Fachkräfte sind auch in der Instandhaltung schwer zu finden - wie man sie findet und hält berichten zwei Expertinnen der Wisag

Fachkräfte sind auch in der Instandhaltung schwer zu finden - wie man sie findet und hält berichten zwei Expertinnen der Wisag. - Bild: Pixabay

Instandhaltung: Welche Fachkräfte im Bereich Instandhaltung sind besonders schwer zu bekommen?

Jenifer Bieck und Ingrid Altmann: "In der Instandhaltung gibt es ein breites Feld an Berufen, vom Industriemechaniker, Schlosser, Werkzeugmechaniker bis hin zum Elektriker. Mitarbeiter mit einem Techniker- oder Meisterabschluss sind im Vergleich für uns leichter zu gewinnen als die klassischen Mitarbeiter, die im Feld anpacken.

Besonders schwer ist es bei Elektrikern, aber auch bei Monteuren, die oft außerhalb der typischen Bürozeiten am Abend oder Wochenende und an wechselnden Orten im Einsatz sind: eben dann, wenn die Produktionsanlagen still stehen, oder dort, wo das jeweilige Projekt gerade stattfindet. Wir sind deutschlandweit tätig, und man kann sagen: Es ist überall schwer, Fachkräfte zu finden, speziell aber in Bayern und Baden-Württemberg."

Instandhaltung: Warum ist das so schwierig?

Bieck / Altmann: "Es ist schon so, dass kaufmännische Jobs gesellschaftlich immer noch mehr gelten als solche, bei denen man sich auch mal 'die Hände schmutzig macht'. Hinzu kommt, dass den jungen Menschen immer noch gesagt wird: Mach lieber Abi und ein Studium, anstatt einen handwerklichen Beruf zu erlernen!"

Ingrid Altmann
Ingrid Altmann - Bild: Wisag

Instandhaltung: Haben sich die Berufsbilder in der Instandhaltung verändert?  Und welche Skills oder Tools werden zunehmend wichtiger für Fachkräfte in diesem Umfeld?

Bieck / Altmann: "Insgesamt nimmt sicher die Komplexität der Anlagen zu, und es werden technisch höhere Anforderungen gestellt – da muss man up-to-date bleiben. Ganz wichtig ist nicht nur die aktuelle fachliche Qualifikation, sondern dass man flexibel und offen bleibt – aber das gilt ja praktisch für alle Berufe.

Dazu gehört die Bereitschaft in den Köpfen, sich weiterzuentwickeln und sich, gerade im digitalen Bereich, auch mal anzuhören, was die Jüngeren zu sagen haben – statt sich nur auf das Wissen aus der eigenen Ausbildung vor 20, 30 Jahren zu beziehen. Wir haben Experten, die sich mit Industrie 4.0 und Digitalisierung beschäftigen. Da kommen zum Beispiel Datenbrillen zum Einsatz, damit sich Mitarbeiter auf solche Tätigkeiten vorbereiten können, die nicht so oft gemacht werden oder die komplexer sind."

Instandhaltung: Wie wichtig ist der Bereich Aus- und Weiterbildung unter diesem Gesichtspunkt?

Bieck / Altmann: "Weiterbildung ist bei uns sehr individuell orientiert. Da schauen die Niederlassungen genau, welche Fachschulungen der einzelne Mitarbeiter genau für ein Projekt braucht, an dem er gerade arbeitet, beziehungsweise für den Kunden, für den er gerade tätig ist.

Wir haben den Anspruch, dass wir Führungskräfte aus den eigenen Reihen entwickeln, das heißt jeder hat bei uns die Chance zum beruflichen Aufstieg. In unserer Online-Akademie bekommt jeder Mitarbeiter Zugriff auf Zielschulungen mit Hilfe von E-Learning. Das wird durch Präsenz-Workshops und Seminare ergänzt, in denen vor allem interne Trainer Wisag-Wissen weitergeben."

Jenifer Bieck
Jenifer Bieck - Bild: Wisag

Instandhaltung: Welche Wege sind aus Ihrer Sicht besonders vielversprechend, um Fachkräfte für die Instandhaltung zu finden?

Bieck / Altmann: "Wir sind hier recht breit aufgestellt, nutzen einmal den klassischen Weg über Stellenanzeigen in Online-Jobportalen und besonders in ländlichen Regionen in Printmedien. Zum anderen eignen sich auch Jobmessen, auf denen wir uns als Arbeitgeber präsentieren und in Gesprächen auch schon einen ersten Eindruck von potenziellen Bewerbern bekommen, zum Beispiel bei Formaten wie dem Bewerber-Speed-Dating.

Zudem pflegen wir enge Kontakte zu den Arbeitsagenturen und IHKs. Wir sprechen aber auch potenziell geeignete Kandidaten auf sozialen Plattformen wie Xing oder LinkedIn an und konnten damit gute Erfolge erzielen. Bei Fachkräften wie Elektrikern fahren wir mehrgleisig, da eignet sich insbesondere die direkte Ansprache über soziale Medien.

Aber wir halten auch langfristigen Kontakt zu möglichen Kandidaten, auch wenn sie vielleicht gerade im Moment nicht wechseln wollen, um dann zum passenden Zeitpunkt auch in der Erinnerung präsent zu sein, Stichwort Talent Relationship Management."

Instandhaltung: Läuft man dann nicht in einem umkämpften Markt immer Gefahr, dass Leute abgeworben werden?

Bieck/ Altmann: "Es ist ein freier Markt – deshalb ist es unsere Aufgabe, das Arbeiten bei der Wisag so attraktiv zu gestalten, dass niemand weggehen möchte. Aus der Statistik ist bekannt, dass die häufigsten Wechselfaktoren die Lohnunzufriedenheit und das Verhältnis zum Vorgesetzten sind. Wir machen deshalb regelmäßige Mitarbeiterbefragungen, bei denen auch abgefragt wird, wie zufrieden man mit der Führung ist.

Da sind die einzelnen Niederlassungen angehalten, gegebenenfalls die Rahmenbedingungen zu verändern. Für unsere Führungskräfte bilden wir in einer 360-Grad-Sicht mittels eines Web-Feedback-Tools die Sichten von Vorgesetzten, Mitarbeitern, Kollegen und der jeweiligen Führungskraft selbst ab. Daraus leitet sich ab, wo vielleicht noch Coachings oder ein Training on the Job hilfreich sein können."

"Es ist überall schwer, Fachkräfte zu finden, speziell aber in Bayern und Baden-Württemberg."

Instandhaltung: Was tun Sie, um Nachwuchskräfte zu gewinnen?

Bieck / Altmann: "Wir bieten allgemeine Bewerbungstrainings in Schulen an und machen Schüler damit auch schon mal aufmerksam auf uns als Arbeitgeber, zum Beispiel für Ausbildungen und Praktika. In Berufs- und Technikschulen bieten wir Bewerbungstrainings mit dem Fokus auf den gewählten Beruf an – da wird natürlich auch an Wisag-Stellenprofilen geübt. Auf diesem Weg versuchen wir, junge Leute langfristig an uns zu binden, indem sie sich an ein gutes Seminar erinnern und indem wir den Kontakt halten.

Darüber hinaus haben wir ein Empfehlungsprogamm namens 'Mitarbeiter werben Mitarbeiter', nicht nur für Nachwuchskräfte. Es werden Prämien ausgeschüttet und zugleich ein Zeichen der Wertschätzung gesetzt, da wir Mitarbeiter in die Personalauswahl involvieren, wenn sie zum Beispiel jemanden aus ihrer Familie oder dem Freundeskreis empfehlen."

Ein Expertenbeitrag im Auftrag der maintenance Dortmund.

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