Die Mitarbeiterqualifikation in der Instandhaltung in Zeiten von Industrie 4.0 wird essentiell.

Die Mitarbeiterqualifikation in der Instandhaltung in Zeiten von Industrie 4.0 wird essentiell. - Bild: Pixabay

Industrie 4.0 beschreibt die weitreichende Integration von Informations- und Kommunikationstechnologien im industriellen Umfeld. Damit verbundene Entwicklungen, vor allem in den Bereichen IT-Systeme und Datenanalysen, stellen wiederum neue Anforderungen an das Qualifikationsprofil des modernen Instandhalters. Innovative, oftmals digitale Technologien versprechen in vielen Anwendungsfällen, Instandhaltungsprozesse transparenter und effizienter zu gestalten bzw. den Technikern den Arbeitsalltag zu erleichtern.

Arbeitsbezogenes Lernen in der Instandhaltung
Arbeitsbezogenes Lernen in der Instandhaltung. - Grafik: FIR

Im Zuge dieser Entwicklung müssen Unternehmen ihre Angebote zur internen Weiterbildung dementsprechend umstrukturieren und ausbauen. Zusätzlich bietet der steigende Anteil digitaler Einflüsse der Instandhaltung die Chance, die Attraktivität des Berufsfeldes des Instandhalters nachhaltig zu steigern, nachdem die Branche schon seit längerer Zeit mit Image- und auch dadurch bedingten Nachwuchsproblemen bei Fachkräften zu kämpfen hat.

Dem steht in vielen Unternehmen allerdings mangelndes (Erfahrungs-)Wissen im Umgang mit den entsprechenden Technologien gegenüber. Wie aus einer Umfrage zum Branchenindikator Instandhaltung des FIR an der RWTH Aachen und dem FVI (Forum Vision Instandhaltung) hervorgeht, schätzen vor allem die innerbetrieblichen Instandhalter die Qualifikation ihrer Instandhaltungsmitarbeiter hinsichtlich den Herausforderungen von Industrie 4.0 größtenteils als befriedigend bis mangelhaft ein.

Einschätzung der durchschnittlichen Mitarbeiterqualifikation hinsichtlich der Herausforderungen von Industrie 4.0
Einschätzung der durchschnittlichen Mitarbeiterqualifikation hinsichtlich der Herausforderungen von Industrie 4.0. - Grafik: FIR

Eine Studie des FIR an der RWTH Aachen zum Thema Smart Maintenance konnten jedoch auch zeigen, dass erfolgreiche Instandhaltungsorganisationen dieses Problem bereits erkannt haben und die Schwerpunkte ihrer Weiterbildungen vermehrt auf die Vermittlung von IT-Kenntnissen und den Umgang mit Verfahren der Datenanalyse legen.

Die Veränderung des Qualifikationsprofils kann in Zukunft außerdem eine tragende Rolle bei der Schaffung eines attraktiven Berufsfeldes für junges, qualifiziertes Personal bilden. Das zunehmend interdisziplinäre Aufgabenfeld vereint klassische Technik (Mechanik, Elektrik, Hydraulik etc.) mit digitalen, innovativen Technologien (AR-Brillen, Datenanalyse-Tools etc.) und bildet so einen Kontrast zu dem aktuell häufig als "schmutzig" und einseitig wahrgenommen Berufsfeld.

Der zunehmende Einfluss digitaler Technologien spiegelt sich auch in Erfahrungen des Weiterbildungsangebots des FIR an der RWTH Aachen wider. So wurde z. B. der Zertifikatskurs "Chief Maintenance Manager" bereits vor einem Jahr um das Modul "Data-Analytics in der Instandhaltung" ergänzt und dieses vermehrt auch durch junge Nachwuchskräfte im Kurs sehr gut aufgenommen. Neben den neuen Lerninhalten, die es in Zukunft abzudecken gilt, müssen Unternehmen außerdem die abnehmende Halbwertszeit des neuen Wissens berücksichtigen.

Es wird hier davon ausgegangen, dass heutiges Wissen ohne Weiterbildungsmaßnahmen nicht einmal mehr für zehn Jahre im Beruf ausreicht. Infolgedessen gewinnt selbstgesteuertes praxisorientiertes Lernen immer mehr an Bedeutung, wobei der kontinuierliche Lernprozess im Rahmen der Arbeitstätigkeit im Vordergrund steht.

Noch mehr über diese und weitere topaktuelle Trends und Erkenntnisse der Branche erfahren Sie am 12 und 13. Februar auf der maintenance 2020 in Dortmund, der Leitmesse für industrielle Instandhaltung.

Auch im Hinblick auf die Herausforderungen des demografischen Wandels und den zunehmenden Anteil an Bestandanlagen spielt die Qualifikation von Instandhaltungsmitarbeitern eine nicht zu unterschätzende Rolle. Neue Formen des Lernens bieten vielversprechende Ansätze aggregiertes, auch in Schulungen erworbenes Wissen für die Mitarbeiter verfügbar zu machen und so einen unternehmensinternen, generationenübergreifenden Transfer spezifisch angesammelten Wissens zu begünstigen.

Neben den neuen Lerninhalten aus Industrie 4.0 dürfen die Kernkompetenzen der Instandhaltung nicht vernachlässigt werden. Aus einer Studie des FIR an der RWTH Aachen geht hervor, dass vor allem in erfolgreichen Instandhaltungsorganisationen eine komplementäre Beziehung zwischen neuen digitalen und klassischen Weiterbildungsschwerpunkten vorliegt.

Auch interessant: So steht es um das Wissensmanagement in der Instandhaltung

Im Sinne einer Smart Maintenance müssen Instandhaltungsorganisationen zusätzlich strategische Maßnahmen ergreifen, um ihre internen Kompetenzen nachhaltig zu sichern. Hierzu zählt vor allem der Aufbau eines umfassenden Wissensmanagements, welches spätestens bei der Anlagenbeschaffung beginnt, um so Wissen und Erfahrungen zu Assets und Instandhaltungsprozessen über den gesamten Anlagenlebenszyklus aggregiert.

Weiterbildungsschwerpunkte in der Instandhaltung in den letzten drei Jahren.
Weiterbildungsschwerpunkte in der Instandhaltung in den letzten drei Jahren. - Grafik: FIR

Chancen und Herausforderungen des neuen Qualifikationsprofils in der Instandhaltung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass neue digitale Technologien und die damit verbundenen neuen Lerninhalte und -formen viele Unternehmen aktuell noch vor Herausforderungen hinsichtlich ihrer Integration stellen, allerdings auch große Potentiale unter anderem für die Schaffung eines attraktiveren Berufsbildes bergen.

Einer der Interviewpartner der Successful-Practice-Unternehmen im Rahmen des "FIR Smart Maintenance Days" erklärt, er gehe davon aus, dass sich Data Science in Zukunft als neues Berufsbild in der Instandhaltung etablieren werde, um so die Durchführung datengetriebener Services bzw. Instandhaltungsleistungen zu ermöglichen.

Die sich daraus ergebenden Veränderungen des Qualifikationsprofils und Weiterbildungsangebote ermöglichen es, produzierenden Unternehmen eine neue Bandbreite an Fachkräften zu erreichen und anzuziehen. Gleichzeitig wird durch die steigende Leistungsfähigkeit der Instandhaltung die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Unternehmens erhöht und die Instandhaltung mehr denn je zum essentiellen Wertschöpfungspartner.

Ein Expertenbeitrag im Auftrag der maintenance Dortmund.

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