Tatiana Shepeleva - Fotolia

„Smart Services“ werden das Berufsbild des Instandhalters in nächster Zukunft stark verändern. Bild: Tatiana Shepeleva - Fotolia.com

Noch ist nicht klar, wie sich die Instandhaltung in die „Industrie 4.0“ einfügen wird – aber schon gibt es einige sprachliche Probleme. So ist „Instandhaltung“ a priori viel zu bodenständig. Schwierig wird es spätestens dann, wenn das Modewörtchen „smart“ hinzukommt. Smarte Instandhaltung? Also dann doch lieber „Smart Maintenance“, oder? Das ist zwar dasselbe, klingt aber viel cooler.

Ein weiterer Ausweg aus dem sprachlichen Dilemma ist, das den Deutschen inzwischen vertrautere „Smart Services“ zu nutzen. Allerdings meinten „Services“ in der industriellen Instandhaltung ursprünglich nur die Leistungen der Hersteller von Anlagen und Maschinen, insbesondere während der Gewährleistung. „Industrial Services“ wiederum ist ein Begriff, der auch Dienstleistungen, etwa in der Logistik für die der Supply Chain, bei Entwicklungsleistungen, beim Engineering, beim Betreiben von Anlagen oder bei der Prozessoptimierung umfasst. Das bedeutet alles viel mehr als „maintenance“.

Aber vielleicht lösen sich dieses Problem – oder Pseudoproblem – bald von ganz allein. Es ist inzwischen nämlich absehbar, dass sich die Grenzen zwischen Produktion und Instandhaltung, zwischen Produkt und Dienstleistung auflösen oder wenigstens sehr diffus werden.

Dr. Andreas Weber, Vice President Business Development/BL-Technical Services beim Chemiekonzern Evonik Industries, bringt das so auf den Punkt: „Mit all den Veränderungen im Bereich der Industrie 4.0 sind, wie immer im Leben, viele neue Chancen und einige neue Risiken verbunden. Eine der größten Chancen ergibt sich daraus, dass sich neue Geschäftsmodelle eröffnen, die sich heute allerdings erst unklar abzeichnen. Sicher ist jedoch, Industrie 4.0 bedeutet Ausrichtung aller Wertschöpfungsnetzwerke hin zum finalen Nutzen der Endverbraucher – nicht mehr und nicht weniger!“

Smarte Instandhaltung

Veranstaltungen zum Thema 2016

Das Thema der smarten Industriellen Dienstleistungen und der modernen Instandhaltung steht auch im kommenden Jahr im Fokus vieler Weiterbildungsveranstaltungen. Hier einige davon:

  • 31. RemoteServiceForum Connected Service World, Smart IoT und Service 4.0 Services, 16. und 17. Februar 2016 in Karlsruhe
    www.remoteserviceforum.de/
  • KVD Spotlight Mobile Lösungen, 12. April 2016 in Hannover
    www.kvd.de
  • 19. Aachener Dienstleistungsforum Digitalisierung im Service – Neue Technologien erfolgreich implementieren, 13. und 14. April 2016 in Aachen
    www.fir.de
  • 37. VDI/VDEh-Forum Instandhaltung 2016, 01. und 02. Juni 2016 in Berlin
    www.vdi-wissensforum.de
  • smart Remote Service 2016, 19. und 20. September 2016 in Berlin
    http://2016.remote-service.we-conect.com/de
  • 36. KVD Service Congress, 03. und 04. November 2016, München
    www.kvd.de

Die neuen Geschäftsmodelle im Service, von denen hier die Rede ist, gilt es also zunächst einmal zu entwicklen. Folgt man dabei Dr. Webers Logik, so werden sie, ausgehend vom Endverbraucher der erzeugten Produkte, auch die Industriellen Services – und am Ende die Instandhaltung – stark verändern. Hinweise darauf liefert etwa die Einführung neuer Instandhaltungstrategien wie Predictive Maintenance. Hier erfolgt über die Auswertung großer Datenmengen und Simulationsberechnungen die Abschätzung der Restlebensdauer von Ausrüstungen. Der Betrieb, ebenso wie die Instandhaltung der Anlagen, lässt sich dann nach diesen Vorgaben optimieren.

Dabei werden jedoch sicherlich bisher ungewohnte Kriterien zu nutzen sein, etwa infolge geringer Losgrößen des Produktes. Ob bei Losgröße 1 die Anlagenverfügbarkeit mit hoher OEE oder andere KPI anzuwenden sind, wird sich zeigen.

Ebenso wird sich zeigen, welche Rolle in diesem gesamten Umfeld aus Big Data, IT, Mechatronik und Kommunikationstechnik der Mensch spielen wird. Alexander Mankel, der mit Augmensys Deutschland die Nutzung der Augmented Reality im industriellen Umfeld vorantreibt, meint dazu, dass es „mithilfe moderner IT-Technologien heute schon möglich ist, das Asset ‚Daten und Wissen‘ wertschöpfend einzusetzen. Der Schlüssel dazu ist und bleibt aber der Mensch selbst.“

Die weitere Entwicklung im Bereich der Smart Instandhaltung wird mithin interessant – und sicherlich viel schneller verlaufen, als wir heute annehmen. Aus der zentralen Stellung des Menschen in diesem Prozess wird auch klar, dass in naher Zukunft ein riesiger Bedarf an Weiterbildung entstehen wird, um dem „Smarten Instandhalter“ heranzubilden. Das Angebot ist schon heute recht breit, aber noch unübersichtlich.

Die „Instandhaltung“ wird sich deshalb in Zukunft verstärkt mit dieser Thematik beschäftigen. Wer uns dabei unterstützen will, ist herzlich willkommen!