Instandhalter gefragt?

Die Geschäfte der Moskauer Messe- und Asstellungskomplexe scheinen unter der Krise nicht allzu stark zu leiden Bisher wurden die Programme der technischen Messen nicht gekürzt Planmäßig fanden im Mai auch die beiden großen Moskauer Maschinebau-Messen statt, die ,Mashex’ und die ,Metalloobrabotka’ Und die Deutsche Messe Hannover plant für 2010 sogar vier neue Industriemessen in Moskau Die Geschäfte der Moskauer Messe- und Asstellungskomplexe scheinen unter der Krise nicht allzu stark zu leiden. Bisher wurden die Programme der technischen Messen nicht gekürzt. Planmäßig fanden im Mai auch die beiden großen Moskauer Maschinebau-Messen statt, die ,Mashex’ und die ,Metalloobrabotka’. Und die Deutsche Messe Hannover plant für 2010 sogar vier neue Industriemessen in Moskau.

Die ,Mashex’ wurde bereits vor 20 Jahren gestartet, damals noch unter beengten Verhältnissen im Ausstellungszentrum Sokolniki. Inzwischen ist die vom Veranstalter MVK getragene Veranstaltung in den, modernen, aber etwas abgelegenen Ausstellungskomplex ,Crocus Expo Exhibition Centre’ im Nordwesten der Stadt umgezogen. Diese Entscheidung kann erst im nächsten Jahr ihre Vorteile zeigen, denn dann wird die
Metro-Verbindung zum Moskauer Zentrum hergestellt sein. Die ,Mashex 2010′ mit ihrem breiten Profil, das neben Werkzeugmaschinen auch Bereiche wie Gießereiausrüstungen, Hebezeuge und Automatisierungstechnik umfasst, wird dann auch für Instandhalter interessant sein. Die Teilausstellung ,Retechmash’ der ,Mashex’ ist der Instandsetzung und Modernisierung von Maschinen und Ausrüstungen gewidmet.

Die im Mai im ,Expocentre’ abgehaltene Messe und Konferenz ,Metalloobrabotka, ist stärker auf Werkzeugmaschinen fokussiert und wurde erstmalig als ,Metalloobrabotka-Technoforum’ mit einem erweiterten Konferenzprogramm durchgeführt. Auch hier war die Instandhaltung ein Thema, selbst wenn sie nicht explizit im Titel der Ausstellung auftauchte.

So warb etwa MAG Mainteneance Technologies mit seinem Service „für 50 Marken und Hersteller” für Werkzeugmaschinen. Das Angebot: Wartung und Störungsbeseitigung vor Ort, telefonische Beratung, Ausbildung, Ersatzteilbereitstellung, Instandsetzung und Modernisierung. Welch hoher Bedarf an diesen Leistungen besteht, wird auch an anderen Messeständen klar, geht doch ein nicht geringer Anteil der in angeboteten Baugruppen, elektronischen Ausrüstungen und begleitenden Dienste schließlich und endlich in die Instandsetzung und Modernisierung des russischen Maschinenparks.

Die Firma Pilz, Hersteller von Sicherheitstechnik, hat die Potenziale dieses Marktes bereits für  sich entdeckt und kürzlich eine Niederlassung in Moskau eröffnete. Auf der ,Metalloobrabotka’ hielt das Unternehmen eine Pressekonferenz ab und erklärte: „Eine hohe Importrate im Zusammenhang mit einem konkreten politischen Interesse an der Modernisierung von Maschinen und Anlagen sowie ein erhöhter Anspruch an die Sicherheit stellt unseres Erachtens eine solide Grundlage für die Ausweitung der Vertriebsaktivitäten auf den russischen Markt dar.” Neben der Betreuung der Handelspartner, die den Markt mit Pilz-Komponenten und -Systemen für die sicherheitsgerichtete Automatisierung beliefern, gehört zum Portfolio der Moskauer Niederlassung auch ein umfassendes Dienstleistungsangebot rund um die Maschinensicherheit. Als Hauptbranchen sieht Pilz dabei die Automobilindustrie, die metall- und holzverarbeitende Industrie sowie die Pressenindustrie.

Aber auch die russischen Instandhalter sehen im Modernisierungsbedarf der heimatlichen Wirtschaft ihre Chance. So bietet ,Ivtekhservice’ Service für Werkzeug- und Bearbeitungsmaschinen an und nennt als Kunden Atommashexport, den großen russischen Hersteller und Exporteur von Ausrüstungen für die Energiewirtschaft, die Öl- und Gasindustrie und die Metallurgie. Weniger ambitioniert, aber dafür sehr clever agiert eine andere russische Instandhaltungsfirma, der ,Savod Stankomodernisaciya’: Die Marketingleiterin des Unternehmens ist gleichzeitig Chefredakteurin der Fachzeitschrift ,Promyschlennye Regiony Rossii’. Diese Konstellation bietet dem Dienstleister ein gutes PR-Forum, profiliert aber gleichzeitig auch die Zeitschrift mit Profi-Wissen im Bereich der Instandhaltung.

Ob das allerdings als Medium für unsere Branche in Russland ausreicht, ist mehr als fraglich. Denn in den Gesprächen mit Ausstellern der Messen und Kollegen der Fachmedien wurde klar, das hier, wie vor einigen Jahren in Europa, der Bedarf an Instandhaltungsleistungen und damit auch an Informationen über und für diesen Bereich steigt. Instandhalter sind also zunehmend gefragt in Russland, und es existieren auch bereits Pläne für eine Zeitschrift, die nach der russischen Bezeichnung für Instandhaltung ,TOiR’ (Tekhnicheskoe obslushivanie i Remont) heißen soll.

Vielleicht wird es dann nach Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in der Welt auch eine MAINTAIN-Russland geben? Oder vielleicht wird die sogar schon während der Wirtschaftskrise benötigt, denn wo wenig Geld verfügbar ist, gewinnt die Instandsetzung und Modernisierung allemal an Attraktivität gegenüber der Neuanschaffung.

Ingo Busch