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Digitalisierung bestimmt zunehmend Service und Instandhaltung von Ausrüstungen. Bild: Sashkin - Fotolia.com

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Digitalisierung bestimmt zunehmend Service und Instandhaltung von Ausrüstungen.
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Bei aller Euphorie bezüglich der Industrie 4.0 ist eines zu bedenken: Unternehmen können die die hier verborgenen Wettbewerbspotenziale nur ausschöpfen, wenn sie die Anforderungen ihrer Kunden berücksichtigen. Es sollte deshalb nicht darum gehen, für fertig entwickelte Technologien und Lösungen nach neuen Anwendungen zu suchen. Auslöser für neue Schritte in Richtung digitaler Transformation des Unternehmens ist immer der Kundenbedarf, nicht umgekehrt.

Gute Beispiele für eine kundenorientierte Entwicklung von modernen Dienstleistungen finden sich etwa in der Digitalisierung der technischen Dokumentation. Die zunehmende Produktkomplexität und die steigenden Kundenanforderungen erfordern nämlich über den gesamten Produktlebenszyklus die Bereitstellung zahlreicher technischer Informationen zur richtigen Zeit und am richtigen Ort.

Um die Anforderungen der Kunden an die technische Dokumentation berücksichtigen zu können, ist es sinnvoll, die gesamte Customer Journey während der Kaufphasen zu betrachten. Im Rahmen einer persönlichen Kundenbefragung sollten zunächst die wichtigsten Touchpoints zwischen Kunde und Anbieter festgestellt werden. So lassen sich etwa bereits in der Pre-Sales-Phase Unterlagen wie 3D-Zeichnungen, Produktzertifikate, Werkstoffdatenblätter oder auch Produkt-Konfiguratoren über Self-Service-Portale im Internet oder per App den Kunden digital zur Verfügung stellen. Die Kunden haben auf diese Weise jederzeit die Möglichkeit, die erforderlichen Daten direkt in ihre eigene Konstruktion und Planung zu integrieren. Die Auswahl der richtigen Produkte wird damit erheblich erleichtert.

Nach Kauf des Produktes bietet etwa die digitale Bereitstellung von Montageanleitungen die Möglichkeit, die Inbetriebnahme und Nutzung des Produktes zu erleichtern. Durch digitale Kennzeichnung, beispielsweise in Form von RFID- oder QR-Codes, entstehen elektronische Typenschilder, die eine unverwechselbare Erkennung des Produktes mit allen notwendigen technischen Informationen zu jeder Zeit ermöglichen.

Smart Service Welt

Anwendungsempfehlungen formuliertAcla Ssmart Service Welt Studie

Nachdem das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 vom gleichnamigen Arbeitskreis der Forschungsunion Wirtschaft – Wissenschaft erfolgreich initiiert wurde, widmet sich das zweite Zukunftsprojekt „Smart Service Welt“ den Chancen für die Wirtschaft durch die Integration von Produkten und Services und die zugrundeliegenden datengetriebenen Geschäftsmodelle.

Zentrale Themen sind Anwendungen aus verschiedensten Branchen, unternehmensübergreifende Kooperationen in digitalen Ökosystemen, Veränderungen in unserer Arbeitswelt sowie Sicherheit und Datenschutz. Als Voraussetzungen für den Erfolg deutscher und europäischer Smart Services werden dabei ein digitaler europäischer Binnenmarkt sowie eine einheitliche europäische Datenschutzverordnung formuliert.
www.acatech.de/smart-service-welt

In der Nutzungsphase unterstützt die digitale Dokumentation technischer Daten die vorbeugende Instandhaltung. Informationen bezüglich Wartungsintervalle, Demontage und Ersatzteilbeschaffung mittels mobiler Endgeräte direkt am Ort der Instandhaltung führen zum reibungslosen und störungsfreien Austausch der Produkte und erhöhen deren Verfügbarkeit maßgeblich. Über eine App können etwa in einem elektronischen Ersatzteilkatalog die notwendigen Nachbestellungen erfolgen. Insbesondere die Digitalisierung und Vernetzung des Ersatzteilmanagements mit einem Service-Portal des Anbieters schafft für Kunden und Anbieter höchste Prozesseffizienz.

Acla Grafik

Technische Dokumentation im Anlagen-Lifecycle
Digitalisierte technische Dokumentation bietet Herstellern wie
Anwendern Vorteile in allen Phasen der Zusammenarbeit.

Aber nicht nur Maschinen, sondern auch Einbaukomponenten könnten ihre Störungen und Wartungsintervalle selbstständig über das Internet an die Instandhaltungsfirmen melden. Nicht selten kommt es schon heute vor, dass Monteure in der Werkshalle der Kunden stehen oder Ersatzteile verschickt werden, bevor die Störung vor Ort bemerkt wird.

Das sind nur einige Beispiele für Digital Services, die in den einzelnen Etappen des Lifecycles zunehmend wichtiger werden. Durch den Einsatz vernetzter Technologien entstehen Kommunikationskanäle zwischen Abnehmer und Kunden. Diese bieten beiden die Chance, Wettbewerbspotenziale auszuschöpfen und ihre Produktivität zu erhöhen.

Dr. Sonja Kieffer-Radwan

Kontakt: ACLA-Werke GmbH
Tel.: 0221 699980
Email: sonja.kieffer-radwan@acla-werke.de
www.acla-werke.de