Unbekanntes Risiko - bei vielen neuen Techniken oder Ideen wie der Corona-Warnapp haben viele Menschen irrationale Ängste und lassen die Chance verpuffen. Gutes Changemanagement kann hier helfen, schreibt Prof. Dr. Lennart Brumby in dieser Ausgabe seiner Instandhaltungs-Kolumne.

Unbekanntes Risiko - bei vielen neuen Techniken oder Ideen wie der Corona-Warnapp haben viele Menschen irrationale Ängste und lassen die Chance verpuffen. Gutes Changemanagement kann hier helfen, schreibt Prof. Dr. Lennart Brumby in dieser Ausgabe seiner Instandhaltungs-Kolumne. - Bild: stock.adobe.com/Michael Eichhammer

| von Prof. Dr. Lennart Brumby

Da war sie also endlich da, die neue Corona-Warn-App. Und für einige überraschend, wurde sie sogar besser angenommen als von vielen Skeptikern prognostiziert. Nach nur wenigen Tagen hatten bereits mehrere Millionen Bürger die lange angekündigte App, mit der so viele Erwartungen verbunden werden, heruntergeladen.

Auch ich wollte mir gleich am ersten Tag frühmorgens aus dem App-Store die Corona-Warn-App beschaffen. Allerdings musste ich nach einigen erfolglosen Versuchen feststellen, dass mein iPhone, das ich gerade erst auf einem Gebrauchtmarkt günstig erworben hatte, leider zu alt ist, um die Corona-App zu installieren. Und das, obwohl ich doch ganz vorne mit dabei sein wollte bei der Verbreitung und Nutzung dieser innovativen App.

Aus der erhofften Begeisterung wurde schnell ein frustriertes Granteln meinerseits. Wieso haben diese Entwickler nicht auch an die Nutzer älterer Smartphones gedacht? Oder soll ich jetzt dazu gebracht werden, mir doch ein ganz neues (und damit teures) Gerät zu kaufen? Nur um diese Corona-Warn-App nutzen zu können?

Nein, keine Sorge, ich möchte jetzt nicht gegen die Corona-Warn-App protestieren oder gar die gesamten Corona-Maßnahmen infrage stellen. Im Gegenteil: Ich halte die breite Nutzung dieser App für absolut sinnvoll und jeder, der kann, sollte sie auf seinem Smartphone installieren. Sämtliche Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und eines möglichen Missbrauchs durch die Behörden lassen sich leicht entkräften, wenn man einen Vergleich zur bedenkenlosen und weit-verbreiteten Datenfreigabe bei der Verwendung von WhatsApp zieht.

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Trotzdem bedarf es auch hier einer intensiven Werbung und Überzeugungskraft, um die diversen Widerstände gegen die Corona-Warn-App zu beseitigen und die Bürger zum Mitmachen zu bewegen. Ein klassischer Fall für ein Changemanagement, wie wir es aus unseren Veränderungsprojekten im Unternehmen her kennen. Gerade bei der Einführung neuer Software-Lösungen oder digitaler Unterstützungswerkzeuge wie AR-Brillen ist die technische Einführung immer von Maßnahmen des Changemanagements zu begleiten. "Betroffene zu Beteiligten machen" lautet dabei ein typisches Erfolgsrezept.

Dabei ist es wichtig zu akzeptieren, dass Menschen nicht nur rein rational denken und handeln, sondern immer wieder auch irrationale Ängste und Sorgen haben. Diese sollten auch bei der Einführung neuer Lösungen wie der Corona-Warn-App ernst genommen werden und ihnen nach Möglichkeit sachlich begegnet werden. Viele Veränderungsprojekte scheitern daran, dass solche scheinbar irrationalen Widerstände nicht beachtet wurden. Dann kann die Lösung noch so überzeugend in Powerpoint oder als Prototyp herüberkommen, die breite Einführung wird dann immer scheitern.

Der Autor Prof. Dr. Lennart Brumby

Prof. Dr. Lennart Brumby ist Studiengangsleiter für Service Engineering an der DHBW Mannheim. Der ausgewiesene Instandhaltungs-Experte ist Mitglied im DIN Normungsausschuss Instandhaltung, im EAMC European Asset Management Committee, im FVI Forum Vision Instandhaltung, in der GFIN Gesellschaft für Instandhaltung, im KVD Kundendienst-Verband Deutschland, im VDI Fachausschuss After Sales Service, im VDI Fachausschuss Instandhaltung und WVIS Wirtschaftsverband für Industrieservice. Seine Kolumne erscheint exklusiv beim Fachmagazin Instandhaltung.

In diesem Sommer habe ich das Vergnügen, eine Bachelorarbeit einer meiner Studierenden betreuen zu dürfen, die genau dies zum Thema hat. Der Studierende soll in seinem Ausbildungsunternehmen die Wirksamkeit der Anwendung verschiedener Changemanagement-Methoden bei der Implementierung eines digitalen Prozesses untersuchen.

Ziel ist es, die Wirksamkeit und Relevanz des Changemanagements für den digitalen Umschwung der Industrie darzustellen und Verbesserungspotentiale für sein Ausbildungsunternehmen zu ermitteln. Ein, wie ich finde, sehr spannendes Thema angesichts vieler toller digitaler Lösungen und der damit verbundenen Frage, ob sie von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch angenommen werden.

Zumindest die Corona-Warn-App scheint ja bei den Bürgern akzeptiert zu werden. So bleibt zu hoffen, dass sie uns auch wirklich dabei hilft, Infektionsketten nachzuvollziehen und so die weitere Ausbreitung des SARS-Cov-2-Erregers wirksam eingedämmt werden kann. Auf weitere Lockdown-Maßnahmen hat nun wirklich keiner mehr Lust.

Und vielleicht gibt es ja auch bald noch eine Version dieser Warn-App für ältere Smartphone-Modelle. Ich würde es mir wünschen. 

Ihr

Lennart Brumby

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