Risiken und Chancen


Die Gesellschaft für Instandhaltung GFIN ist der Ansicht, dass für die deutschen Unternehmen die Krise nicht nur Risiken birgt, sondern auch Chancen bietet, um sogar gestärkt aus der schwierigen Situation hervor gehen.

„Das gilt im besonderen für die Instandhaltung, die innerbetriebliche ebenso wie die externen Dienstleister. Denn sie sind es, die hauptsächlich und grundsätzlich die derzeitige und auch die künftige Wertschöpfung eines Unternehmens gewährleisten”, so der GFIN-Vorsitzende Sven Noczynski.

10-01-1Die Chance, die es derzeit zu nutzen gilt, besteht nach Ansicht der GFIN insbesondere darin, dass der nachgelassene Bedarf und der damit einhergehende Rückgang der geforderten Anlagenverfügbarkeit bei vielen Unternehmen schlicht die Normalisierung der realen Anlagenauslastung bedeutet. Damit öffnet sich jetzt ein Zeitfenster, das für unterlassene Instandhaltungsaktivitäten genutzt werden kann und muss.

Zu diesen Aktivitäten gehören insbesondere auch Verbesserungs- und Umweltschutzmaßnahmen, die Bestandteil jedweden qualifizierten Live-Cycle-Managements sein sollten, um damit die Anlageneffizienz und darüber hinaus die künftige Wertschöpfung nachhaltig zu verbessern.

Diese Investition in die Zukunftsfähigkeit erfordert natürlich in gewissen Umfang verfügbares Kapital. Ob diese, etwa in Form von in der Vergangenheit gebildeter Rücklagen, vorhanden ist, hängt jedoch zum großen Teil von der Art der Unternehmen und der Unternehmensfinanzierung ab. Aber selbst durch ungünstige Weichenstellungen verursachte Kapitalengpässe lassen sich teilweise dadurch kompensieren, dass in Zeiten geringere Auslastung oder sogar des Stillstandes von Anlagen mehr Zeit und mehr personelle Kapazitäten für die deren Instandsetzung und Modernisierung zur Verfügung stehen. So lassen sich kapitalintensive Neuanschaffungen vermeiden oder hinausschieben.

Während börsennotierte Unternehmen darauf bedacht sind, turnusmäßig möglichst gute Betriebsergebnisse zu publizieren und damit, bezüglich ihrer Rücklagen und Investitionen, eine eher kurz- bis mittelfristige Strategie anstreben, setzen mittelständische Unternehmen eher langfristige Prioritäten. Das zeigt sich auch in den gebildeten Rücklagen. Gerade diese Unternehmen sind deshalb in der Lage, die derzeitige Situation effektiv für die Erschließung von Verbesserungspotenzialen, nicht nur im Instandhaltungsmanagement, zu nutzen.

Diese günstige Situation wird sogar noch dadurch verbessert, dass Unternehmen gerade in dieser Phase auf umfassende Unterstützung von Leistungspartnern wie Instandhaltungs-Dienstleistern, Lieferanten, Fertigung und Konstruktion bauen dürfen – sogar auch kurzfristig zu günstigen Konditionen und passgerecht in technologisch bedingten Zeitfenstern. Zudem ermöglicht die Kurzarbeit innerhalb des Instandhaltungsbereiches eine gezielte Qualifizierung und Weiterbildung des Instandhaltungspersonals, und das in vielen Fällen mit finanzieller Unterstützung durch den Staat.

Aus all diesen Aspekten lässt sich nach Ansicht der GFIN ein recht positives Fazit ziehen: Die derzeit geringe Kapazitätsauslastung und dünner werdende Auftragsbücher bieten jetzt einen guten Anlass, die bisherigen Instandhaltungsstrategien unter Anwendung moderner Erkenntnisse und Methoden auf neue und nachhaltig zielführende Gleise zu stellen. Die momentan vielfach zu beobachtende Strategie, die Instandhaltung analog zum Produktionsbetrieb zu reduzieren, ist hingegen nach Ansicht des Verbandes zweifellos die falsche Reaktion auf die derzeitige Situation. Denn sie führt nicht nur zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu Einbußen, sie erzeugt auch mittelfristig Probleme, die selbst nach Überwindung der Finanzmarktkrise noch weiter wirken werden.

Das Deutsche Komitee für Instandhaltung DKIN bringt die Lage und sich daraus ergebenden Aufgaben schlüssig so auf den Punkt: „Antizyklisches Investieren in Mensch und Maschine sind der Schlüssel für den künftigen Erfolg.”

Zur Begründung dieser These stellt der DKIN-Präsident Robert Brück folgende Überlegungen an: „Immobilienkrise, Finanzkrise, Wirtschaftskrise – Unternehmen aller Branchen leiden zusehends unter schwindenden, sich global verändernden Märkten und Strukturen. Wer überleben will, muss seine Kosten diesen Anforderungen anpassen. Dabei ist Eile geboten! Denn so wie die Märkte sich negativ entwickeln, müssen Unternehmen, muss die Instandhaltung reagieren.

Überreaktionen wie Freisetzungen von Mitarbeitern, unterlassen von Instandhaltungsmaßnahmen oder qualitative Sparmaßnahmen im Ersatzteilbereich führen nur zu einer kurzfristigen Reduzierung der Kosten. Verbessert sich die wirtschaftliche Lage, wird man sich mit derartigen Schnellschüssen dann rasch im Abseits wiederfinden.”

Die aktuelle Krise wird nach Ansicht des DKIN alles Bisherige in Frage stellen, Vertrauen muss neu erarbeitet werden. Der Veränderungsdruck in Unternehmen ist immens. Prozesse, auch die der Instandhaltung, müssen sich schneller an die Marktanforderungen angleichen: das ist die Chance für aktive Mitgestaltung.
Als erfolgversprechender wird es daher betrachtet, Instandhaltung als unverzichtbaren Teil der Wertschöpfungskette zu sehen. Ohne gute Instandhaltung keine Wertschöpfung. Daher sind Anpassungen der Instandhaltungsaktivitäten an die tatsächlichen Laufzeiten der Maschinen und Anlagen oder auch das Prognostizieren von Bauteilestandzeiten jetzt die richtigen Werkzeuge, um Kosten zu reduzieren, sich der Krise entgegenzustellen. Aufgrund der geringeren Laufzeit von Maschinen können Revisionen hinausgeschoben oder ohne den üblichen Zeitdruck intelligenter, kostengünstiger realisiert werden. In Hochzeiten wurde jeder gebraucht, Zeit für Schulungen fand sich kaum. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, das Personal für die Anforderungen von Morgen zu trainieren.

Das DKIN als Kompetenzpartner der industriellen Instandhaltung stellt sich diesen neuen Herausforderungen und wird seine Seminare und Fachtagungen hierauf ausrichten.

Auf Instandhaltung anstelle von Reinvestition setzt auch das FVI Forum Instandhaltung. „Bei rückläufigen Auftragseingang und hohem Kostendruck werden Investitionen gestrichen und Modernisierungsmaßnahmen verschoben, erklärt der Vorsitzende Harald Neuhaus. „Unter den zur Zeit herrschenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beginnen Unternehmen deshalb verstärkt, Instandhaltung als Wertschöpfungsfaktor und wichtigen Teilprozess ihres Unternehmens zu begreifen und entsprechend zu handeln.”

Zukunftsorientierte Unternehmen sehen die Situation deshalb nach Ansicht des FVI nicht als als Krise, sondern als Chance neue Instandhaltungsstrategien umzusetzen, Personal zu qualifizieren um das enorme – bis jetzt oft brach liegende – Potenzial der Instandhaltung zu mehr Firmenerfolg zu nutzen. Denn ein positiver Aspekt der Krise ist der gestiegene Drang nach mehr Information, Netzwerkarbeit und Qualifikation.
All das sind Themen, die das FVI seit Jahren beschäftigen. Mit nachhaltigen Instandhaltungsmaßnahmen bei Fokussierung auf größtmögliche Wertschöpfung können Unternehmen die derzeitige Situation nach Ansicht des FVI deutlich besser bewältigen. Qualifiziertes, motiviertes und flexibel einsetzbares Instandhaltungspersonal ist Voraussetzung für die benötigte Anlagenverfügbarkeit – bei erhöhter, aber kontrollierter Risikobereitschaft.