Ausblick

Dienstleister werden wachsen

Die Industriedienstleister in Deutschland wuchsen im Geschäftsjahr 2014 im Durchschnitt um 0,8 Prozent, die Top 15 sogar nur um 0,4 Prozent. Ursachen waren die Zurückhaltung von M&A-Aktivitäten und die interne Konsolidierung. Wie aber sehen die Prognosen für 2015 und 2016 aus?

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Industriedienstleister: Die Zuversicht auf künftiges Wachstum nimmt zu, trotz aller bestehenden Herausforderungen.
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Die Zeichen stehen auf Wachstum: Die vom Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünendonk befragten Unternehmen glauben an eine Zunahme des Marktvolumens in Höhe von durchschnittlich 4,1 Prozent für 2016 und eine weitere Steigerung in Höhe von durchschnittlich 4,6 Prozent pro Jahr bis 2020. Ähnlich optimistisch sind sie mit Blick auf das eigene Unternehmen. Für 2016 liegt der Durchschnitt aller Unternehmen sogar bei 4,7 Prozent. Mittelfristig sinkt die Erwartung um einen Punkt auf 3,7 Prozent pro Jahr. Die von Lünendonk analysierten Unternehmen erwirtschaften 43 Prozent des vom WVIS taxierten Marktvolumens. Inwiefern sich diese Prognosen bewahrheiten, bleibt indes abzuwarten: In den beiden Vorjahren wurden sie stets verfehlt. Im aktuellen Geschäftsjahr wird eine durchschnittliche Umsatzsteigerung von 3,8 Prozent erwartet.

Fehlende Planungssicherheit in der Energiewende

Der deutsche Industrieservice-Markt wird aktuell von mehreren Themen geprägt, die sich auf das Wachstum der Branche auswirken: Infolge der Energiewende werden viele konventionelle Kraftwerke lediglich als Reserve bereitgehalten. Die Erzeuger haben in der Konsequenz die Instandhaltung auf ein Minimum reduziert. Angesichts der schwierigen Ertragslage streben die Betreiber eine größtmögliche Kostenreduzierung an. Gewichtet am Inlandsumsatz der Dienstleister sind Kraftwerksbetreiber und die Energiewirtschaft mit 19,1 Prozent Anteil die zweitwichtigste Kundenbranche nach Chemie/Petrochemie/Raffinerie. Die Konjunktur der Energiewirtschaft wirkt sich also spürbar auf die Dienstleister aus. Durch die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wird die Eigenstromerzeugung weniger attraktiv. Dies sorgt derzeit im Markt für einen hohen Diskussions- und Handlungsbedarf, um die Kosten auf einem vertretbaren Niveau zu halten. Die Industriedienstleister erwarten zusätzliche Umsätze mit den Leistungen Energiemanagement, Contracting und Beratung.

Ein zentrales Problem der Dienstleister ist es, Fachpersonal zu finden – ein Nebeneffekt der guten Konjunktur in Deutschland. Ohne ausreichende Techniker sehen sich die Unternehmen gezwungen, auf Aufträge zu verzichten. Um hier abzufedern, arbeiten die Industrieservice-Firmen mit Personaldienstleistern zusammen. Da die Unternehmen zu einem signifikanten Teil Auslastungsspitzen ihrer Auftraggeber kompensieren, ist dies ein gangbarer Weg. Die künftige Entwicklung der Anbieter wird davon abhängen, ob es ihnen gelingt, ausreichend gut ausgebildetes Fachpersonal vorzuhalten und somit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Kunden zu gewinnen, die ebenfalls händeringend technisches Personal suchen.

Luenendok Industrieservice Grafik

Industrieservice erwartet mehr Umsatz durch Outsourcings
Eine Übersicht über die Entwicklung der Umsatzanteile von Outsourcing-Projekten einschließlich Personalübernahmen im Jahr 2014 effektiv sowie die Prognosen 2015 bis 2020 p.a. Angegeben sind die Durchschnittswerte – Anteile am Gesamtumsatz in Prozent.

Lünendonk beobachtet aktuell eine Strukturänderung im Industrieservice-Markt. Bisher gaben die Dienstleister in der jährlichen Struktur eine Tendenz zu erkennen, dass ihre Kunden Komplettdienstleister bevorzugen. Diese Entwicklung ist rückläufig. Die Nähe zum Standort des Kunden und somit eine schnelle Reaktionszeit stellen für die Nutzer derzeit einen größeren Mehrwert dar als eine gebündelte und standortübergreifende Präsenz. Dies liegt indes auch an der Wahrnehmung der Anbieter: Mit wenigen Ausnahmen trauen Nutzer ihnen keine „Rundumbetreuung“ in Eigenleistung zu, sondern sehen sie mit einem spezialisierten Leistungsprofil. Oftmals werden Aufträge kleinteilig an benachbarte Handwerksbetriebe vergeben. Hier wird Synergiepotenzial verschenkt, denn durch einen Rahmenvertrag sparen Auftraggeber Zeit und Ausschreibungen. Darüber hinaus kennt sich der Dienstleister im Werk bereits aus. Für die Dienstleister bedeutet dies, die regionale Präsenz weiter zu stärken und auf der anderen Seite an einer Ausweitung des Leistungsportfolios mit eigenem Personal zu arbeiten.

Zudem sinkt bei den Industrieservice-Anbietern die Nachfrage nach FM-nahen Leistungen wie etwa der industriellen Reinigung. Hier manifestiert sich ein weiterer Trend, der indes erst im Anfangsstadium der Umsetzung ist: Facility Services und Industrieservices werden künftig stärker aus einer Hand nachgefragt, als es derzeit der Fall ist. Dieser Trend wird sowohl von FM-Dienstleistern als auch von IS-Anbietern auf einer fünfstufigen Skala von -2 bis +2 mit 0,3 leicht gesehen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Entwicklung M&A-Aktivitäten befördert. Einige Dienstleister sind bereits im FM als auch den Industrieservices tätig. Bilfinger, Wisag und Piepenbrock sind mit ihren jeweiligen Geschäftseinheiten auf beiden Lünendonk®-Listen sichtbar. Auf der anderen Seite sind auch Industrieparkbetreiber wie etwa Infraserv Höchst mit Facility Services am Markt aktiv. Nach außen hin sichtbar wird dies mit der Erweiterung der traditionell im Frühjahr stattfindenden bisherigen Frankfurter FM-Messe zur Branchenmesse „InServFM“. Die Branchenverbände GEFMA und WVIS unterstützen diese Entwicklung.

Luenendok Marktwachstum

Marktwachstum rückläufig – Prognosen deuten auf Steigerungen hin
Inlandsumsatzentwicklung der Jahre 2012 bis 2014 effektiv sowie Prognosen zur Umsatzentwicklung 2015 bis 2020 p.a. Gezeigt sind die Durchschnittswerte über alle Unternehmen.
*) Ergebnisse der Befragungen der Jahre 2014 und 2013.
Grafiken: Lünendonk

Ausblick

Nach zwei eher mäßigen Geschäftsjahren, in denen sich die Dienstleister intern konsolidierten und für die Zukunft aufstellten, nimmt die Zuversicht auf steigende Wachstumszahlen zu. So äußerte sich die überwiegende Mehrheit der von Lünendonk befragten Dienstleister optimistisch, konstatierte aber auch, dass die Branche vor Herausforderungen steht. Von einer „Goldgräberstimmung“ ist keine Rede, Pessimismus ist angesichts der aktuellen Wachstumszahlen aber ebenfalls nicht zu spüren. Klare Regelungen für die Energiewende, die eine Planungssicherheit ermöglichen, sind für die Branche ebenso wichtig wie eine Entspannung auf dem Personalmarkt. Anders als im Markt für Facility Services, in dem aktuell nur geringe Outsourcing-Projekte erwartet werden, sehen die Industriedienstleister hier noch Potenzial.

Die Übersicht

Lünendonk®-Studie 2015 jetzt erhältlich

Die Lünendonk GmbH beschäftigt sich seit 2008 mit dem Markt für Industrieservices. In den etablierten Facility-Management-Analysen der Lünendonk GmbH werden Industrieserviceunternehmen aus Gründen der Vergleichbarkeit nicht berücksichtigt. Da jedoch einerseits einige FM-Anbieter sukzessive auch Wartungs- und Instandsetzungs-Services anbieten, andererseits klassische Industriedienstleister das Portfolio um FM-Leistungen ergänzen, widmet sich Lünendonk diesem Thema in einer eigenen Marktanalyse.
Die umfassende Lünendonk®-Studie 2015: „Industrieservice-Unternehmen in Deutschland“ ist unter www.luenendonk.de zum Preis von 1.600 Euro zzgl. MwSt. erhältlich. Der jährlich erstellte Berichtband enthält zahlreiche Informationen zur Marktstruktur wie Umsätze, Mitarbeiter, Leistungsspektrum, Marktsektoren und Information zur Bedeutung aktueller Trends und Entwicklungen.

Die Digitalisierung macht auch vor den Industrieservices nicht halt: Dienstleister, die sich diesem Thema konsequent widmen, werden für ihre Kunden zu einem höheren Anteil von geplanten zu ungeplanten Leistungen beitragen, indem die Intelligenz in der Wartung und Instandhaltung durch konsequentes Nutzen von Lebenszyklusdaten weiter optimiert wird.
Thomas Ball

 Kontakt: Lünendonk GmbH, Gesellschaft für Information und Kommunikation
Tel.: 08261 731400
Email: info@luenendonk.de
www.luenendonk.de

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