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Der Industrieservice-Markt entwickelt sich. 2015 erfüllten zwei weitere Unternehmen (Kaefer Isoliertechnik und Gesellschaft für Montage und Regeltechnik) erstmals die oben genannten Kriterien der Lünendonk®-Liste. Nur wenige Anbieter werden von Nutzern aber als Komplettanbieter wahrgenommen. Lünendonk erwartet, dass sich dies in den kommenden Jahren sukzessive ändern wird. Potenziell werden kleine und spezialisierte Schlosser, Elektriker und Anlagentechniker im Markt an Bedeutung verlieren.

Die Umsatzstruktur der führenden Anbieter charakterisiert zudem den aktuellen Status im Markt: Bilfinger Industrial Service erwirtschaftet 20-mal mehr Umsatz als Baumüller Reparaturwerk, das die Lünendonk®-Liste auf Rang 15 mit rund 40 Millionen Euro Umsatz abschließt.

Die Umsatzverteilung der 15 führenden Dienstleister verdeutlicht, dass es nur wenige große Dienstleister, aber viele kleine – zum Teil hoch spezialisierte – Anbieter gibt. Die Industrieservices werden nicht nur von potenziellen Komplettanbietern erbracht, sondern vor allem auch von vielen Handwerksbetrieben mit Sitz in unmittelbarer Nähe zum Produktionswerk. Dies ist eine Herausforderung sowohl für die Anbieter mit Wachstumsambitionen als auch für den Markt insgesamt. Denn der Industrieservice kann sich erst dann weiter etablieren und auch komplexere Leistungsportfolios entwickeln, wenn mehrere Anbieter eine kritische Größe erreicht haben.

Der Mehrwert von IS-Anbietern liegt insbesondere in der Intelligenz, die sie in den Instandhaltungsprozess einbringen. Eine eigene Instandhaltungsdatenbank mit Wissen, das den Technikern vor Ort auf Abruf vorliegt, kann erst ab einer größeren Kundenanzahl wirtschaftlich sinnvoll aufgebaut werden und rentiert sich erst für den Einsatz, wenn das hinterlegte Wissen hinreichend oft in Anspruch genommen wird. Hiervon profitieren am Ende vor allem Nutzer.

Luenendonk Studie 2015 580

*) Umsatz und/oder Mitarbeiterzahlen teilweise geschätzt
1) Bilfinger: Die Angaben entsprechen den veröffentlichten Zahlen des Konzerns für das Segment Industrial und berücksichtigen eine veränderte Zuordnung operativer Gesellschaften zu den Geschäftsfeldern. Die Vergleichszahlen für 2013 wurden entsprechend angepasst.
2) Remondis: Teil der Remondis Gruppe und Gesellschafter der Unternehmensverbunde Buchen und Xervon, die seit 2014 konsolidiert melden.
3) Voith: Verkauf der DIW Instandhaltung GmbH zum Oktober 2014 erst im laufenden Geschäftsjahr wirksam.
4) Ebert Hera Esser: Umsatzsteigerung u. a. aufgrund der Übernahme der Esser Anlagentechnik GmbH zum 1.1.2014.
5) InfraServ Knapsack: Umsatzrückgang aufgrund einer Portfoliobereinigung. Exklusive Umsätze mit Energiemanagement/Energieversorgung. Gesamtumsatz 2014: 167,8 Millionen Euro bei insgesamt 782 Mitarbeitern.
6) GMR: Teil der Griesemann-Gruppe, Wesseling. Gesamtumsatz 2014: 86,0 Millionen Euro. Umsätze mit Engineering-Leistungen der Indurest GmbH sowie der Tochtergesellschaft John Brown Voest GmbH in der Lünendonk-Liste 2015: „Führende Anbieter von Technologie-Beratung und Engineering-Services in Deutschland 2014“ ausgewiesen.
7) Baumüller: Umsatzrückgang bedingt durch Markteinbruch eines Kunden aus der Textilwirtschaft in Asien. Inklusive Umsätze der Baumüller Anlagen-Systemtechnik GmbH & Co. KG, exklusive Umsätze der Schwestergesellschaft

Dienstleister legen Wachstumspause ein

Der Markt für Industrieservice wächst derzeit kaum. 2014 konnten die von Lünendonk beobachteten Unternehmen um 0,8 Prozent höhere Umsätze als im Vorjahr (1,4 %) verbuchen. Noch 2012 standen 5,9 Prozent zu Buche.

Für die Top 15 stellt sich die Lage noch zurückhaltender dar (2012: 2,3 %; 2013: 1,1 %; 2014: 0,4 %). Die Datenbasis ist aussagekräftig. Die führenden 15 Unternehmen erbringen etwas mehr als 20 Prozent des vom WVIS mit rund 20 Milliarden Euro taxierten Marktvolumens.

Die Lünendonk-Studie

Aufnahmekriterien und Inhalte

Um in die Lünendonk-Liste aufgenommen zu werden, müssen Unternehmen folgende Kriterien erfüllen.

  • Mindestens 50 Prozent des Umsatzes werden mit Industrieservices nach der DIN 31051 erwirtschaftet (Instandhaltung, Anlagen- und Maschinenreinigung, Gerüst- und Rohrleitungsbau für die Prozess- und Fertigungsindustrie).
  • Ohne Umsätze aus Anlagenbau, Software sowie Energiemanagement und -versorgungsdienstleistungen
  • Mehr als zwei Drittel des Umsatzes werden am externen Markt erwirtschaftet.
  • Es werden weniger als drei Viertel des Umsatzes mit einem einzigen Gewerk erwirtschaftet.
  • Die umfassende Lünendonk®-Studie 2015: „Industrieservice-Unternehmen in Deutschland“ ist zum Preis von 1.600 Euro zzgl. MwSt. erhältlich. Der jährlich erstellte Berichtband enthält zahlreiche Informationen zur Marktstruktur wie Umsätze, Mitarbeiter, Leistungsspektrum, Marktsektoren und Information zur Bedeutung aktueller Trends und Entwicklungen.

In den Umsatzzahlen macht sich die schwierige wirtschaftliche Lage der Energieerzeuger bemerkbar. Viele Kraftwerke werden nur noch mit minimalem Niveau instandgehalten, um die Kostenausfälle durch die Energiewende größtmöglich abzufangen. Ob und inwiefern sich der sich abzeichnende Instandhaltungsstau in den kommenden Jahren positiv auf die Umsätze der Dienstleister auswirken wird, ist in hohem Maße von der Energiepolitik abhängig.

Neben externen Faktoren spielen auch interne Einflussgrößen eine wichtige Rolle. Voith Industrial Services steht derzeit zum Verkauf – zum Redaktionsschluss noch mit ungenauem Ausgang. An anderen Dienstleistern sind Private-Equity-Unternehmen beteiligt und arbeiten an einer Zukunftsausrichtung der Anbieter. Was mittelfristig oft eine höhere Wettbewerbsfähigkeit zur Folge hat, kann kurzfristig Ressourcen binden, die andernfalls zur Geschäftsausweitung zur Verfügung stünden.

Industrieservice volkswirtschaftlich bedeutend

Die dargestellten Umsatzentwicklungen und Entwicklungshindernisse dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Industrieservice einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie leistet. In Zeiten des Fachkräftemangels decken Industrieservice-Unternehmen Lastspitzen ab, leisten bei unregelmäßig anfallenden Spezialaufgaben Unterstützung und tragen zu einer niedrigeren Quote von ungeplanten Wartungen und Reparaturen bei.
Thomas Ball

Kontakt: Lünendonk GmbH, Gesellschaft für Information und Kommunikation
Tel.: 08261 731400
Email: info@luenendonk.de
www.luenendonk.de