Einen Fehler gemacht? Bei einer entsprechenden Fehlerkultur kein Grund zu verzweifeln, sondern eine Möglichkeit, zu lernen.

Einen Fehler gemacht? Bei einer entsprechenden Fehlerkultur kein Grund zu verzweifeln, sondern eine Möglichkeit, zu lernen. - Bild: stock.adobe.com/phat1978

| von Prof. Dr. Lennart Brumby

Ich habe mal wieder einen blöden Fehler gemacht. Ein Vortrag sollte in den Vorlesungsplan meines Studiengangs noch eingebaut werden, alles war mit dem Dozenten und seinem engen Terminkalender abgestimmt. Und dann fällt mir auf, dass an diesem Tag der Kurs eine Klausur zu schreiben hat und deshalb keine weitere Veranstaltung möglich ist. So ein Mist! Mich vielfach entschuldigend musste ich dem Dozenten dann doch wieder absagen und ihn nach einem neuen Termin fragen. Sehr unangenehm, auch wenn der Dozent sehr verständnisvoll reagierte.

Zerknirscht wegen des dämlichen Fehlers bin ich nach Hause gefahren, und als ich die Haustür aufschloss, höre ich ein Lied aus meiner Kindheit. Mein Sohn hat meine alten Sesamstraßen-Platten für sich entdeckt und es läuft gerade das Lied von Bibo, dem großen gelben Vogel: "Du hast 'nen Fehler gemacht? Sei nicht traurig. Jeder macht mal Fehler", heißt es da. Ich musste spontan schmunzeln, mein Ärger war verflogen.

Einmal auf die Thematik "Fehler" sensibilisiert, fallen mir in der Presse zwei Meldungen auf. Zum einen die Aufregung über die Aussage des Gesundheitsministers Spahn, dass man heute andere Entscheidungen zur Prävention treffen würde. Für manche ein perfekter Anlass, wieder einen neuen Shitstorm loszutreten. Zum anderen ein Interview des Virologen Streeck, der zugibt, dass niemand - kein Politiker, kein Virologie, kein Epidemiologe - den einen, richtigen Weg im Umgang mit der Pandemie kenne. Dennoch könne man das Leben nicht pausieren lassen. "Wir können nur ausprobieren - und wir müssen auch Fehler machen dürfen."

Es ist sehr wohltuend, wenn man seinen eigenen Fehler etwas entspannter sehen kann. Zumal mein Fehler nicht vergleichbar ist mit den Fehlern, von denen der Virologe Streeck von der Uni Bonn sprach. Mein Fehler wäre mit etwas mehr Gründlichkeit vermeidbar gewesen, und die Folgen dieses Fehlers sind auch sehr überschaubar und leicht zu korrigieren. Die sogenannten Fehler bei früheren Corona-Maßnahmen dagegen sind in großer Unsicherheit getroffen worden. Die Folgen dieser Entscheidungen haben aber viele Millionen getroffen.

So unterschiedlich diese Fehler auch sind, sie werfen beide doch die Frage auf, wie man am besten mit Fehlern umgeht. In vielen Bereichen herrscht in solchen Fällen ein "Finger-pointing" vor, bei der als Fehlerbehebung vorrangig ein Schuldiger gesucht und dieser dann abgestraft wird. Wer das nicht mag, sollte seinen Fehler möglichst gut verbergen oder noch besser, einem anderen in die Schuhe schieben.

Spätestens mit TPM und der japanischen Lean-Philosophie haben wir jedoch auch gelernt, Fehler als Chance für Verbesserung zu sehen und daher offen und konstruktiv darüber zu sprechen und nach Möglichkeiten zu suchen, wie diese in der Zukunft vermieden werden können. Wir reden von einer positiven Fehlerkultur, bei der die Mitarbeiter motiviert werden, frei und ehrlich über ihre Fehler zu sprechen, damit andere diese nicht auch machen. Mut zu einem offenen Austausch, Vertrauen in die eigenen Kollegen und eine gemeinsame Reflexion des Fehlers, das sind unter anderem wesentliche Elemente einer solchen positiven Fehlerkultur.

Der Autor Prof. Dr. Lennart Brumby

Prof. Dr. Lennart Brumby ist Studiengangsleiter für Service Engineering an der DHBW Mannheim. Der ausgewiesene Instandhaltungs-Experte ist Mitglied im DIN Normungsausschuss Instandhaltung, im EAMC European Asset Management Committee, im FVI Forum Vision Instandhaltung, in der GFIN Gesellschaft für Instandhaltung, im KVD Kundendienst-Verband Deutschland, im VDI Fachausschuss After Sales Service, im VDI Fachausschuss Instandhaltung und WVIS Wirtschaftsverband für Industrieservice. Seine Kolumne erscheint exklusiv beim Fachmagazin Instandhaltung.

In Zeiten von VUCA, wo wir uns immer häufiger in der Komplexität der sich verändernden Sachverhalte verlieren und unter hoher Unsicherheit schnelle Entscheidungen zu treffen haben, gewinnt eine solche Fehlerkultur immer mehr an Bedeutung. In meinem Studiengang habe ich daher seit einigen Jahren einen kleinen Workshop "Fehlermanagement" in den Lehrplan integriert, den die Studierenden jedes Mal mit großer Begeisterung verfolgen und sich anschließend sogar noch weitere Einheiten zu diesem Thema wünschen. Es wäre schön, wenn die Studierenden dadurch zur positiven Fehlerkultur in ihrem Ausbildungsunternehmen beitragen können.

Ich selbst habe mir vorgenommen, dass ich bei der nächsten Planung auch die Termine der Klausuren in meinem Kalender eintragen werde, damit mir dieser dämliche Fehler nicht nochmal passiert. Und dann will ich noch üben, mich über solche Fehler nicht zu ärgern, sondern wie Bibo sagte: "Sei nicht traurig. Jeder macht mal Fehler."

Ihr

Lennart Brumby

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