ESMT Teilnehmer

Am 5. September 2016 präsentierten die Teilnehmer des 2. IHM Jahrgangs ihre Projektergebnisse vor ihren Mentoren, dem IHM-Programmbeirat, der Seminarleitung und ehemaligen Absolventen. Bild: ESMT

Auf europäischer Ebene wurden unlängst die verschiedenen Instandhaltungsrollen auf Facharbeiter-, Techniker-, Ingenieur- und Managementebene anhand eines erweiterten Kompetenzprofils beschrieben. Das löste eine Debatte darüber aus, welche Qualifikationsanforderungen dabei zu erfüllen sind.

Deutschland gehört zu den Staaten, die keinerlei spezielle Hochschulausbildung in der Instandhaltung anbieten. Der Vorsitzende des VDI-Fachausschuss Instandhaltung, Dr. Jens Reichel, fordert deshalb Konsequenzen: „Nachwuchs-Ingenieure benötigen eine ganzheitliche Mindmap, die alle wesentlichen kaufmännischen und technischen Zusammenhänge rund um die Instandhaltung enthält.“

Ins selbe Horn stößt Bernd Hohmann, Leiter Technisches Standort-Management der NRW-Produktionsstandorte der Covestro Deutschland AG: „Der Paradigmenwechsel erfordert sowohl fachliches als auch kulturelles Umdenken im Arbeitsumfeld des Ingenieurs. Dabei gilt es, nicht nur technischen Sachverstand einzubringen, sondern auch den Faktor Mensch zu berücksichtigen. Dies bedeutet einen nicht zu unterschätzenden Change Prozess.“

Der VDI-Fachausschuss Instandhaltung hat darauf reagiert und die ESMT European School of Management and Technology mit der Konzeption eines Seminars beauftragt. Ziel ist es, Managementkompetenzen aufzubauen und technologisches Know-how mit BWL Wissen zu kombinieren. Wissenschaftlicher Leiter der Veranstaltung ist Prof. Dr. Biedermann von der Montanuniversität Leoben.

Das IHM-Programm

Das in Kooperation mit den Mitgliedern des VDI-Fachausschusses Instandhaltung entwickelte Instandhaltungsmanagement-Programm wird von der ESMT (European School of Management and Technologie) in Kooperation mit der ÖVIA (Österreichische Vereinigung für Instandhaltung und Anlagenwirtschaft) durchgeführt.  Es adressiert Führungskräfte im Instandhaltungsmanagement mit technischer Grundausbildung und Verantwortung für Projektteams.
Begleitend zu den beiden 5-tägigen Seminarmodulen führen die Teilnehmer im Rahmen eines sechsmonatigen Praxisprojekts in ihrem Unternehmen ein auf ihren Betrieb zugeschnittenes Veränderungsprojekt zur Optimierung ihrer Instandhaltung durch, sodass sie aus dem Gelernten unmittelbare Umsetzungsschritte ableiten können. Teilnehmer aus Branchen der Fertigungsindustrie, etwa aus Automobilbau, Chemie, Stahl, Maschinenbau, Energie, profitieren am meisten von diesem Programm.

Die Weiterbildung wurde 2016 bereits zum zweiten Mal angeboten. Sie behandelt die Bereiche Anlagenmanagement (Design, Inbetriebnahme, Dauerbetrieb, Anpassung, Nachrüstung), Instandhaltungsstrategien,  -konzepte, -methoden, „Best Practices“ sowie Daten-, Informations- und Prozessmanagement. Im Bereich der Soft Skills stehen Fragen der optimalen Organisation und Veränderungsmanagement, des Managements von Fremdfirmen und der Verhandlungen mit Dienstleistern auf dem „Stundenplan“.
Rainer Droese, ein Absolvent des ersten IHM-Programms und Teamleiter für strategisches Instandhaltungsmanagement bei der ThyssenKrupp Steel Europe AG, schätzt dazu ein: „11 Tage in zwei Modulen klingt sehr lang für eine Weiterbildungsmaßnahme. Sie ist aber ungleich effektiver als ein kurzer, oberflächlicher Crashkurs.“

Hohe Anlagenverfügbarkeit bei maximaler Kosteneffizienz!

Die IHM-Absolventen dieses Jahres zeigten bei der Präsentation ihrer Umsetzungsprojekte während des Abschlusskolloquiums im September auf Schloss Gracht, dass gründliche Qualifizierung und systematische Anwendung der Instrumente modernen Instandhaltungsmanagements auch die „Quadratur des Kreises“ ermöglicht: So gelang es, an einer Chemieanlage höhere Anlagenverfügbarkeit bei gleichzeitig reduzierten Wartungskosten zu erreichen. Die systematische Fehleranalyse eines Ersatzteils, einer Pumpendichtung, ergab Einsparungen im oberen 5-stelligen Bereich.

Das Kolloquium zeigte auch den unmittelbaren praktischen Nutzen des Seminars. Die präsentierten Projekte bewirkten bereits in den ersten Umsetzungsschritten beträchtliche unmittelbare Kostensenkungen – die  Projektarbeiten wirken auch multiplikatorisch. Der Teilnehmer muss sich nämlich mit einem Thema über längere Zeit kontinuierlich auseinandersetzen. Dabei wird er von einem Mentor im Unternehmen betreut, der ein Interesse am Fortschritt des Projektes hat.

ESMT Berlin Campus Schloss Gracht
Das IHM-Programm findet auf dem ESMT Berlin Campus Schloss Gracht in der Nähe von Köln statt. Die abgeschiedene, geschützte Lage mit ihren Möglichkeiten zu ungestörter Konzentration hat dort sowohl Lehre als auch Lernen geprägt. - Bild: ESMT

Die Mitarbeiter/Kollegen sind somit involviert und lernen die Inhalte/Kernbotschaften aus dem Projekt kennen. Das sorgt dann dafür, dass sich eine Instandhaltungsinitiative zügig im Unternehmen verankern lässt. Auch die Mentoren, die die Teilnehmer während ihrer Projekte im Unternehmen begleiten und ebenfalls dem Kolloquium beiwohnen, lernen über das von ihnen betreute Thema hinaus eine große Bandbreite unterschiedlicher Fragestellungen und individueller Lösungen kennen.

Damit wirkt das Qualifizierungsprogramm über den unmittelbaren Teilnehmerkreis hinaus und unterstützt die entsendenden Unternehmen bei der Verbreitung der fachlichen Kompetenzen.
So regte beispielsweise die Diskussion über ein Projekt zum „Design for Maintainability“ einen Tagungsteilnehmer aus der Stahlindustrie dazu an, das Konzept, das sich in der Chemiebranche bewährt hatte, für seinen Betrieb ebenfalls prüfen und, den geänderten Anforderungen angepasst, implementieren zu lassen – mit Erfolg, wie sich rasch herausstellte.

Die Teilnehmer des Jahrgangs 2016 und Alumni wie Rainer Droese profitieren auch von der nunmehr stärkeren beruflichen Vernetzung der Instandhalter. Das ist ein Ergebnis des infolge des IHM-Programms entstehenden IHM-Alumni-Netzwerks. Dieses entwickelt sich ständig weiter und sorgt für gegenseitige Unterstützung bei der Lösung der kommenden, anspruchsvollen Aufgaben.

Dr. Kirsten B. Fischer

Kontakt: ESMT, Tel.: 02235 406240
Email: kirsten.fischer.e@esmt.org
www.esmt.org/instandhaltung