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In Großbritannien haben sich in den vergangenen Jahren zwei größere Messen zum Thema „Instandhaltung“ etabliert: Die Maintec des Veranstalters easyfairs und die Plant & Asset Management, die der Fachverlag DFA Media ausrichtet.

Plant & Asset Management in Birmingham: eine kleine Messe mit starkem Hintergrund.

In ihrem zweijährigen Rhythmus fanden beide Messen in diesem Frühjahr statt – im Jahr der MAINTAIN.
Bei Vergleich zwischen der deutschen Messe und ihren britischen Pendants fallen einige Unterschiede ins Auge. So folgt die Maintec in Birmingham dem selben Muster wie die deutschen easyfairs-Messen, die inzwischen sowohl in Norddeutschland, als auch in Süddeutschland, in Österreich und in der Schweiz stattfinden, ebenso wie in Polen, Dänemark und Schweden. Das Konzept diese Ausstellungen ist minimalistisch, es setzt auf genormte Ausstellerstände, Übersichtlichkeit – und hat offensichtlich beträchtlichen Erfolg.
Die Plant & Asset Management Exihibition im Birminghamer NEC National Exhibition Center ist, trotz des anspruchsvollen Veranstaltungsortes, ebenfalls nicht allzu umfangreich. In diesem Frühjahr nahmen etwa 80 Aussteller teil, darunter viele der „üblichen Verdächtigen“ wie etwa FLIR, Emerson, Perma-Tec, J.D. Neuhaus, Schaeffler FAG, SKF, Prüftechnik oder Lösomat.

William Reynolds, SKF: „Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihre Produktionsanlagen zuverlässig und mit hoher Qualität der erzeugten Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus bei minimalen Kosten betreiben. Das verstehen wir unter Asset Management.“

Allerdings ordnete sich die Messe in einen breiteren Rahmen ein: Sie findet parallel mit Messen wie der IFPEX (International Fluid Power Exhibition), Airtech (Compressed Air and Pneumatics), Drives and Controls und Mach statt. Deren umfangreiches Programm mit zahlreichen Ausstellern bietet dem Instandhalter viele zusätzliche Informationen und Möglichkeiten.
Entsprechend dieser Aufgabenteilung war das Seminarprogramm der Plant & Asset Management auf den engeren Kreis der Instandhalter zugeschnitten – allerdings von einem englischen Standpunkt aus betrachtet. Denn im Vereinigten Königreich wird inzwischen ein neuer Terminus benutzt, der offensichtlich mehr bedeutet als nur eine Sprachregelung: Enterprise Asset Management. 2010 hieß die Ausstellung noch so, wie das Fachmagazin des Veranstalters, nämlich Plant and Works. Nun taucht erstmals das Asset Management im Titel auf – und die Messe wird als neues Event deklariert.
Was ist damit gemeint? Einige Hinweise lieferte das begleitende Seminarprogramm, insbesondere der Vortrag von William Reynolsds, SKF UK, zum Thema „PAS 55 und Asset Management – vom Konzept zur Kompetenz“.  Reynolds erläuterte hier, dass die „gute alte Instandhaltung“ durch ein Konzept abgelöst wird, das viel breiter greift und das dafür sorgt, die Wertschöpfung zu maximieren und die Risiken zu senken. Es ist niedergelegt in der PAS 55, einer Publicly Available Specification der nationalen Britischen Normungsorganisation BSI und des IAM Institute of Asset Management in Bristol.

Was Sie schon immer über Asset Management wissen wollten, sich aber nie zu fragen trauten: Die brandneue Asset Management–anatomy des IAM ist erhältlich unter: http://theiam.org/what-is-asset-management/anatomy-asset-management

Eine solche öffentlich verfügbare Spezifikation ist keine Norm, jedenfalls nicht in Deutschland. Aber das kann und wird sich wohl rasch ändern. Wie in Birmingham mit Stolz verkündet wurde, ist eine auf der PAS 55 fußende internationale ISO 55000 bereits in Arbeit. Damit dürfte der anglo-amerikanisch-australische Standpunkt in diesem wichtigen Bereich stark aufgewertet werden. Das wäre dann vergleichbar mir den Effekten beim Bologna-Prozess bei der Ausbildung, zumal der Aspekt der Qualifikationen auch im Asset Management eine wichtige Rolle spielt. So werden wohl nach dem Bachelor und Master künftig auch englische Bezeichnungen für die Qualifikationen in der Instandhaltung Einzug halten. Dabei liegt das Problem nicht nur in der Terminologie, sondern besonders im Inhalt der Qualifikationsstufen. Das deutsche System der dualen Berufsausbildung mit seinen profunden Qualifikationen in einem solchen Umfang adäquat abzubilden, dürfte alles andere als einfach werden.

Vorteile und neue Chancen
In Birmingham standen aber nicht die Probleme, sondern die Vorteile einer neuen Einordnung der Instandhaltung in die Strukturen und Abläufe von Unternehmen im Vordergrund. Reynolds etwa sah im Schritt von der Instandhaltung zum Asset Management eine Strategie, die hilft, alle Unternehmensziele auf allen Ebenen klar zu definieren und miteinander zu verbinden. Damit soll es möglich werden, die Lebenszykluskosten zum Kriterium der gesamten Anlagenwirtschaft zu machen – und eine lernende Organisation zu schaffen.
Ergänzungen und Erläuterungen dazu lieferte in seinem Vortrag in Birmingham Philip Lawson von Emerson Process Management. Am Messestand des Unternehmens gab es dazu weiter führende Informationen zum Softwarepaket AMS Suite und dessen Einsatz bei Anwendern, die sich bereits auf dem Weg zum Enterprise Asset Management gemacht haben.
Eine Zusammenfassung der aktuellen Tendenzen in diesem Bereich bot die Unternehmensberatung mainnovation. Geschäftsführer Mark Haarman präsentierte die neueste Ausgabe seines Buches über „value driven maintenance“, das wir auf der dritten Umschlagseite dieser Ausgabe vorstellen. mainnovation beschäftigt sich zudem mit Aspekten der Nutzung Softwarepakten wie IBM Maximo und SAP EAM (Enterprise Asset Management) bei der effizienten Instandhaltung.

Instandhaltung 2012/2013

Die wichtigsten europäischen Messen
easyFairs Fertigung & Instandhaltung 2012
20. – 21.06.2012, Wels, Österreich
easyFairs MAINTENANCE 2012
03. – 04.10.2012 Krakow, Polen
MAINTAIN 2012 München
16. – 18.10.2012, M,O,C,
Maintenance Expo
06. – 09.11.2012, Paris
easyFairs MAINTENANCE Schweiz 2013
13. – 14.02.2013, Zürich
easyFairs MAINTENANCE Dortmund
20. – 21.02.2013, Westfalenhallen Dortmund
easyFairs MAINTEC 2013
05. – 07.03.2013, Birmingham, UK
easyFairs UNDERHÅLLSTEKNIK Sverige/Danmark 2013
17. – 18.04.2013 Schweden, Malmö
easyFairs MAINTENANCE Stuttgart
24. – 25.04.2013, Messe Stuttgart, ICS Kongress

Der Vergleich der deutschen Messen mit der Plant und Asset Management zeigt also, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt – aber auch einen ganz großen Unterschied. Der besteht darin, dass Deutschland ein „Produktionsland“ mit starker Industrie ist. Die Briten hingegen, und das war auf der Messe nicht selten zu hören, bedauern das Schrumpfen des „realen Sektors“ ihrer Volkswirtschaft
zugunsten der Finanzwirtschaft.
Die starke Position der deutschen Produzenten ist aber die große Chance der MAINTAIN, die diese auch nutzt. Mit Einrichtung einer speziellen Plattform für die Dienstleistungen von Herstellern wird auf der MAINTAIN 2012 ein richtiger und wichtiger Schritt getan, sich als europäische Leitmesse zu profilieren: Für Instandhaltung und in Zukunft wohl auch für Asset Management im Sinne der ISO 55000.

Ingo Busch