Wellenausrichtung im Zuge der Instandhaltung: Heute werden Laser und Tablet statt Fühlerlehre und Haarnadel eingesetzt.

Wellenausrichtung im Zuge der Instandhaltung: Heute werden Laser und Tablet statt Fühlerlehre und Haarnadel eingesetzt. - Bild. Prüftechnik

„Ein Kunde hat vor Kurzem eine Gelenkwelle ausgetauscht – und nach nur 2 Stunden fiel der Motor mit einem Lagerschaden aus, hervorgerufen durch eine starke Fehlausrichtung der Gelenkwelle“, berichtet Michael Stachelhaus, Vertriebsingenieur bei Prüftechnik von einem extremen Fall. „Gelenkwellen können nur einen gewissen Parallelversatz überbrücken, ihr Winkel muss sehr genau ausgerichtet werden“, erklärt er den Hintergrund des teuren Vorfalls. „Geschieht das nicht, können schnell hohe Kräfte entstehen, die sehr großen Schaden anrichten.“

Alle Faktoren müssen passen

Das erhöhte Risiko von Anlagen- und Produktionsausfällen ist aber nur ein Grund, weshalb sich Betreiber von Motoren und Getrieben um die regelmäßige Wartung und um die Wellenausrichtung von Motoren und Getrieben kümmern sollten

Moderne Ausrichtung alleine ist kein Garant für Schutz vor Anlagenausfall - auch alle anderen Faktoren wie Aufstellung oder Schmiermittelversorgung müssen passen.
Moderne Ausrichtung alleine ist kein Garant für Schutz vor Anlagenausfall - auch alle anderen Faktoren wie Aufstellung oder Schmiermittelversorgung müssen passen. - Bild: Prüftechnik

Denn auch einen schnelleren Verschleiß können falsch ausgerichtete Wellen verursachen – und damit Kosten. „Wenn einer der Faktoren – optimale Aufstellung, richtige Ausrichtung und ideale Versorgung mit Schmiermitteln – bei Maschinen nicht gegeben ist, kann es vorzeitig zu Schäden kommen“, bestätigt Stachelhaus und erklärt: „Bei einem Ausrichtfehler generiert die Maschine über die Kupplung Rückstellkräfte, die dann eins zu eins auf die Lagerung und die Gleitringdichtung gehen. Die Folgen: eine erhöhte Lagerbelastung, ein Anstieg der Lagertemperatur und ein vorzeitig alternder Schmierstoff, der in Folge eine Verhärtung des Schmierstoffes bewirkt und somit zu einem Trockenlauf des Lagers führt.“

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Cloudfähige Messlaser

Um das richtige Messverfahren zum Ausrichten von Wellen zu wählen, muss zunächst differenziert werden, ob gleitgelagerte oder wälzgelagerte Maschinen – die mit Pumpen, Ventilatoren und kleineren Getrieben das Gros im Markt ausmachen – geprüft werden sollen.

Große Anlagen wie Turbinen, Turboverdichter oder andere Sondermaschinen, die mit einer externen Ölversorgung arbeiten und bei denen die Welle leicht aufschwimmt, sind dagegen gleitgelagert und müssen über das Mehrpunkt- oder Passmessung ausgerichtet werden.

Prüftechnik setzt dabei auf moderne Lösungen, die die mechanische und aufwändige Methodik mit Haarnadel, Messuhr und Fühlerlehre hinter sich lassen. Die Prüftechnik-Messgeräte wie das „Rotalign Touch“ System mit cloudfähigem Laser-Wellenausrichtgerät zeichnen sich durch automatische Erfassung der Messwerte während der Wellendrehung, universelle Montagevorrichtungen und schnelle Lasterstrahljustierung mittels Bildschirm aus. Die horizontalen und vertikalen Kupplungsergebnisse werden automatisch berechnet, während die Korrekturwerte für die Füße grafisch in Echtzeit während des „Bewegens“ dargestellt werden.

WLAN, Touchdisplay, Tablets

„Prüftechnik ist Vorreiter bei der Instandhaltung 4.0 und der Digitalisierung der Messtechnik“, so Stachelhaus, der von steigenden Absätzen in diesem Bereich berichtet. WLAN-Technologie sei demnach einer der Trends, die immer stärker Einzug bei den Prüftechnik-Lösungen finden – aber auch von den Kunden nachgefragt würden.

Direkte Anbindung bei der Wellenausriuchtung birgt diverse Vorteile.
Direkte Anbindung bei der Wellenausriuchtung birgt diverse Vorteile. - Bild: Prüftechnik

„Ein Servicetechniker kann damit über die Cloud seine vor Ort erfassten und gespeicherten Messergebnisse hochladen und in Echtzeit direkt ins Stammhaus senden, umgekehrt kann er auf dem gleichen Weg auch direkt vom PC neue Arbeitsaufträge mit allen notwendigen Einstelldaten direkt auf sein Messgerät erhalten, weltweit, wo immer er sich gerade befindet.“

Vor allem die neuen Systeme mit Touchdisplay, die bei Prüftechnik die Folientastatur abgelöst haben, stoßen auf großes Interesse bei den Kunden. „Tabletfähige Geräte sind ein weiterer Trend, dem wir uns nicht verschließen können“, ergänzt Stachelhaus. „Diese Anforderung haben wir bereits bei einigen unserer Systeme umgesetzt – das werden wir auch weiterhin beobachten.“

Der Vertriebsingenieur, der davon berichtet, dass trotz steigender Nachfrage von den kleinsten Instandsetzungsfirmen bis hin zu großen Turbinenherstellern noch viele Unternehmen konventionell arbeiten und freut sich über die Aha-Effekte, wenn solche Firmen die modernen Laser-Messmethoden zum ersten Mal kennenlernen: Denn die Messung geht damit einfacher, genauer und sie ist wiederholbar.

„Musste früher ein Anwender mit jahrelanger Erfahrung wissen, wie er eine Messuhr bedient, wie er die Korrekturwerte für die Maschinenfüße berechnen kann, muss ich beim Messlaser lediglich die Maschinenabmessungen eingeben. Die notwendigen Maschinekorrekturen unter Berücksichtigung evtl. Vorgaben, berechnet das Messsystem dann vollautomatisch“, so Stachelhaus.

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Inspirierender Publikumsmagnet

Der Einsatz von modernen Messlasern ist die Voraussetzung für den nächsten Schritt auf dem Weg zur Instandhaltung 4.0, bei der dank vorausschauender Wartung Schäden und Verschleiß schon vor ihrem Eintreten erkannt werden können.

„Mit unserer neuen Software können wir bereits heute trendbasierte Ausrichtergebnisse darstellen und aufzeigen, welche Aggregate problematisch sind“, berichtet Stachelhaus. „Gerade auf Messen erreichen uns mittlerweile auch häufiger Fragen zu diesen Lösungen rund um Digitalisierung, Datenverarbeitung, Cloud-Lösungen und Schnittstellen.“

Die „Easyfairs Maintenance“ ist dabei mittlerweile die beliebteste Messe von Prüftechnik: „Die Veranstaltung hat sich zum echten Publikumsmagneten entwickelt, zu der überwiegend Fachleute und Interessierte kommen, die wirklich etwas bewegen wollen“, begründet Stachelhaus. „Auf der Easyfairs Maintenance kommen jedes Mal viele Kontakte und im Nachhinein auch viele Verkäufe zustande.“

Gleichzeitig ist die Messe auch eine ideale Plattform für Prüftechnik, um seine neuesten Entwicklungen zu präsentieren. „Grundsätzlich werden die Messgeräte vielseitiger und komplexer – wobei wir den Spagat schaffen müssen, dass die Geräte trotz steigender Komplexität gleichzeitig benutzerfreundlich bleiben“, beschreibt Stachelhaus die Herausforderung für den Dienstleister, auch mit seinen künftigen Lösungen auf einer Wellenlänge mit seinen Kunden zu bleiben.

Ein Expertenbeitrag im Auftrag der maintenance Dortmund.

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