Mitarbeiter mit Schutzhelm und Grafik Digitalisierung

Die Mitarbeiterqualifikation in der Instandhaltung in Zeiten von Industrie 4.0 wird essentiell. Bild: pixabay, frei

| von Frederik Scholing und Frederick Birtel, FIR an der RWTH Aachen
Aktualisiert am: 14. Jul. 2020

Die Arbeitswelt verändert sich, und eigentlich sollen die neuen Methoden der Digitalisierung allen Seiten die Arbeit erleichtern. Hinter dem Schlagwort Industrie 4.0 verbirgt sich die weitreichende Integration von Informations- und Kommunikationstechnologien im industriellen Umfeld. Sattelfest in IT-Systemen und bewandert in der Datenanalyse, das ist das erweiterte Qualifikationsprofil des modernen Instandhalters.

Natürlich: Innovative digitale Technologien wie Smart Maintenance versprechen in vielen Anwendungsfällen, Instandhaltungsprozesse transparenter und effizienter zu gestalten beziehungsweise den Technikern Arbeit abzunehmen. Allerdings: die passenden Fachkräfte, also IT-Spezialisten, die gleichzeitig gute Instandhalter sind, wachsen nicht auf den Bäumen.

Das Berufsfeld des Instandhalters wieder attraktiv machen

Arbeitsbezogenes Lernen in der Instandhaltung
Arbeitsbezogenes Lernen in der Instandhaltung. - Grafik: FIR

Im Gegenteil: Manchem gilt der Beruf des Instandhalters als verstaubt und nicht zukunftsträchtig, was den Fachkräftemangel durch Nachwuchsprobleme verschärft. Deshalb müssen Unternehmen ihre Angebote zur internen Weiterbildung entsprechend umstrukturieren und ausbauen. Damit machen sie nicht nur die vorhandenen Mitarbeiter fit für die Zukunft, zusätzlich bietet der steigende Anteil digitaler Einflüsse der Instandhaltung die Chance, die Attraktivität des Berufsfeldes des Instandhalters nachhaltig zu steigern.

Dem steht in vielen Unternehmen allerdings mangelndes (Erfahrungs-)Wissen im Umgang mit den entsprechenden Technologien gegenüber. Wie aus einer Umfrage zum Branchenindikator Instandhaltung des FIR an der RWTH Aachen und dem FVI (Forum Vision Instandhaltung) hervorgeht, schätzen vor allem die innerbetrieblichen Instandhalter die Qualifikation ihrer Instandhaltungsmitarbeiter hinsichtlich den Herausforderungen von Industrie 4.0 größtenteils als befriedigend bis mangelhaft ein.

Einschätzung der durchschnittlichen Mitarbeiterqualifikation hinsichtlich der Herausforderungen von Industrie 4.0
Einschätzung der durchschnittlichen Mitarbeiterqualifikation hinsichtlich der Herausforderungen von Industrie 4.0. - Grafik: FIR

Eine Studie des FIR an der RWTH Aachen zum Thema Smart Maintenance konnten jedoch auch zeigen, dass erfolgreiche Instandhaltungsorganisationen dieses Problem bereits erkannt haben und die Schwerpunkte ihrer Weiterbildungen vermehrt auf die Vermittlung von IT-Kenntnissen und den Umgang mit Verfahren der Datenanalyse legen.

Die Veränderung des Qualifikationsprofils kann in Zukunft außerdem eine tragende Rolle bei der Schaffung eines attraktiven Berufsfeldes für junges, qualifiziertes Personal bilden. Das zunehmend interdisziplinäre Aufgabenfeld vereint klassische Technik (Mechanik, Elektrik, Hydraulik etc.) mit digitalen, innovativen Technologien (AR-Brillen, Datenanalyse-Tools etc.) und bildet so einen Kontrast zu dem aktuell häufig als "schmutzig" und einseitig wahrgenommen Berufsfeld.

Der zunehmende Einfluss digitaler Technologien spiegelt sich auch in Erfahrungen des Weiterbildungsangebots des FIR an der RWTH Aachen wider. So wurde etwa der Zertifikatskurs "Chief Maintenance Manager" bereits vor einem Jahr um das Modul "Data-Analytics in der Instandhaltung" ergänzt und dieses vermehrt auch durch junge Nachwuchskräfte im Kurs sehr gut aufgenommen.

Neues Wissen immer aktuell halten

Neben den neuen Lerninhalten, die es in Zukunft abzudecken gilt, müssen Unternehmen außerdem die abnehmende Halbwertszeit des neuen Wissens berücksichtigen: Man kann davon ausgehen, dass heutiges Wissen ohne Weiterbildungsmaßnahmen nicht einmal mehr für zehn Jahre im Beruf ausreicht. Infolgedessen gewinnt selbstgesteuertes praxisorientiertes Lernen immer mehr an Bedeutung, wobei der kontinuierliche Lernprozess im Rahmen der Arbeitstätigkeit im Vordergrund steht.

Bewährte Methoden bleiben in der Instandhaltung weiter relevant

Auch im Hinblick auf die Herausforderungen des demografischen Wandels und den zunehmenden Anteil an Bestandanlagen spielt die Qualifikation von Instandhaltungsmitarbeitern eine nicht zu unterschätzende Rolle. Neue Formen des Lernens bieten vielversprechende Ansätze aggregiertes, auch in Schulungen erworbenes Wissen für die Mitarbeiter verfügbar zu machen und so einen unternehmensinternen, generationenübergreifenden Transfer spezifisch angesammelten Wissens zu begünstigen.

Neben den neuen Lerninhalten aus Industrie 4.0 dürfen die Kernkompetenzen der Instandhaltung nicht vernachlässigt werden. Aus einer Studie des FIR an der RWTH Aachen geht hervor, dass vor allem in erfolgreichen Instandhaltungsorganisationen eine komplementäre Beziehung zwischen neuen digitalen und klassischen Weiterbildungsschwerpunkten vorliegt.

Auch interessant: So steht es um das Wissensmanagement in der Instandhaltung

Im Sinne einer Smart Maintenance müssen Instandhaltungsorganisationen zusätzlich strategische Maßnahmen ergreifen, um ihre internen Kompetenzen nachhaltig zu sichern. Hierzu zählt vor allem der Aufbau eines umfassenden Wissensmanagements, welches spätestens bei der Anlagenbeschaffung beginnt, um so Wissen und Erfahrungen zu Assets und Instandhaltungsprozessen über den gesamten Anlagenlebenszyklus aggregiert.

Weiterbildungsschwerpunkte in der Instandhaltung in den letzten drei Jahren.
Weiterbildungsschwerpunkte in der Instandhaltung in den letzten drei Jahren. - Grafik: FIR

Chancen und Herausforderungen des neuen Qualifikationsprofils in der Instandhaltung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass neue digitale Technologien und die damit verbundenen neuen Lerninhalte und -formen viele Unternehmen aktuell noch vor Herausforderungen hinsichtlich ihrer Integration stellen, allerdings auch große Potentiale unter anderem für die Schaffung eines attraktiveren Berufsbildes bergen.

Einer der Interviewpartner der Successful-Practice-Unternehmen im Rahmen des "FIR Smart Maintenance Days" erklärt, er gehe davon aus, dass sich Data Science in Zukunft als neues Berufsbild in der Instandhaltung etablieren werde, um so die Durchführung datengetriebener Services beziehungsweise Instandhaltungsleistungen zu ermöglichen.

Die sich daraus ergebenden Veränderungen des Qualifikationsprofils und Weiterbildungsangebote ermöglichen es, produzierenden Unternehmen eine neue Bandbreite an Fachkräften zu erreichen und anzuziehen. Gleichzeitig wird durch die steigende Leistungsfähigkeit der Instandhaltung die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Unternehmens erhöht und die Instandhaltung mehr denn je zum essentiellen Wertschöpfungspartner.

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