebracht wird.

Jenseits von Temperatur und Klassen:
Worauf Kunden wertlegen

Während Leistung in anderen Branchen ein wesentlicher Markttreiber ist, haben bei Hochdruckreinigern viele Hersteller ein vergleichbar hohes Niveau erreicht. Dafür sind andere Themen in den Fokus der Kunden und damit auch der Produktentwicklung gelangt.

Eines der wichtigsten ist die Ergonomie. Tägliches Arbeiten mit dem Hochdruckreiniger ist anstrengend, und selten wird an den Anwender gedacht. Je nach Leistung ist der Rückstoß unterschiedlich stark, und die Griffhaltung wird über kurze Zeit körperlich belastend. Hintergrund sind die strengen Sicherheitsvorschriften, die eine Verriegelung des Abzugshebels verbieten und eine Totmannschaltung voraussetzen.

Inzwischen sind Lösungen erhältlich, bei denen der Hebel für das Einschalten des Geräts auf der Rückseite des Griffs angebracht ist. Er wird durch den Rückstoß in die Hand gedrückt – der Anwender muss keine Kraft ausüben. Gleichzeitig ist für Sicherheit gesorgt, denn wird die Pistole nicht festgehalten, schaltet sich das Gerät aus.

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Ein weiteres zentrales Thema ist die Flexibilität für komplett neue Anwendungen, die über Zubehör erreicht wird. Für die Reinigung von Solarfeldern und Photovoltaikanlagen auf Dächern, die bei großen Anlagen regelmäßig erfolgen sollte, gibt es beispielsweise anwendungsspezifische Lösungen.

Ein anderes innovatives Anwendungsfeld ist die Unkrautvernichtung im kommunalen Raum. Nach Holland und Dänemark sind auch in Deutschland Lösungen gefragt, die sich die Kraft des heißen Wassers zunutze machen. Das Unkraut wird mit Hochdruckreinigern und eigens entwickelten Düsenaufsetzen direkt an der Wurzel bekämpft. Pestizide sind dadurch überflüssig.

Energieeffizienz ist ein letztes Beispiel für ein Thema, das Kunden in Zukunft bewegen wird. Aktuell sind Hochdruckreiniger, die Strom, Diesel, Benzin und auch Wasser sparsam einsetzen, vom Gesetzgeber nicht vorgeschrieben – doch das wird sich bald ändern. Führende Hersteller legen schon heute Wert auf eine effiziente Verbrennungstechnologie, wenn es um Heißwasser-Hochdruckreiniger geht, sowie auf eine ausgefeilte Düsentechnologie, die durch zielgerichtetes Arbeiten weniger Wasser verbraucht.

Kärcher

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