Führung ist auch in der Instandhaltung mehr, als nur Ziele festzulegen.

Führung ist auch in der Instandhaltung mehr, als nur Ziele festzulegen. - Bild: adobe.stock.com/Drazen

| von Prof. Dr. Lennart Brumby

Neulich morgens im Zug zur Hochschule traf ich eine meiner Pendler-Bekanntschaften. Er erzählte mir halb-jammernd, dass er an diesem Tag sein jährliches Führungsgespräch mit seinem Chef habe, schnell noch vor dem Jahresende, um die Vorgaben des Unternehmens zu erfüllen. Sein Chef würde ansonsten kaum mit ihm sprechen, und auch dieses Jahresendgespräch sei in seinen Augen vollkommen sinnlos und in erster Linie bürokratisch geprägt.

Ich erinnerte mich dann an meine Zeit in der Industrie und konnte sein Klagen gut nachvollziehen, hatte ich doch ähnliche Erfahrungen gemacht. Zu oft dienten diese Führungsgespräche lediglich dazu, die vereinbarte Zielerreichung festzulegen, um daraus die jeweilige Prämie zu errechnen. Aber was hatte das noch mit Führung zu tun? Sollte Führung nicht vielmehr Orientierung vermitteln und gegenüber den Mitarbeitern Wertschätzung widerspiegeln, die fortwährend motiviert und zum weiteren Lernen Anstöße gibt?

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Sie fragen sich jetzt, was das mit Instandhaltung zu tun hat? Nun, ich denke, dass wir uns gerade in der heutigen Instandhaltung wieder die große Bedeutung von Führung ins Bewusstsein rufen müssen. Dort, wo wir so weitreichende strategische Überlegungen zur Digitalisierung der Instandhaltung und zur Smart Maintenance diskutieren, sollen am Ende unsere Mitarbeiter diese Konzepte realisieren und leben.

Dazu benötigen die Mitarbeiter aber eine aufrichtige Führung, die Orientierung gibt, die Werte wie Achtsamkeit, Partizipation und Transparenz aktiv vorlebt. Gerade die von uns so oft gepriesene Digitalisierung führt bei vielen Mitarbeitern zu Verunsicherung, wissen sie doch nicht, ob sie in dieser digitalisierten Instandhaltung noch zurechtkommen oder überhaupt noch benötigt werden. Führung muss hier Orientierung geben und allen Mitarbeitern aufzeigen, was ihr Beitrag in der Smart Maintenance sein kann.

Auch meine Studierenden haben schon klare Erwartungen an ihre Chefs. Sie sind in meiner Wahrnehmung diesbezüglich sogar sehr sensibel und beobachten genau, wie sie in ihren Ausbildungsunternehmen von ihren Betreuern geführt werden. Am Ende des Studiums entscheiden sie sich nicht selten aufgrund dieser Eindrücke für oder gegen ein Unternehmen als zukünftigen Arbeitgeber.

Die vielzitierte Generation Y ist diesbezüglich vielleicht anspruchsvoller als frühere Generationen und wird sich nicht mit jährlichen oder halb-jährlichen Führungsgesprächen zufrieden geben. Sie wünschen sich vielmehr Transparenz und oft auch Partizipation bei wichtigen Entscheidungen. Daraus schöpfen sie ihre Motivation, den von uns geforderten Wandel zur Smart Maintenance aktiv mitzugestalten. Gute, mitarbeitermotivierende Führung ist daher ein Schlüsselelement für die moderne Instandhaltung.

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Und wie halten Sie es mit der Führung in Ihrem Bereich? Haben Sie vielleicht auch gerade im Akkord die vielen Führungsgespräche eng getaktet durchgeführt oder aber haben Sie – wie mein Pendler-Kollege – Ihr Führungsgespräch schnell "hinter sich gebracht". Dann sollten Sie sich vielleicht fürs nächste Jahr ein paar gute Vorsätze machen und die Führung in ihrer Instandhaltung neu überdenken.

Und wenn bei Ihnen in diesem Jahr noch Führungsspräche anstehen, sollten Sie vorher überlegen, welche Werte Ihnen in der Zusammenarbeit wichtig sind und diese Ihrem Gegenüber möglichst offen mitteilen. Denn eine moderne Instandhaltung wie die Smart Maintenance wird von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit aller geprägt sein, in der die Mitarbeiter motiviert sind, die digitalen Werkzeuge und Prozesse aktiv zu nutzen und an deren Verbesserung kontinuierlich mitzuwirken. Zielerreichungsgespräche werden auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil von Führung sein. Aber viel wichtiger ist die Führungsarbeit in der täglichen Zusammenarbeit.

Meinen Pendler-Kollegen traf ich übrigens einige Tage später wieder und fragte ihn nach dem Verlauf seines Gesprächs. Er winkte nur ab und sagte: "Wie jedes Jahr!" 

Ihr

Lennart Brumby

Der Autor Prof. Dr. Lennart Brumby

Prof. Dr. Lennart Brumby ist Studiengangsleiter für Service Engineering an der DHBW Mannheim. Der ausgewiesene Instandhaltungs-Experte ist Mitglied im DIN Normungsausschuss Instandhaltung, im EAMC European Asset Management Committee, im FVI Forum Vision Instandhaltung, in der GFIN Gesellschaft für Instandhaltung, im KVD Kundendienst-Verband Deutschland, im VDI Fachausschuss After Sales Service, im VDI Fachausschuss Instandhaltung und WVIS Wirtschaftsverband für Industrieservice. Seine Kolumne erscheint exklusiv beim Fachmagazin Instandhaltung.

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