Das Werk der Enkel

Das Prager ,Cafe Imperial’ erstrahlt wieder im alten Glanz Zwei Jahre hatten die aufwändigen Sanierungsarbeiten an dem historischen Gebäude gedauert Jetzt präsentiert sich das Kleinod historischer Fliesenkunst aus dem späten Jugendstil mit seinen einzigartigen keramischen Wand- und Deckenverkleidungen, den Säulen und Reliefs in originalgetreuer Pracht
38-2-1Das Prager ,Cafe Imperial’ erstrahlt wieder im alten Glanz. Zwei Jahre hatten die aufwändigen Sanierungsarbeiten an dem historischen Gebäude gedauert. Jetzt präsentiert sich das Kleinod historischer Fliesenkunst aus dem späten Jugendstil mit seinen einzigartigen keramischen Wand- und Deckenverkleidungen, den Säulen und Reliefs in originalgetreuer Pracht.

38-1Auch die tschechische Fliesenmarke RAKO der Gesellschaft Lasselsberger – Nachfolgerin der Rakovniker Fürstenfabrik des Lichtensteinhauses, die im Jahre 1914 mit den ursprünglichen Arbeiten betraut war – beteiligte sich an der aufwändigen Rekon-struktionen. Unter der strengen fachlichen Aufsicht von Denkmalpflegern erhielten das Café und sein Hotelbereich, die Zen-tralhalle, das Treppenhaus und die ehemalige Weinstube im Untergeschoss, jetzt ein Fitness-Bereich, ihr einzigartiges Ambiente zurück. Der Aufwand war beträchtlich: Fehlende Fliesen mussten ersetzt, Repliken in mühevoller Handarbeit neu erstellt und unversehrte Keramiken behutsam gereinigt werden. Hinzu kam eine arbeitsintensive Sanierung der Fugen.

38-3Mit Erstaunen konnten dabei alle Beteiligten die beeindruckende Farbigkeit der historischen Fliesen wiederentdecken. Erste Untersuchungen hatten gezeigt, dass die vorhandenen Keramikverkleidungen von einer Teerschicht überzogen waren und sich dadurch die ursprüngliche Farbskala der Majolika völlig verändert hatte. Aber damit nicht genug: Mit großer Wahrscheinlichkeit waren es Filmemacher gewesen, die ganze Flächen während Dreharbeiten mit nur sehr schwierig zu beseitigenden Farben überspritzt hatten.

Ein „unglaublich überraschendes Ergebnis” brachte die Reinigung der Flächen deshalb auch für den leitenden Restaurator Vojtech Parík zu Tage: „Die freigelegten ursprünglichen Glasuren sorgen dafür, dass das ganze Café aufleuchtet.” Parík: „Die vorherrschenden Ockerfarben machen deutlich, dass die Gestalter von damals eine farbliche Verbindung zwischen Eichenholz- und Keramikverkleidung herstellen wollten.”
Auch die hellblauen Untergrundfüllungen der Lünetten wurden sehr bewusst gewählt: Sie sind für eine optische Vergrößerung der Fenster zuständig. Die Dominanz der Farbe Weiß verleiht dem Raum darüber hinaus eine Atmosphäre von Leichtigkeit und Entspannung.

Originalgetreu fielen die verschiedenen Rekonstruktionen auch dank der Nutzung alter Fotografien aus, die das Rakovniker Fliesenwerk der Lasselsberger AG aufbewahrt hatte. So konnten selbst die Kronleuchter detailgetreu im alten Stil aus Glas und Messing nachgebildet werden. Und auf diese Weise wurde dann auch gleichzeitig sichergestellt, dass die ganze Schönheit der frisch restaurierten Mosaikdecken überaus stilvoll und ganz im ursprünglichen Sinne ins Licht gesetzt ist.

Die Decke der ehemaligen Weinstube im Untergeschoss des Hauses wurde von Lasselsberger zur Hälfte mit speziellen, mit geringem Fugenanteil auskommenden Mosaiken ausgestattet. Unauffällig und harmonisch fügen sie sich in das Bild ihrer über 90-jährigen Vorbilder ein. Überall dort, wo an den Wänden der Weinstube die Originalverkleidung fehlte, sorgen ebenfalls neue, vom Original nicht zu unterscheidende Fliesen aus der Rakovniker Keramikwerkstatt für perfekten Ersatz.

„Mit der Firma RAKO konnten wir den Urheber des ursprünglichen Werkes für eine Zusammenarbeit gewinnen und sind deshalb davon überzeugt, dass es sich bei den umfangreichen Ergänzungen des Ensembles nicht um Kopien, sondern erneut um Originale desselben Herstellers handelt”, so der leitende Restaurator und akademische Bildhauer Vojtech Parík: „RAKO existiert auch heute noch, fast 125 Jahre nach seiner Gründung, und gehört sozusagen zum ‚Tafelsilber’ der tschechischen Industrie.” Im gemeinsamen Werk von Künstlern und Technikern sieht der Experte eine Bestätigung dafür, dass ein derart bedeutendes Projekt auch heute, genauso wie vor 90 Jahren, mit Einsatz und Verantwortungsgefühl für die folgenden Generationen umgesetzt wird.
Eine der anspruchsvollsten architektonischen Aufgaben während der Restaurierung des ,Café Imperial’ in Prag bestand darin, die Tragfähigkeit der Decken zu erhöhen und gleichzeitig die historischen, 90 Jahre alten Deckenmosaike zu erhalten beziehungsweise zu rekonstruieren.

Das damit beauftragte Unternehmen Metrostav nutzte zur Verstärkung der Deckentragfähigkeit eine eigens entwickelte Spezialtechnik, weil es mit Rücksicht auf das Originalmosaik nicht möglich war, die klassische Deckenunterstützung anzuwenden. Während der Arbeiten mussten sowohl nach Deckenentlastung negative als auch nach erneuter Belastung positive Deckendurchbiegungen minimiert werden. Als Deckenstütze dienten Gerüste, die eine ganzflächige vertikale Arretierung ermöglichten. Alle Übertragungsschwellen, die im Kontakt mit dem Mosaik standen, erhielten als Unterlage Streifen aus gehärtetem Polystyrol gelegt, weil dieses Material ein so genanntes Formgedächtnis besitzt. Da es sich ausschließlich um Streifen handelte, war die durchgehende visuelle Kontrolle des Mosaikzustandes gewährleistet.

Nach behutsamer Entfernung der oberen Platte wurden unter Verwendung von oben auf die Mosaikplatte geklebten Kohlelamellen Aufhängungen geklebt und in die neue Deckenplatte eingezogen. Die Verstärkung der Deckenrippen erfolgte in ähnlicher Weise wie die der Typengeschosse. Zugang zu den Räumen über dem Mosaik war nur speziell geschulten Mitarbeitern, erkennbar an der speziellen Farbe ihrer Westen, erlaubt, denn im Obergeschoß war teilweise nicht erkennbar, dass der Fußboden an einigen Stellen nur wenige Zentimeter dick und nicht tragfähig war.

Mit Hilfe dieser erstmals genutzten Sanierungstechnik konnte die tschechische Firma Metrostav ganz erheblich zur Rettung des einzigartigen keramischen Interieurs des Hotel Imperial beigetragen.

RAKO Wohnkeramik,
Produzent: Lasselsberger AG,
Tel: + 420 2549 1,
Tel.: +43 2757 7501 500
Mail: info@rako.cz,
Mail: ceramics@lasselsberger.com
www.rako.cz www.lasselsberger.com

 

Café Imperial – Geschichte mit Licht und Schatten

38-4Als seinerzeit modernstes Hotel Prags entstand das „Imperial” im Jahre 1914. Seine außergewöhnliche Ausstattung verdankt es zwei Geschäftsleuten mit Visionen: Dem im Hotelbereich aktiven Investor J. Kolár und Emil Sommerschuh, Direktor der ,Lichtensteinischen Keramikfabrik‘ in Rakovnik, später RAKO. Beide wollten der Nachwelt ein Werk hinterlassen, das „keinen zeitlichen Änderungen unterliegt und in beständigen Farben ausgeführt ist”.

Die keramische Ausstattung entstand in jener Zeit nach den Entwürfen von Jan Beneš, Professor für dekorative Kunst in den Werkstätten der Rakovniker Schamottefabrik. Ein Relief mit der Signatur des Betriebes erinnert auch heute noch daran. Die Plastiken stammen vom tschechischen Bildhauer Josef Drahorovský. 70 000 Kronen stellte die Rakovniker Schamottefabrik dem damaligen Hotelbesitzer für ihre Arbeit in Rechnung. Einen Betrag, der für damalige Zeiten beachtlich war.

Noch während des Zweiten Weltkriegs fand das Café lebhaften Zuspruch, vor allen an solchen Tagen, an denen das Mädchenorchester von Karen Ostrá hier in Nationaltracht spielte. Erst nachdem es zunehmend auch von deutschen Soldaten besucht wurde, verlor es für die Prager seinen Zauber.

1948 wurde das Hotel zu Volkseigentum erklärt und der Revolutionären Gewerkschaftsbewegung (ROH) übergeben. 1979 erhielt es den Titel ,Nationalkulturdenkmal‘. Als Erholungsheim der ROH diente es bis zur Schließung 1986. Derzeit befindet sich das Gebäude im Besitz der Vermögens-, Verwaltungs- und Abgrenzungsunion der tschechischen Gewerkschaftsverbände.