Licht-Farbe-Gefühl

Über die physikalischen Eigenschaften des Lichtes können deshalb Planer Einfluss auf die Atmosphäre nehmen und bestimmen, ob Räume und Objekte warmtonig erscheinen oder kühl, ob sie sich besser oder schlechter für bestimmte Tätigkeiten oder Präsentationen eignen
32-2-gLicht ist Farbe – und Farbe ist Stimmung. Beleuchtung hat deshalb sowohl physikalische als auch psychologische Aspekte: Neben der Helligkeit nimmt der Mensch die Farbe von Licht wahr und reagiert darauf mit Wärme- oder Kältegefühlen, mit Eindrücken von Geborgenheit oder von Entfremdung, mit Arbeitselan oder spontaner Entspannung. Über die physikalischen Eigenschaften des Lichtes können deshalb Planer Einfluss auf die Atmosphäre nehmen und bestimmen, ob Räume und Objekte warmtonig erscheinen oder kühl, ob sie sich besser oder schlechter für bestimmte Tätigkeiten oder Präsentationen eignen.

Im Bereich der weißen Lichtfarben werden die Farbtöne über die so genannte Farbtemperatur beschrieben. Diese lässt sich im Dreieck des CIE-Normvalenzsystems auf dem planckschen Kurvenzug darstellen. Der Kurvenzug beschreibt einen idealisierten plankschen Strahler, eine thermischen Strahlungsquelle, die ihre Lichtfarbe proportional zu ihrer Temperatur verändert. Mit zunehmender Temperatur verschiebt sich hier die Lichtfarbe vom roten zum blauen Bereich.

32-1Anschaulich beobachten lässt sich das bei der handelsüblichen Glühlampe, deren rot glühende Wendel im gedimmten Zustand ein sehr warmtoniges Licht aussendet. Bei steigender Leistungsaufnahme reduziert sich der rötliche Anteil, und das Licht erscheint mit zunehmender Temperatur weiß. Die dem entsprechende jeweilige Farbtemperatur wird in Kelvin angegeben. Die Farborte realer Lichtquellen wie beispielsweise die von Hochdruck-Entladungslampen liegt jedoch nicht unbedingt direkt auf dem Kurvenzug. Deshalb wurde zur Charakterisierung von Leuchtmitteln eine Geradenschar mit ähnlichsten Farbtemperaturen eingeführt. In dieser Darstellung lassen sich auch Lichtfarben definieren und der Farbtemperatur eines Temperaturstrahlers zuordnen, die nicht auf der Kurve liegen. Dies führt allerdings auch dazu, dass zwei unterschiedliche Lichtquellen mit gleicher Farbtemperaturangabe leicht im Farbton voneinander abweichen können, weil sie an verschiedenen Stellen auf den Geraden liegen.

33-1-gggIn der Praxis wird die Farbtemperatur in drei Kategorien unterteilt: warmweiß (ww) <3 300k, neutralweiß (nw) <5 000k und tageslichtweiß (tw)>5 000K. Warmweiße Lampen betonen den roten und gelben Spektralbereich, während unter tageslichtweißem Licht blaue und grüne, also kalte Farben, hervorgehoben werden. Das eröffnet viele Möglichkeiten, die Farbtemperatur als gestalterisches Mittel zur Präsentation von Objekten und Waren einsetzen. Aus der Natur kennt man kältere Lichtfarben mit hohen Beleuchtungsstärken vom blauen Himmel mit 10 000-26 000K.

Warme Lichtfarben tauchen eher bei geringen Beleuchtungsstärken auf, wie dem Licht einer Kerzenflamme mit 1 900K. Dimmt man das Licht von Glühlampen, verschiebt sich die Farbtemperatur von 2 800K auf etwa 2 000K, und es entsteht eine dem Kerzenlicht vergleichbare Lichtfarbe.
Beim Dimmen von Leuchtstofflampen hingegen bleibt die Lichtfarbe konstant. Aus diesem Grunde fällt die Atmosphäre von Räumen bei gedimmtem Licht dieser beiden Lampentypen sehr unterschiedlich aus. Da das Auge Unterschiede von Farbtemperaturen nicht linear wahrnimmt, erscheint eine Differenz von 500K im warmweißen Bereich kontrastreicher als bei tageslichtweißen Lichtfarben. Dem entsprechend bieten die Lampenhersteller für warmweiße Lichtfarben eine feinere Abstufung der Lichtfarben an als bei Lampen mit höherer Farbtemperatur. Einige Leuchtmittel wie beispielsweise Leuchtstofflampen sind in unterschiedlichen Farbtemperaturen verfügbar. Die Farbe, in der beleuchtete Objekte erscheinen, wird neben der Lichtfarbe der Beleuchtung von der Eigenfarbe des Körpers bestimmt. Um an Orten, wo die Wahrnehmung von farbigen Oberflächen eine wichtige Rolle spielt, eine hohe Güte in der Farbwiedergabe zu erzielen, sollte das weiße Licht die einzelnen spektralen Bereiche gleichmäßig darstellen.

Zur Bewertung der Farbwiedergabe einer Lichtquelle dient der Grad der Farbveränderung von Objekten gegenüber einer Referenzlichtquelle. Das kann ein Temperaturstrahler oder Tageslicht sein. Anhand einer Skala von acht oder vierzehn Körperfarben (Ra8 bzw Ra14) wird der Farbeindruck ermittelt. Das Ergebnis wird im Farbwiedergabeindex angegeben, der bei 100 sein Optimum hat. Geringere Werte bedeuten eine entsprechend schlechtere Farbwiedergabe. Oft wird auch eine Einteilung in Stufen vorgenommen. Die Stufe 1 (Ra 80-100) ist beispielsweise für Museen, Geschäfte oder repräsentative Räume erforderlich.

Die Güte der Farbwiedergabe hängt mit dem Lichtspektrum der Lampe zusammen. Das kontinuierliche Spektrum von Glühlampen garantiert eine sehr gute Farbwiedergabe. Bandenspektren von Leuchtstofflampen und Entladungslampen weisen hingegen einen geringeren Farbwiedergabeindex auf. Manche Lampentypen werden in verschiedenen Farbwiedergabequalitäten angeboten – bessere Farbwiedergabe geht dabei aber meist auf Kosten von Lichtstrom und Lichtausbeute. Zwei Lichtquellen mit der gleichen Lichtfarbe können sich in ihrer Farbwiedergabe unterscheiden, wenn ihr Lichtspektrum verschieden zusammengesetzt ist. Dieser Wahrnehmungseffekt wird als ,Metamerie’ bezeichnet.
– Thomas Schielke –