Prävention, also Vorbeugung, ist wichtig. Sei es in der Instandhaltung oder bei Bedrohungen wie dem Corona-Virus. Lesen Sie, was unser Kolumnist Prof. Dr. Lennart Brumby dazu meint.

Prävention, also Vorbeugung, ist wichtig. Sei es in der Instandhaltung oder bei Bedrohungen wie dem Corona-Virus. Lesen Sie, was unser Kolumnist Prof. Dr. Lennart Brumby dazu meint. - Bild: Visoot - stock.adobe.com

| von Prof. Dr. Lennart Brumby

Mit einer Mischung aus Belustigung und Kopfschütteln beobachte ich derzeit die zahlreichen Corona-Demonstrationen, bei denen neben abstrusen Verschwörungstheorien auch immer wieder die Sinnhaftigkeit der Präventionsmaßnahmen infrage gestellt wird.

Die dabei typische Parole, dass die vielen Einschränkungen des täglichen Lebens nicht notwendig seien, da ja offensichtlich gar keine Gefahr bestehen würde, erinnert mich fatal an frühere Diskussionen, die ich als Instandhaltungs-Verantwortlicher führen musste. Auch damals wurde die Notwendigkeit von geplanten vorbeugenden Instandhaltungsmaßnahmen gerne dann bezweifelt, wenn dringend produziert werden sollte. "Warum machen wir so viele vorbeugende Maßnahmen, die Anlage fällt doch gar nicht so oft aus!", war dann oft zu hören. Genauso klingen heute die Forderungen nach vollständiger Lockerung der Corona-Auflagen in meinen Ohren.

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Die Wissenschaft nennt dieses Phänomen das "Präventions-Paradox": Eine präventive Maßnahme, die grundsätzlich und über lange Zeit einen hohen Nutzen bringt, scheint im konkreten Einzelfall oft nur wenig zu bringen. Je härter demnach aktuell die vorbeugenden Maßnahmen sind, desto weniger Tote fordert das Corona-Virus. Doch je länger die Toten und schwerwiegende gesundheitliche Folgen ausbleiben, desto größer werden die Zweifel an der Notwendigkeit der vorbeugenden Maßnahmen.

Man kann dieses Präventions-Paradox in vielen Lebenslagen beobachten. So beim abendlichen Überzeugungskampf mit kleinen Kindern, dass die Zähne zu putzen sind ("Aber mir tun die Zähne doch nicht weh!"); oder die eigenen Überlegungen, ob man sein Fahrrad auch bei kurzem Abstellen abschließen muss, obwohl doch dieses Fahrrad noch nie geklaut worden ist; oder bei der Diskussion über die Notwendigkeit vom Impfungen ("Wozu impfen, wenn doch keiner die Krankheit hat?").

So einleuchtend uns diese Beispiele vordergründig erscheinen mögen, so schwierig ist dann doch in der konkreten Situation die Argumentation mit dem Gegenüber, der die präventive Maßnahme infrage stellt. Egal, ob es ein trotziges dreijähriges Kind ist, das seine Zähne nicht putzen will. Oder ein Demonstrant, der wieder ohne Maske unter Menschenmassen geht. Oder ein Produktionsleiter, der seine Anlagen nicht für geplante Wartungsmaßnahmen abstellen möchte.

Denn natürlich hat die Argumentation eine gewisse Berechtigung. Wenn das Kind am Abend seine Zähne nicht putzt, wird es am nächsten Tag in der Regel nicht gleich Zahnschmerzen bekommen. Und die Produktionsanlage wird wahrscheinlich nicht sofort ausfallen, nur weil ein Wartungsintervall ausgelassen wurde.

Der Autor Prof. Dr. Lennart Brumby

Prof. Dr. Lennart Brumby ist Studiengangsleiter für Service Engineering an der DHBW Mannheim. Der ausgewiesene Instandhaltungs-Experte ist Mitglied im DIN Normungsausschuss Instandhaltung, im EAMC European Asset Management Committee, im FVI Forum Vision Instandhaltung, in der GFIN Gesellschaft für Instandhaltung, im KVD Kundendienst-Verband Deutschland, im VDI Fachausschuss After Sales Service, im VDI Fachausschuss Instandhaltung und WVIS Wirtschaftsverband für Industrieservice. Seine Kolumne erscheint exklusiv beim Fachmagazin Instandhaltung.

Leider resultiert dann oftmals auch noch ein triumphierendes "Siehst Du!" daraus und die grundsätzlichen Zweifler an den Präventionsmaßnahmen fühlen sich eindeutig bestätigt. Was wir leider in der Situation nicht aufzeigen können, ist, welche langfristigen Folgen dieses Verhalten haben wird. Und so steht man als vernünftiger Mahner oft auf verlorenem Posten, wenn man seine präventiven Maßnahmen empfiehlt. Mit der gleichen Logik müsste man dann aber auch die Feuerwehr infrage stellen, denn es brennt ja nicht immer. Ich denke, da würde selbst das dreijährige Kind stutzig werden, wenn man empfehlen würde, die Feuerwehr abzuschaffen.

Vielleicht helfen Ihnen ja diese Vergleiche bei der Überzeugung Ihrer Produktionsverantwortlichen, wenn Sie wieder für die Zeiten der präventiven Instandhaltung kämpfen müssen. Denn ohne solche vorbeugenden Maßnahmen werden die Anforderungen an Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit kaum zu bewältigen sein. Und genau das wird in den nächsten Monaten zunehmend wichtiger werden, wenn der finanzielle Spielraum für Investitionen immer kleiner wird und so die Instandhaltung der Altanlagen immer mehr an Bedeutung gewinnt. Sehen wir es als Herausforderung, die immer noch besser ist, als zu Hause untätig herumzusitzen.

Und jammern wir nicht über irgendwelche irrationalen Paradoxa, sondern stellen wir uns der Diskussion mit guten Argumenten. Die Instandhaltung hat sie! 

Ihr

Lennart Brumby

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