Fluggastbrücken des Köln/Bonner Flughafens

Über die 18 Fluggastbrücken des Köln/Bonner Flughafens laufen pro Jahr knapp zehn Millionen Fluggäste. Bilder: igus

Fluggastbrücken des Köln/Bonner Flughafens

Über die 18 Fluggastbrücken des Köln/Bonner Flughafens laufen pro Jahr knapp zehn Millionen Fluggäste. Bilder: igus

Über die insgesamt 18 Fluggastbrücken aller Terminals des Flughafens Köln/Bonn laufen pro Jahr knapp zehn Millionen Fluggäste. Die Brücken sorgen dafür, dass ihnen der Weg zwischen Flughafengebäude und Flugzeug so unkompliziert wie möglich gemacht wird. Nach Abschalten der Triebwerke übernimmt die Brücke zudem die Versorgung der Bordelektronik des parkenden Flugzeugs. Die Brücke „dockt“ an den Flieger an, sobald dieser seine Parkposition erreicht hat. Sie besteht aus einem stehenden und einem fahrenden bzw. teleskopierbaren Teil. Der bewegliche Brückenkopf ist darüber hinaus in der Höhe verstellbar, um präzise an die Flugzeugtür zu gelangen. Sämtliche Bewegungen erfolgen dabei hydraulisch, die Steuerung und Signalführung über Elektroleitungen. Um diese sicher und geschützt über alle Bewegungen zu führen und die Funktionsfähigkeit der Brücken für die nächsten Jahre am Flughafen Köln/Bonn sicherzustellen, wurde die Energieführung der acht Brücken des neuen Terminals 2 modernisiert und Energieketten, Führungsrinnen und Leitungsbelegung durch den igus Montageservice vor Ort installiert.

Detlef Stäbler, Leiter der Abteilung Fördertechnik am Flughafen Köln/Bonn, erklärt, warum neben der Auslegung und Lieferung der Energieketten-Lösung auch zu großen Teilen der Umbau an den igus Montageservice übergeben wurde: „Zum einen haben wir nicht die Kapazitäten, um solche umfassenden Arbeiten durchzuführen, zum anderen ist es für die Funktionssicherheit und Lebensdauer des Systems wichtig, dass gerade bei der Leitungsverlegung, spezialisiertes, auf Energieketten geschultes Personal, eingesetzt wird.“

Während der gesamten Umbauzeit fand eine enge Zusammenarbeit zwischen igus und dem Stördienst der Abteilung Fördertechnik am Flughafen Köln/Bonn statt, etwa bei der Weiterführung der Leitungsbelegung. „Die Zusammenarbeit hat super geklappt, unsere Kompetenzen haben sich sehr gut ergänzt“, so Detlef Stäbler. Der Störungsdienst der Fördertechnik am Flughafen Köln/Bonn ist mit 33 Mitarbeitern für rund 3.500 Anlagen verantwortlich. Dazu zählen Rolltreppen, Aufzüge, Laufbänder und eben auch Fluggastbrücken. Pro Tag ist der Störungsdienst etwa 100 Kilometer auf dem Flughafengelände unterwegs – und das mit maximal 20 km/h.

 

Die Aufgabe: Komplette Modernisierung

Die Fluggastbrücken in Köln wurden 1999 durch einen schwedischen Hersteller erstausgerüstet. Schon damals wurden Energieketten von igus für die bewegte Leitungsführung eingesetzt, die bis dato auch störungsfrei gelaufen sind. Dennoch ließ die Anordnung der damals noch vier Ketten pro System, aufgrund der im Brückengehäuse sehr beengten Einbauverhältnisse, noch Potenzial für Optimierungen offen. Auch ist die Energieführung für eventuelle Störungen oder Sichtprüfungen nicht zugänglich gewesen, da sie komplett unter der Außenhaut der Brücke verschwand.

igus innovativ

Neue „Kunststoffe für Bewegung“

Durch kontinuierliche Investitionen in die Produktentwicklung sowie die Erweiterung des weltweiten Vertriebsnetzes und den Ausbau von Produktion und Logistik hat igus auch 2014 zahlreiche neue Kunden gewinnen können. Der Umsatz von igus stieg um 10 Prozent auf 469 Millionen Euro.
Im Bereich der Kunststoffe für Bewegung – den „motion plastics“ – hat igus im vergangenen Jahr über 150 Produktneuheiten präsentiert. Mit dem ersten Tribo-Filament für den 3D-Druck bis hin zum e-rover für die automatische Ankopplung von Energieketten an Hafenkräne hat igus gezeigt, welches Potenzial in Hochleistungskunststoffen für bewegte Anwendungen steckt.
„Wir spüren, dass unsere Innovationen der letzten Jahre nachgefragt werden“, so Frank Blase, geschäftsführender Gesellschafter der igus GmbH.

Die Aufgabe der igus-Projekteure bestand also darin, die Auswahl und Anordnung der e-ketten sowie die Zugänglichkeit für Wartungszwecke zu optimieren. Dabei wurden nicht nur die Energieketten und die Leitungsbelegung überarbeitet – auch die Stahlunterkonstruktion der Brücke wurde gleich mit angepasst und optimiert. „Nach der Beratung und technischen Unterstützung durch igus haben wir uns für die Komplettlösung inklusive der Montage vor Ort entschieden“, so Stäbler, „alle anderen Optionen konnten wir sehr bald als nicht wirtschaftlich verwerfen.“

Als „Prototyp“ sollte die Fluggastbrücke D08 dienen. „Da ein solcher Umbau auch für uns nicht zum Tagesgeschäft gehört, haben wir uns mit dem Kunden darauf geeinigt, zunächst eine der Brücken umzubauen. So konnte zum einen der Umfang genauer einschätzt werden, zum anderen hatte auch der Flughafen die Gelegenheit eines Testlaufes mit dem überarbeiteten Energieführungs-System“, so Lazaros Mpozardenis, Gebietsleiter Vertrieb West e-kettensysteme bei der igus GmbH.

Da das Flugvorfeld, auf dem sich die Fluggastbrücken befinden, zum Hochsicherheitsbereich des Flughafens gehört, wurden auch besondere Anforderungen an den igus Montageservice und dessen Montagepersonal gestellt. Aufgrund der

igus Team

Partner (v.li.): Andreas Wolf, Geschäftsbereichsleiter Montagedienstleistungen igus GmbH, Detlev Stäbler, Leiter der Abteilung Fördertechnik am Flughafen Köln/Bonn, Lazaros Mpozardenis, Gebietsleiter Vertrieb West e-kettensysteme bei der igus GmbH.

vorgeschriebenen Personen-/Sicherheitsüberprüfungen und besonderer Schulungen, die bis zum Umbautermin alle abgeleistet werden mussten, wurde mit der Montageplanung schon früh im Vorfeld gestartet.

Das neue Energieführungssystem der umgebauten Brücke umfasst nun zwei gegenläufige (sich gegenüberstehende), um 90° gedrehte E4/4-Ketten, die jetzt eine ausreichende Aufnahmekapazität haben, um die Leitungsbelegung sauber aufzuteilen und zu führen. Außerdem kommt am Brückenkopf eine E2-Zick-Zack-Kette für die Vertikalverstellung zum Einsatz. Alle Energieketten sind ausgerüstet mit wind- und wetterfesten chainflex TPE-Spezialleitungen für Energieketten sowie mit einer nun gut geschützten 400 Hz-Spezialleitung für den Bordstrom des Flugzeugs.

Umbau von sieben weiteren Brücken in einem Auftrag

Nachdem der Prototyp „Brücke D08“ umgebaut und einige Wochen im Testbetrieb lief, kam schon bald die Entscheidung des Flughafens, auch die übrigen sieben Brücken zu modernisieren. Da sich das technische Konzept bereits bewährt hatte und die System-Komponenten für sieben weitere Anlagen bei igus in der nahegelegenen Fabrik in Köln Porz-Lind ab Lager verfügbar waren, lag die besondere Herausforderung nun erneut in der Montageplanung. Diese musste sich möglichst flexibel an das Reiseaufkommen des Flughafens anpassen, da beispielsweise zur Haupturlaubszeit in den Sommermonaten keine der Brücken fehlen durfte. „Hier hat sich igus und sein Montageservice nochmals als sehr flexibler Partner erwiesen“, so Stäbler „wofür wir sehr dankbar sind.“

Auch sind die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen erwartungsgemäß sehr hoch, wodurch Arbeits- und Logistikprozesse schon einmal aufgehalten werden können. „Hier müssen wir uns auch für die kundenseitige Unterstützung und Zusammenarbeit herzlich bedanken. Diese hat wirklich sehr gut funktioniert und die Flughafengesellschaft hat uns das Arbeiten dadurch erheblich erleichtert“, so Mpozardenis von igus. „Wir durften mit unserem Montagefahrzeug dank einer Sondergenehmigung bis an die Brücken heranfahren, was nicht selbstverständlich ist.“

igus Energieketten

Zwei gegenläufig angeordnete Energieketten der Serie E4/4 versorgen nunmehr die horizontale Teleskopverstellung der Fluggastbrücke.

So wurde, abhängig vom Reiseaufkommen, flexibel eine Brücke nach der anderen kurzfristig aus dem Betrieb genommen und während eines Zeitfensters von jeweils etwa zwei Wochen umgebaut. Die komplette Umbauzeit aller Brücken erstreckte sich über etwa 1,5 Jahre. Während dieser gesamten Zeit klappte die gemeinsame Absprache und Koordination zwischen der Fördertechnik des Flughafen Köln/Bonn und igus hervorragend und die Zusammenarbeit aller Beteiligten konnte erfolgreich abgeschlossen werden.

Nach dem Umbau ist das komplette System nun zugänglicher. Die Gesamtkonstruktion wurde vereinfacht, was die Fluggastbrücken wartungsfreundlicher macht. Für die Fluggastbrücken wird nun eine Standzeit von 25 bis 30 Jahren erwartet. „Mit einem lokalen Partner die Wirtschaft der Region zu stärken, ist natürlich klasse“, so Detlev Stäbler. „Wenn man dann noch einen Global Player wie igus vor der Haustür hat, ist das natürlich umso besser“. Für Stäbler steht fest: „Falls wir für eine andere Anwendung wieder Energiekettensysteme benötigen, werden wir uns ganz klar wieder für igus entscheiden. Nicht nur wegen der Produkte selber, auch hat sich igus als ein Unternehmen in der Nähe des Flughafens erwiesen, das sich als Partner bereit erklärt, gemeinsam schnell und gut ans Ziel zu kommen.“
Andreas Wolf

Kontakt: igus GmbH
Tel.: 02203 96490
www.igus.de