Worauf beim korrekten Schmieren von Ketten zu achten ist lesen Sie in diesem Artikel.

Worauf beim korrekten Schmieren von Ketten zu achten ist, lesen Sie in diesem Artikel. - (Bild: Thomas Söllner/stock.adobe.com)

Eine der wichtigsten und anspruchsvollsten technischen Aufgaben ist die optimale Schmierung und Wartung von Antriebs-, Transport- und Lastketten.

  • Zum Ersten ist eine saubere Kette die wichtigste Voraussetzung damit eine Adhäsion (ein Anhaften) des Schmierstoffs mit der Kettenoberfläche stattfindet, um eine optimale Benetzung der Kette zu erreichen.
  • Zum Zweiten ist aufgrund der Problematik geringer Toleranzen zwischen den beweglichen Teilen ein extrem penetrierender Schmierstoff erforderlich, der alle Kettengelenke, Innenlager, Triebbuchsen und Zapfen erreicht, um optimal zu schmieren und zu schützen.
  • Und zum Dritten erfordern die unterschiedlichen, mitunter schwierigen Betriebs- und Umgebungsbedingungen einen Schmierstoff der diesen hohen Anforderungen gerecht wird.

Eine wichtige Erkenntnis: Defekte aus dem Inneren

Ketten gehen von innen heraus kaputt. Der Verschleiß ist lange Zeit unsichtbar, weil der Hauptteil der Reibung im Inneren der Kette entsteht. Eine von außen gereinigte und geölte Kette ist kein Garant für geringen Verschleiß. Als Überprüfungsansatz empfiehlt es sich, die Stromaufnahme des Kettenantriebes zu messen. An der ständig steigenden Stromaufnahme lässt sich der Kettenverschleiß sehr gut nachweisen.

Wer also Ketten optimal schmieren und damit erhalten will, der sorgt für saubere Innenlager und Triebbuchsen.

Arbeitseinflüsse und Umgebung

Die weitere große Gefahr für eine sichere und wirksame Kettenschmierung besteht in oft unterschiedlichen schwierigen Umgebungseinflüssen.

Äußere Einflüsse wie Schmutz und Feinstaub führen zu einem Anhaften und Einlagern von Staubpartikeln. Der daraus resultierende Schmirgeleffekt bedingt erhöhten Verschleiß.

Auch Nässe sowie chemisch aggressive Umgebung führt zur Korrosion in den Innenlagern und Triebbuchsen der Kette, die dadurch einer erhöhten Reibung ausgesetzt sind.

Verharzungen durch mineralisches Öl sowie Verkokungen und Zersetzungspartikel durch hohe Temperaturen beeinflussen die Schmierung äußerst negativ. Sehr hohe Flächenpressungen beschleunigen den Verschleiß enorm.

Erstschmierung und Nachschmierung

Grundsätzlich wird zwischen Erstschmierung (bei neuen Antriebselementen) und der Nachschmierung unterschieden. Die Nachschmierung muss mit der Erstschmierung verträglich sein. Es darf keine chemischen Reaktionen (zum Beispiel Verharzung oder Säurebildung) auslösen, es darf keine Trennschicht bilden, die eine Penetration bei der Nachschmierung in das Ketteninnenlager verhindert.

Der äußere Anschein trügt

Eine optisch saubere Kette muss nicht unbedingt auch sauber sein.
Eine gut geschmiert, glänzend aussehende Kette muss nicht unbedingt auch optimal geschmiert sein.
Sehr oft wird, sogar in sogenannten Erklärvideos gezeigt, wie eine Kette mit Bürste, Lappen oder Hochdruckreiniger sauber gemacht werden. Als Lösemittel werden beispielsweise Waschbenzin oder Bremsenreiniger empfohlen. Was ist von diesen Empfehlungen zu halten? Die einfache Antwort lautet: Nichts!

Wer mit Lappen, Bürste oder Hochdruckreiniger eine Kette sauber machen will, entfernt allenfalls den Schmutz von der Oberfläche, aber niemals aus dem Ketteninnenlager. Waschbenzin oder Bremsenreiniger verdunsten viel zu schnell, um überhaupt dorthin zu kommen. Die Region, in der eine Kette wirklich sauber sein soll, bleibt also von den Reinigungsbemühungen völlig unberührt. Hier sammelt sich eine "hochwirksame" Mischung aus verharzten, öligen Schmierstoffen, feinsten Staubpartikeln und metallischem Abrieb. Im verschmutzten Innenlager liegt die Ursache von hohem Verschleiß, nicht primär an der schmutzigen Kettenoberfläche.

Diese Kriterien machen eine optimale Schmierung

  1. Das Kettenschmiermittel muss in der Lage sein in engste Toleranzen, wie Ketteninnenlager, Kettentriebbuchsen- und Zapfen einzudringen um dort diese Elemente von Schmutz, Ablagerungen und Verharzungen zu reinigen. Nur so wird eine ganzheitliche Reinigung und Schmierung der Kette erreicht. Eine saubere Oberfläche reicht nicht.
  2. Es muss eine gute Oberflächenhaftung aufbauen, ohne selbst zu kleben. So wird im Inneren eine zuverlässige Schmierung garantiert und an der Außenseite erheblich weniger Staub und Schmutz gebunden.
  3. Die Reinigungskomponenten sollten auf das Anforderungsprofil abgestimmt sein und eine mittlere Verdunstungszahl aufweisen. Das garantiert ein sicheres Eindringen der Reinigungskomponenten ins Innenlager und eine ausreichende Reinigungswirkung.
  4. Wirksame Kettenpflege sollte während des Betriebes durchgeführt werden können und vereinigt Reinigungsprozess und Schmierung in einem Arbeitsgang. Das ist dringend notwendig, weil Ketten meist eine wichtige Rolle im Produktionsprozess einnehmen und deshalb nicht einfach abgeschaltet werden können.

Die besten Ergebnisse erzielen in der Praxis moderne Wartungsfluids, welche die Arbeitsschritte "Reinigen – Schmieren – Schützen" in einem Arbeitsgang zusammenfassen und während des Betriebes auszuführen sind. Durch den Einsatz synthetischer Schmierstoffe ist sichergestellt, dass  eine Verharzung der schmieraktiven Substanzen ausgeschlossen ist. Die Additivtechnik, wie sie zum Beispiel in der sogenannten Tricomplex Technology zum Einsatz kommt, vereint diese Kriterien in sich und glättet die metallische Oberfläche der geschmierten Elemente durch einen thermoplastischen Vorgang ein. Bei  längeren und schwer belasteten Ketten wurden dabei bis zu 30 Prozent Energieeinsparung gemessen.

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