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Dabei geht es um ein die Umsetzung eines Konzepts, in das auch die Instandhaltung eingeordenet ist – und das ihr neue Aufgaben und Wertigkeiten zuweist Die schlechte Nachricht zuerst: Die Online-Umfrage zum Thema ,Plant Asset Management (PAM), die das Fachmagazin ,Instandhaltung‘ gemeinsam mit Studenten der Fachhochschule Südwestfalen durchführte, brachte wenig Rückläufe und damit kaum nutzbare Ergebnisse Aber auch ein schlechtes Ergebnis vermittelt eine Information: Plant Asset Management ist in Deutschland noch (?) kein Thema Stimmt das – oder gibt es hier einfach Kommunikationsprobleme? Dr Alexander Horch, der bei der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik GMA Leiter des Fachausschusses ,Plant Asset Management‘ ist, konstatierte in einem Vortrag im Jahr 2005, dass (Plant) Asset Management

  • in aller Munde ist
  • es trotzdem keiner definieren kann
  • Potenzial für beträchtliche Kostenersparnisse bietet
  • immer wichtiger zu werden scheint
  • trotzdem eher als Kostenfaktor denn als Chance gilt
  • die gesamte Wertschöpfungskette berührt

Der gestanden Instandhalter erkennt in dieser Einschätzung, insbesondere an den beiden letzten Punkten, sofort die Parallelen zum eigenen Metier. Aber treffen diese Einschätzungen auch heute noch zu?
Über Plant Asset Management wird geredet, heute mehr denn vor einigen Jahren. Das zeigt allein schon der Umstand, dass es sowohl beim VDE/VDE GMA als auch bei der NAMUR, Interessengemeinschaft Automatisierungstechnik der Prozessindustrie, Arbeitsgruppen zu dieser Thematik gibt. NAMUR und VDI/VDE haben auch – und das ist sicherlich der wichtigste Fortschritt – die erste deutschsprachige Richtlinie erarbeitet, die VDI/VDE 2651: Plant Asset Management in der Prozessindustrie: Definition, Modell, Aufgaben, Nutzen.
Eine wesentlich umfangreichere Literatur existiert allerdings in Englisch: Die PAS 55, die vom Institute of Asset Management IAM ausgearbeitete und von der  British Standards Institution (BSI) herausgegebene ,Öffentlich Verfügbare Spezifikation‘ ist das Grundlagendokument, an dem sich zunehmend auch die internationalen  Normungsgremien orientieren.
Das taten sicherlich auch die Instandhaltungsexperten im Europäischen Komitee für Normung (CEN) und im Technischen Komitee Instandhaltung (TC 319). Auf Vorschlag der finnischen Delegation wurde dort im Oktober 2010 eine neue Arbeitsgruppe zum Thema Asset Management etabliert. Sie soll dafür sorgen, dass Instandhaltungsaspekte innerhalb des Asset Management  einen eigenen Schwerpunkt finden.

Dr. Michael Gote, NAMUR: Der Automatisierungstechnik kommt beim Plant Asset Management eine Schlüsselfunktion zu, da sie viele daten- und modellgetriebene Ansätze erst ermöglicht.

Dr. Michael Gote, NAMUR: Der Automatisierungstechnik kommt beim Plant Asset Management eine Schlüsselfunktion zu, da sie viele daten- und modellgetriebene Ansätze erst ermöglicht.

Aber sind Plant Asset Management und Instandhaltung nicht ganz verschiedene Dinge, die separat behandelt werden können und müssen? Hier beginnen die Probleme der Definition  – aber die Experten sind sich einig, dass die Instandhaltung einen Unterbereich des Plant Asset Management bildet. Deshalb war es auch konsequent, dass sich die im Mai diesen Jahres gegründete Weltverband den Namen ,Global Forum on Maintenance and Asset Management‘ wählte.  Daneben gibt es beim EFNMS, dem Europäischen Dachverband der Instandhaltungsverbände, inzwischen ein ,Asset Management Committee‘. Dieses begründet seine Ansiedlung im Bereich der Instandhaltung übrigens mit dem überzeugenden Argument: „Wenn die EFNMS nicht als Sprachrohr des Asset Managements in Europa fungiert, so wird jemand anderes dies tun“.
In Deutschland haben sich hingegen weniger die Instandhalter, als vielmehr die Automatisierungstechniker für die Thematik interessiert. So gab es im Programm der 73. NAMUR Hauptsitzung 2010 einige interessante Vorträge zum Plant Asset Management. Hier wurden auch neue und umfassendere Begriffserklärungen vorgestellt.
So formulierte etwa Dr. Michael Gote, der Obmann AK 4.13 ,Asset Management‘ bei NAMUR, folgende Definition: „Im heutigen Verständnis steht Plant Asset Management für ein ganzheitliches Konzept zur wertorientierten Handhabung der Produktionsmittel in den Anlagen der Prozessindustrie. Das Erhalten des funktionsfähigen Zustands eines Assets bzw. erforderlichenfalls das Zurückführen in diesen ist als Teilaufgabe eingeschlossen, in der Gesamtzielsetzung geht Plant Asset Management aber deutlich darüber hinaus.
Alle Aspekte für ein wertorientiertes Führen und eine auf die jeweilige Produktionsstrategie abgestimmte, optimale Bereitstellung der Assets sind als zentrale Aufgaben des PAM mit eingeschlossen.“
Das Aufstellen und kontinuierliche Fortschreiben von Asset- und Produktionsstrategie sieht Gote als eine der Kernaufgaben der operativen Einheiten. Ein darauf abgestimmtes Plant Asset Management Konzept bildet dabei die Basis für eine erfolgreiche Umsetzung der Strategie im Produktionsbetrieb. Es dient als Leitlinie zur Ausrichtung der technischen Prozesse in Bezug auf die Handhabung der Assets. Plant Asset Management wird damit zu einer Aufgabe, an deren Lösung in der klassischen Betriebs-Organisation viele zeitweilig bzw. zeitteilig involviert sind. „Oftmals fehlt jedoch“, so Gote, „der Treiber für eine komplette Umsetzung des Konzepts.“
Um diese strukturellen Schwierigkeiten zu überwinden, definieren bereits einzelne Organisationen das Asset Management als Kernaufgabe für einzelne Funktionsträger. Der ,Asset Manager‘ wird damit Realität im heutigen Produktionsbetrieb.
Stefan Ochs, Bayer Technology Services, erläuterte in seinem NAMUR-Vortrag ,Process Monitoring – ein Werkzeug für Plant Asset Management‘ die Aufgaben einer solchen Struktureinheit näher: Eine der Kernfunktionen des PAM insbesondere unter dem Blickwinkel der Automatisierungstechnik ist das Condition Monitoring, die Überwachung der Betriebsmittel (Assets) bzw. die Bereitstellung von Statusinformationen.
Damit wird auch klar, warum Softwareanbieter, etwa IBM, zunehmend mit dem Begriff des PAM operieren. Denn Plant Asset Management bedeutet nicht nur, dass große Datenmengen generiert, verwaltet und ausgewertet werden müssen. Es wird auch notwendig, diese nach völlig neuen Gesichtspunkten zu nutzen. Das wiederum erfordert veränderte EDV-Strukturen, etwa bei der Einbindung von Instandhaltungsplanungs-und Steuerungssystemen in die ERP des Unternehmens.
Es wird also noch viel über Plant Asset Management zu reden sein. Und vielleicht führt eine weitere Umfrage dann zu ganz anderen Ergebnissen?

Ingo Busch

Literatur zum Thema

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Instandhaltung und PAM
Die grundsätzlichen Informationen zum Plant Asset Management enthält die VDE/VDE-Richlinie 2651.
Einige Aspekte des Verhältnisses vom PAM und Instandhaltung sind im Sammelband ,Betriebliche Instandhaltung dargestellt.
Eine umfassende Darstellung des Asset Management in englischer Sprache bietet das Buch von Chris Lloyd.

VDI/VDE-Richtlinie 2651, Beuth-Verlag, Jens Reichel (Hrsg): Betriebliche Instandhaltung, Springer Verlag 2009, 354 S.  89,95 Euro, ISBN: 3642005012

Chris Lloyd (Hrsg) , Asset Management: Whole life management, Thomas Telford Publishing  2009 ISBN 0727736531