Auf dem Smartphone WhatsApp, auf dem Tablet Teams und auf dem Laptop ein Online-Kongress - die Digitalisierung ermöglicht es uns, auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Ob das aber immer so toll ist, darüber macht sich unser Kolumnist Prof. Dr. Lennart Brumby so seine Gedanken.

Auf dem Smartphone WhatsApp, auf dem Tablet Teams und auf dem Laptop ein Online-Kongress - die Digitalisierung ermöglicht es uns, auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Ob das aber immer so toll ist, darüber macht sich unser Kolumnist Prof. Dr. Lennart Brumby so seine Gedanken. - Bild: stock.adobe.com/vectorfusionart

Digitalisierung ist schon was Feines. Immer wieder beeindruckend, welch‘ tolle Möglichkeiten sich einem dadurch eröffnen und wie die kleinen mobilen Helfer meinen Alltag so beeinflussen. Als Beispiel ein scheinbar "ganz normaler" Donnerstag der letzten Woche:

Nach einem kurzen Frühstück schnell übers Handy in die Web-Session des Netzwerks 4.OPMC einloggen. Diesmal mit sehr spannenden Vorträgen zu Digitalen Assistenzsystemen. Mit den Kopfhörern im Ohr der Session lauschend schnell aus dem Haus, um die Straßenbahn zum Bahnhof zu erwischen. Während des ersten Vortrags zu Datenbrillen schnell noch per Handy einen Fahrschein kaufen. In der Straßenbahn dann die WhatsApp eines Studis, der sich mit Corona-Verdacht krankmeldet! Mist! Kurzerhand informiere ich – ebenfalls via WhatsApp – den Rest des Kurses und erkläre die eigentlich als hybrid geplante Vorlesung zur reinen Online-Vorlesung. Alle Studierenden können zu Hause bleiben, nur ich bin unterwegs.

Im Zug nach Mannheim schalte ich sofort mein Laptop ein und logge mich ins WLAN des IC ein. Super! Während ich weiterhin via Handy der 4.OPMC-Session zuhöre und etwas über die Digitalisierung bei der Bahn erfahre, bin ich gleichzeitig mit meinem Laptop im Internet und kann mich so mit der Online-Messe In.Stand verbinden. Mein erster Besuch einer Online-Messe! Viele bekannte Experten, die ich dieses Jahr nicht treffen konnte, sind auf der Messe vertreten.

Schnell kann ich über die Chat-Funktion sogar ein paar Grüße loswerden. Ich entdecke, dass, wenn ich mehrere Tabs meines Browsers öffne, ich auch mehrere Chats gleichzeitig betreiben kann. Und im Ohr noch der letzte Vortrag zu Praxisbeispielen von Digitalen Assistenzsystemen. Plötzlich taucht auch noch der Schaffner auf und will mein Ticket sehen, was ich natürlich auf dem Handy habe. Alles digital, ein Wahnsinn! Und schnell noch auf die Antworten im Chat der Messe reagieren.

Um ein Haar hätte ich es allerdings verpasst, in Mannheim auszusteigen. Als ich dann endlich in meinem Büro angekommen bin, habe ich bereits mit zehn Leuten gechattet, vier Fachvorträge zu Digitalen Assistenzsystemen gehört und meinen Vorlesungstag komplett reorganisiert. Und dabei ist es gerade erstmal 10 Uhr morgens. Ich selbst fühle mich allerdings schon sehr erschöpft und reif für den Feierabend.

Ich weiß nicht, wie Ihnen der Umgang mit der Digitalisierung gelingt. Aber an manchen Tagen empfinde ich diese auf den ersten Blick so tolle Digitalisierung als Fluch und Segen zugleich. Es ist so verlockend, diese vielen Konferenzen, Meetings und Messen, die früher noch mit entsprechenden Reisen an verschiedene Orte verbunden waren, nun digital wahrzunehmen. So kann ich gleichzeitig an einem Kongress, der eigentlich in Essen stattfinden sollte, und an einer Messe, die in Stuttgart geplant war, teilnehmen.

Die Gabe, sich an zwei verschiedenen Orten gleichzeitig aufhalten zu können, die sogenannte Bilokation, schrieb die katholische Kirche früher nur bestimmten Heiligen zu. Heute kann das Jeder. Quasi als digitale Bilokation, die schnell aber auch in eine digitale Überforderung münden kann. Denn außer Stress ist mir von diesem Donnerstagmorgen nicht in Erinnerung geblieben. Weder zu Digitalen Assistenzsystemen noch zu den zahlreichen Chat-Gesprächen (Entschuldigung an alle, mit denen ich an diesem Tag gechattet habe).

Der schönste Moment an diesem Donnerstag war übrigens, als ich dann spät abends mit dem Hund noch mal raus über die Felder gegangen bin. Ohne Handy, das hing schon am Ladekabel. Nur der Hund und ich. Ganz analog - an einem Ort.

 Ihr

Lennart Brumby

 

P.S.: Der Corona-Verdacht des Studenten stellte sich fünf Tage später als falsch heraus.

Der Autor Prof. Dr. Lennart Brumby:
Prof. Dr. Lennart Brumby ist Studiengangsleiter für Service Engineering an der DHBW Mannheim. Der ausgewiesene Instandhaltungs-Experte ist Mitglied im DIN Normungsausschuss Instandhaltung, im EAMC European Asset Management Committee, im FVI Forum Vision Instandhaltung, in der GFIN Gesellschaft für Instandhaltung, im KVD Kundendienst-Verband Deutschland, im VDI Fachausschuss After Sales Service, im VDI Fachausschuss Instandhaltung und WVIS Wirtschaftsverband für Industrieservice. Seine Kolumne erscheint exklusiv beim Fachmagazin Instandhaltung.

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