Künftige 'Zehnkämpfer'

Die große Bedeutung dieses Vorhabens ergibt sich schon daraus, dass die Profilierung einer ganzen Branche industrieller Dienstleister davon abhängt, wie ihr Bedarf an professionellen ingenieurwissenschaftlichen Fachkräften langfristig gesichert wird.

Die Bilfinger Berger Industrial Services AG übernimmt in dieser Zusammenarbeit die Vorreiterrolle. Das ergibt sich schon aus den umfangreichen Erfahrungen, über die das Unternehmen verfügt: Es bietet ein breites Spektrum von Dienstleistungen für die Errichtung und Instandhaltung von Industrieanlagen bis hin zur Spezialkompetenzen im technischen Schallschutz an und genießt das Vertrauen der weltweit größten Unternehmen der Chemie-, Petrochemie-, Raffinerie- und Kraftwerksindustrie. Mit über einhundert Standorten ist es europaweit sowie in Nordamerika vertreten.

Sehr gut mit diesem Aufgabenprofil korrespondiert der nunmehr seit zehn Jahren an der Berufsakademie Sachsen, Staatliche Studienakademie Leipzig, angebotene duale Studiengang ,Service Engineering‘, in dem Diplomingenieure (BA) für die Prozesse der Instandhaltung ausgebildet werden. Die Inhalte der Instandhaltung, also Wartung, Inspektion und Instandsetzung, stehen neben der Vermittlung von ingenieurtechnischem Grundlagenwissen sowie der betriebswirtschaftlichen und der Rechts- und Managementausbildung im Mittelpunkt dieses Studiums.

Die sich daraus ergebenden gemeinsamen Interessen und Erfahrungen des Industriedienstleisters und der Ausbildungseinrichtung waren die Grundlage für die erfolgreiche Kooperation. In diesem Rahmen fördert die BIS AG maßgeblich finanziell die Studienrichtung ,Service Engineering‘ an der Staatlichen Studienakademie Leipzig. Aber über die rein kommerziellen Aspekte hinaus ist in dieser Zeit eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gewachsen, die sich vor allem in der inhaltlichen Profilierung der Studienrichtung durch Mitgestaltung von Lehrinhalten und Mitwirkung von Dozenten aus der Unternehmenspraxis in den Lehrveranstaltungen sehr positiv auswirkte. Zudem wird vom Zentralbereich Personal der BIS AG in jeder Matrikel der Studienrichtung ,Service Engineering‘ ein Kolloquium zu Karriere- Chancen von Absolventen sowie zur Führungskräfteentwicklung in der Branche gestaltet. Beide Partner arbeiten auch intensiv daran, technisch interessierte junge Leute für das duale Studium in der Studienrichtung ,Service Engineering im Einzugsbereich des Unternehmens zu gewinnen. So ergaben sich auch aus dem gemeinsamen Auftritt auf der Fachmesse MAINTAIN 2008 zahlreiche Impulse für die Fachkräftegewinnung.

18-1Gegenwärtig werden in jeder Matrikel Studenten in den Studienphasen ‚Praxis‘ bei der BIS AG betreut. Zudem unterstützt das Unternehmen die Staatliche Studienakademie Leipzig bei der Besetzung der Stelle eines Dozenten für Ingenieurwissenschaften / Instandhaltung in der Studienrichtung „Service Engineering”. Auch die Laborausrüstungen für das Kompetenzzentrum „Service Engineering” wurden mit finanzieller Unterstützung der die Bilfinger Berger Industrial Services AG wesentlich erweitert und mehrere Versuchsstände wurden vorfristig zur Nutzung im Studium fertiggestellt. Insbesondere betrifft das die Versuche „Bauthermografie und thermografische Inspektionen in der Anlagentechnik” sowie den Versuch „Condition Monitoring mittels digitaler Endoskopie”.

Auch in der Profilierung des Vertiefungsstudiums im Bereich Instandhaltung ab dem 3. Theoriesemester wird sich die Zusammenarbeit mit Bilfinger Berger Industrial Services künftig widerspiegeln. So ist vorgesehen, erstmalig ab Oktober 2009 in der Matrikel SE 2008 ergänzend zu den bisher erfolgreich umgesetzten Vertiefungsrichtungen, Gebäudeinstandhaltung‘ und ,Maschineninstandhaltung‘ die neue Vertiefungsrichtung ,Prozessanlageninstandhaltung‘ anzubieten. Dabei sollen Studieninhalte zu Grundlagen verfahrenstechnischer Prozesse, Wärme- und Stoffübertragung, Isolierung, Grundlagen und Instandhaltung von Static und Rotating Equipment, zur Schweißtechnologie sowie zur betriebswirtschaftlichen Betrachtung von Prozesstechnik im Anlagenmanagement vermittelt werden. Das entspricht der erkannten Notwendigkeit, Ingenieure für Instandhaltung und Service auch im Bereich der Chemie- und Prozessindustrie auszubilden.

Mit dieser Erweiterung der Angebotsbreite im Studium bekommen die Unternehmen und Dienstleister der Prozessindustrie nunmehr die Möglichkeit, als Praxispartner der Berufsakademie Sachsen, Staatliche Studienakademie Leipzig den ingenieurtechnischen Nachwuchs für die Instandhaltung professionell heranzubilden. Eine weitere Aufgabe bei der Zusammenarbeit besteht in der Vorbereitung der Studiendokumente für Bachelor-Studiengänge ab Matrikel SE 2010. Dabei ist auch die inzwischen übliche Strukturierung der Studieninhalte in Pflichtmodule und Wahlpflichtmodul geplant, zusammen mit einer wesentlichen Erhöhung des Selbststudienanteiles der Studierenden. Die Bedeutung der Studienphasen ,Praxis im Unternehmen’ wird damit weiter erhöht. Die Praxisphasen dienen dabei mehr als bisher der Anwendung, Vertiefung und Erweiterung der in den Theoriephasen erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten durch Bearbeitung ingenieurtechnischer Aufgabenstellungen unmittelbar aus der Praxis.

Die Module der Praxisphasen umfassen, angefangen beim Einstieg in die praktischen Arbeitsfelder sowie die Geschäftsfelder des Unternehmens, die Mitwirkung bei Analysen des Service – Prozesses, die Vorgehensweise bei Analyse des Ausfall- und Schädigungsverhaltens von Instandhaltungsobjekten, Qualitätsmanagement und Wirtschaftlichkeitsberechnungen im Unternehmen, die Tätigkeit in Arbeitsgestaltung und Integriertem Management bis hin zur selbständigen Projektbearbeitung von komplexen Aufgaben der Instandhaltung. Die Lösung der praxisorientierten Aufgaben kann dabei vom Unternehmen durch Bildungsmaßnahmen unterstützt werden. Anlagenverfügbarkeit und Zuverlässigkeit sowie die Vergrößerung des Anteiles der geplanten Instandhaltungsleistungen durch einen optimalen Mix der Instandhaltungsstrategien sind die entscheidenden Kriterien der erfolgreichen Entwicklung eines Studienkonzeptes, das den Fokus auf künftigen Aufgaben in der Instandhaltung legt.

Immer größere Bedeutung erlangt in diesem Zusammenhang die zustandsorientierte Instandhaltung durch Nutzung der Möglichkeiten von Condition Monitoring und Prozessdiagnostik mittels SPC unter dem messtechnischen Grundsatz „Messen, was messbar ist, und messbar machen, was noch nicht messbar ist”. Denn es ist notwendig, die Instandhaltung von der Einzelanlageninstandhaltung immer mehr zum Lifecycle-Management weiterzuentwickeln. Für die Zukunft der Studienrichtung „Service Engineering” ergibt sich daraus die Aufgabe das Studium unter dem Leitgedanken „Instandhalter, die Zehnkämpfer der Technik” ständig im engen Dialog mit Partnern in der Praxis weiterzuentwickeln. Nur so wird es gemeinsam gelingen, den derzeit auch im Servicebereich spürbaren Mangel an ingenieurtechnischem Personal zu überwinden.
Prof. Dr. Ulrich Regel, Studienrichtungsleiter Service Engineering