Mindestens einmal jährlich wird jede Produktionslinie bei Ritter Sport von einem Leckage-Team auf Druckluft-Leckagen überprüft. Die Beseitigung erfolgt dann im jährlichen Instandhaltungsfenster der Linie.

Mindestens einmal jährlich wird jede Produktionslinie bei Ritter Sport von einem Leckage-Team auf Druckluft-Leckagen überprüft. Die Beseitigung erfolgt dann im jährlichen Instandhaltungsfenster der Linie. - Bild: Alfred Ritter GmbH & Co. KG

Die Alfred Ritter GmbH & Co KG, mit ihrer bekanntesten Marke Ritter Sport, arbeitet konsequent an der Reduktion des Energieverbrauchs. Ein Baustein des Energiekonzepts ist der Energieträger Druckluft. Gemeinsam mit dem Druckluftspezialisten Mader hat das Unternehmen Druckluft-Leckagen den Kampf angesagt. Durch regelmäßige Leckageortungen und -beseitigungen konnte die Leckageluft innerhalb von zwei Jahren halbiert werden. Dadurch reduzierte Ritter Sport seinen CO2-Ausstoß im Jahr 2020 um 200 bis 250 Tonnen

Energie ist Benjamin Flaigs Thema. Seit 2018 leitet der Energie- und Gebäudemanager das "Energieteam" bei Ritter Sport. In seiner Funktion ist er dafür verantwortlich, die energetische Performance im Werk zu verbessern und damit auch für die konsequente Reduktion des Energieverbrauchs zu sorgen. Konkret heißt das bei Ritter Sport: mindestens 1,5 Prozent weniger Energieverbrauch pro produzierter Tonne Schokolade – jedes Jahr. Ein anspruchsvolles Ziel, das bisher nach eigener Aussage fast jedes Jahr erreicht wurde. "Und das bei dreieinhalb Millionen Tafeln Schokolade, die hier jeden Tag vom Band laufen", wie Flaig erklärt.

2020 konnte das Unternehmen das Ziel Klimaneutralität erreichen. Eingeschlagen hatte der Waldenbucher Schokoladenhersteller diesen Weg bereits vor 20 Jahren. "Von der Bohne über den Wertschöpfungsprozess bis zur Lieferung in den Handel ist Nachhaltigkeit ein wichtiger Aspekt bei Ritter Sport", sagt Flaig. Entsprechend vielfältig sind die Maßnahmen, die ergriffen werden: Ein firmeneigenes Blockheizkraftwerk und Fotovoltaik sowie Strom aus erneuerbaren Quellen sorgen für die Energie. Darüber hinaus werden Energieeinsparpotenziale konsequent ermittelt und realisiert.

Neben strategischen Projekten wie dem Austausch der Klimaanlage durch eine effizientere Variante, der Installation von LED-Beleuchtung oder der Erneuerung des in die Jahre gekommenen Blockheizkraftwerks, folgt der 32-Jährige auch bei der energieintensiven Druckluft konsequent der Prämisse "Energieeffizienz erhöhen".

 

Bildstrecke: Druckluft in der Ritter-Sport-Schokoladen-Fabrik

Keine Druckluft - keine Schokolade

Bei der Schokoladenherstellung kann auf Druckluft nicht verzichtet werden. Bereits in der Warenannahme, wenn die verschiedenen Rohstoffe in Pulverform an ihren Bestimmungsort transportiert werden, kommt Druckluft zum Einsatz. Im weiteren Verlauf wird Druckluft als Steuerluft eingesetzt, zum Beispiel für Weichen. Beim Herstellen der Schokoladentafeln wird der Energieträger für den Betrieb von Ventilen und Zylindern in den Maschinen benötigt. Im Verpackungsprozess werden Tafeln, die dem Qualitätsanspruch nicht zu 100 Prozent entsprechen, mithilfe von Druckluft aus dem Prozess genommen. Auch die Reinigung der Schokomasseleitungen erfolgt mit Druckluft: Ein Gummipfropfen – auch "Molch" genannt – wird durch die Leitung geblasen und entfernt so die Schokoladenreste in der Leitung. "Es gibt kaum eine Maschine ohne Druckluftanschluss", bestätigt Flaig.

Kontrolle für Qualität und Energieeffizienz

"Als Lebensmittelbetrieb legen wir dabei sehr großen Wert auf eine extrem gute Druckluftqualität. Dafür haben wir überall Messstellen zur Qualitätsüberwachung der Druckluft", berichtet der gelernte Mechatroniker und Techniker für Elektrotechnik. Der Qualitätsanspruch setzt bereits bei der Erzeugung der Druckluft an, die komplett ölfrei erfolgt. Um die pulverförmigen Rohstoffe vor dem Verklumpen zu schützen, ist zudem ein niedriger Drucktaupunkt entscheidend, der über entsprechende Trockner erreicht wird. Verteilt wird die Druckluft aus zwei zentralen, manipulationssicheren Kompressorräumen über ein fest verrohrtes Rohrleitungsnetz aus Edelstahl. Zahlreiche Filter an kritischen Stellen im Netz stellen die Reinheit der Druckluft sicher.

Neben der Qualitätsüberwachung spielt Energiemonitoring eine wichtige Rolle im Druckluftprozess. "Wir haben an allen Kompressoren Stromzähler angebracht, um deren Effizienz zu überwachen", erzählt Benjamin Flaig. Dass die Kompressoren mit Wärmerückgewinnung ausgestattet sind und dank kaskadenförmiger Anordnung, einer übergeordneten Steuerung und Drehzahlregelung bei einem Großteil der Kompressoren – nur so viel arbeiten, wie es der Druckluftbedarf im Werk gerade erfordert, versteht sich für Flaig fast von selbst. Dank Monitoring kann er zudem sehr genau sagen, wie viel Druckluft tatsächlich für den jeweiligen Prozess benötigt wird und wie viel als Leckageluft im Prozess verloren geht.

50 Prozent weniger Leckageluft

Bei der gewünschten Reduktion der Leckageluft setzte Ritter Sport zunächst auf eine Inhouse-Lösung. Das firmeneigene Instandhaltungsteam übernahm anfangs die Ortung und Beseitigung der Druckluft-Leckagen. Gesteigerte Komplexität in der Instandhaltung und ein wachsender Maschinenpark  führten jedoch bald dazu, dass das Unternehmen eine Outsourcing-Lösung für das Thema Leckage suchte.

Seit 2019 ist dafür der Druckluft- und Pneumatikspezialist Mader bei Ritter Sport im Einsatz – zunächst ausschließlich für die Ortung der Leckagen. Nach umfassenden Hygieneschulungen übernimmt seit 2019 ein festes Leckageteam von Mader auch größtenteils die Beseitigung der Undichtigkeiten. "Einige wenige Leckagen, die zum Beispiel in einer Maschine sind oder besondere Kenntnisse erfordern, werden von den Instandhalterinnen und Instandhaltern selbst beseitigt", erzählt Marina Griesinger, Leiterin Energieeffizienzmanagement bei Mader.

Mader bot den Schokoprofis die Leckageanwendung LOOXR an. Darin enthalten: das Leckage-Portal und die Leckage-App. Per App und Portal kann der Energiemanager sich jederzeit live darüber informieren, wie viele Leckagen geortet wurden, wo sie sich befinden, wie viel Druckluft darüber verloren geht, wie viele Leckagen bereits beseitigt wurden und welche konkreten Ersparnisse sich daraus ergeben. Und das sowohl monetär als auch in Höhe des eingesparten CO2-Ausstoßes. 

Auf Wunsch übernehmen die Druckluftspezialisten die Beschaffung von Ersatzteilen zur Leckagebeseitigung. Diese werden so gekennzeichnet, dass sie eindeutig der jeweiligen Leckagestelle zugeordnet werden können. Die Stellen sind wiederum durch einen eindeutigen QR-Code markiert, der Leckageort sowohl in der App als auch im Portal erfasst und beschrieben. Auch bei Sonderbauteilen unterstützt das Unternehmen. Die Erfolge des konsequenten Fokus auf den Baustein Leckage bei der Reduktion des Energiebedarfs können sich sehen lassen: Innerhalb von zwei Jahren wurde der Leckageluftanteil um 50 Prozent reduziert.

Vorbeugende Instandhaltung durch Leckagebeseitigung

Um das zu erreichen wurde die Leckageortung und -beseitigung in der Instandhaltungsplanung fest einkalkuliert. "Zwei bis drei Wochen vor dem geplanten Instandhaltungsfenster für eine Produktionslinie ist unser Team vor Ort und führt die Ortung durch. Dank modernster Ultraschallortungstechnologie kann das bei laufender Produktion erfolgen", erzählt Marina Griesinger. Im Servicefenster selbst ist das Mader-Team ebenfalls vor Ort und beseitigt die gefundenen Leckagen. Mindestens einmal jährlich werde so jede Produktionslinie im dafür vorgesehenen Instandhaltungsfenster einem Leckage-Check unterzogen

Neben dem Ziel, die Leckageluft und damit den Energieverbrauch zu reduzieren, sieht Flaig bei einer konsequenten "Leckage-Strategie", wie er und sein Team sie verfolgen, einen weiteren entscheidenden Vorteil: "Es hilft dabei, Verschleiß zu erkennen und Stillstand zu vermeiden. Damit sind die Maßnahmen auch ein Teil der vorbeugenden Instandhaltung". Gleichzeitig sei es ein Baustein, der kleinteiliger sei und den man konsequent und langfristig verfolgen müsse. Anders als etwa große Projekte wie der Austausch der Beleuchtung sei man mit dem Baustein Leckage nie fertig. 

Dicht machen und sparen

"Dass Leckagen entstehen, lässt sich nicht vermeiden", bestätigt auch Energieeffizienzexpertin Marina Griesinger. "Alle Bauteile unterliegen einem gewissen Alterungsprozess. Komponenten, die ständig in Bewegung sind oder wie es bei Ritter Sport der Fall ist, mit extremen klimatischen Bedingungen konfrontiert sind, verschleißen. Dichtungen können spröde werden und machen nicht mehr das, was sie sollen: abdichten. Und schon entweicht an dieser Stelle Druckluft, die unter hohen Energieaufwand erzeugt wurde. Sie wird in die Umgebung dann einfach abgeblasen." Neben dem bewussten Einsatz von Komponenten, die für die jeweilige Umgebung geeignet und möglichst haltbar sind, empfiehlt sie die regelmäßige Beseitigung von undichten Stellen im Druckluftsystem. "Eine Leckage allein ist meistens nicht so groß, aber die Vielzahl macht es aus", sagt auch Flaig.

Leckagen reduzieren in sieben Schritten.
Leckagen reduzieren in sieben Schritten. - Grafik: Mader

Eine aktuelle Meta-Studie des Umweltbundesamts zur Energie- und Kosteneinsparung in der Fluidtechnik gibt durchschnittliche Leckageanteile von 20 bis 30 Prozent in 80 Prozent der Druckluftanlagen an. Die "Potenzialstudie Energie- / Kosteneinsparung in der Fluidtechnik" sieht demnach die Beseitigung von Druckluft-Leckagen als "Einzelmaßnahme mit dem größten Einsparpotenzial" im Bereich Druckluft an. Auch in der Studie wird darauf verwiesen, dass Druckluftleckagen ein "wiederkehrendes Problem sind und kontinuierlich adressiert werden müssen".

Druckluft-Experten für die Druckluft

Benjamin Flaig zeigt sich überzeugt vom eingeschlagenen Weg, der für ihn – gemeinsam mit Mader – sehr gut funktioniert. "Das Mader-Team ist ein große Unterstützung, die Abstimmung funktioniert sehr gut und reibungslos", so der Energiemanager. Der Erfolg bestätigt ihn. Jährlich werden durchschnittlich 500 Leckagen geortet und beseitigt, was 200 bis 250 Tonnen CO2 entspricht. Flaig: "Technisch bedingt werden wir die Leckagen nie auf Null senken können, doch wir sind bestrebt durch die regelmäßigen Einsätze die Leckagen deutlich und kontinuierlich zu reduzieren." 

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